Islamischer Staat Heute Teenie, morgen Selbstmordattentäterin

CORRECTING DATE Women wearing a niqab, a type of full veil, walk under a billboard erected by the Islamic State (IS) group as part of a campaign in the IS controlled Syrian city of Raqqa on November 1, 2014. Arabic writting on billboard 'We shall be triumphant, in spite of the global coalition'. AFP PHOTO/RMC/STR

(Foto: AFP)
  • Zwei junge Frauen aus Deutschland stehen im Verdacht, mit der Planung eines Selbstmordattentats im türkischen Suruç mit 34 Toten in Verbindung zu stehen.
  • Beide stammen aus Mönchengladbach und waren den Sicherheitsbehörden aus der salafistischen Szene bekannt.
  • Immer mehr Frauen werden von Islamistischen Terrorgruppen zu Selbstmordattentaten herangezogen.
Von Katja Riedel, Boris Baumholt und Georg Heil

Wie ein Engel sieht das Mädchen aus, mit schulterlangen, blonden Haaren, mit großen Augen, hinter ihm ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum. Das Bild ist verwaschen, die Farben sind leicht verblichen. Und das Mädchen ist längst kein Kind mehr, schon gar kein Engel. Denn das Foto zeigt nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR wohl Valentina S., inzwischen 20 Jahre alt, in Mönchengladbach aufgewachsen.

Vor einem Jahr ist sie über die Türkei nach Syrien ausgereist, vermutlich, um sich dort dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Es spricht vieles dafür, einen handfesten Beweis haben deutsche Behörden jedoch bisher nicht. Nun ist Valentina S. wieder aufgetaucht, zumindest ihr Name: Dieser steht auf einer Fahndungsliste des türkischen Geheimdienstes - sie wird gesucht, weil sie angeblich ein Selbstmordattentat in der Türkei geplant haben soll.

Hintergrund ist das Bombenattentat im türkischen Suruç

Vor zwei Wochen hat die Generaldirektion für Sicherheit in Ankara diese Liste mit dem Vermerk "Geheim" an alle Polizeipräsidien in 81 Provinzen des Landes verschickt; türkische Medien veröffentlichten das Dokument. Hintergrund ist das Bombenattentat auf das kurdische Kulturzentrum von Suruç im türkisch-syrischen Grenzgebiet, bei dem am 20. Juli 34 Menschen ums Leben kamen, 76 wurden verletzt, zum Teil schwer. Gesucht wird offenbar auch der Bruder des von den türkischen Behörden identifizierten mutmaßlichen Attentäters.

Die Deutsche Valentina S. ist eine der insgesamt 21 Gesuchten, nach denen per Namen, Foto und Ausweisnummer gefahndet wird. Unter ihnen finden sich sechs Frauen - und neben Valentina S. befindet sich nach Erkenntnissen deutscher Behörden auch das Foto ihrer Mönchengladbacher Jugendfreundin und engsten Vertrauten Merve D. auf der Liste. Auch sie wurde im Rheinland geboren und ist dort aufgewachsen, sie soll aber türkische Staatsbürgerin sein.

Den Frauen etwas nachzuweisen, fällt schwer

Die Polizei in Mönchengladbach hat bestätigt, dass es sich bei den beiden jungen Frauen auf der Liste um die Mädchen handeln soll. "Sie waren uns bekannt aus dem salafistischen Umfeld. Seitdem sie ausgereist sind, haben wir keine Erkenntnisse mehr, was mit ihnen passiert ist", sagt Willy Theveßen von der Polizei Mönchengladbach. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf führt schon seit einigen Monaten ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden Freundinnen, wegen des Verdachts, eine schwere staatsgefährdende Straftat vorzubereiten.

Beruf: "Ehefrau bei Islamischer Staat"

Die 16-jährige Elif Ö. aus Neuried bei München ist in Syrien verschwunden - und nun zumindest online wieder aufgetaucht. Auf Facebook wirbt sie bei gleichaltrigen Mädchen dafür, sich den IS-Terrorkämpfern anzuschließen. Sie selbst hat offenbar geheiratet. Von Georg Heil, Volkmar Kabisch und Katja Riedel mehr ...

Ein Verdacht, der sich schon durch die Reise ins Dschihadisten-Gebiet begründet - und nur eine juristische Hilfskonstruktion. Denn die Ausreise junger Frauen in die dschihadistischen Kriegsgebiete, nach Syrien oder in den Irak, stellt die Behörden vor juristische Probleme. Ihnen nachzuweisen, dass sie nicht nur einen starken Krieger heiraten, ihm Nachwuchs für den IS schenken und den Haushalt führen wollen, fällt schwer. Junge Männer brüsten sich auch in den sozialen Medien damit, an Kämpfen teilzunehmen, sie verschicken Selfies, die sie in Kampfanzug mit Maschinenpistolen zeigen. Junge Frauen tragen Schleier, sie sind nicht eindeutig identifizierbar, selbst dann nicht, wenn auch sie sich mit den Emblemen der Terrormiliz zeigen oder Waffen tragen.