Islamischer Staat Brutale Mutprobe: einen Menschen ermorden

Zumindest einige der Neuen müssten, so berichteten Rückkehrer, eine brutale Mutprobe leisten. Dazu könne auch die Ermordung eines Menschen gehören. Meist sind die Opfer Muslime. Alle gelten als ungläubig, die nicht an das glauben, woran die Führer des IS glauben.

Die Anführer des IS übertreiben ihre Grausamkeiten bewusst, um Gegner einzuschüchtern. Das ist bekannt. Neu ist, dass auch die eigenen Leute permanent eingeschüchtert werden. So haben es Rückkehrer berichtet.

Kein Experte und niemand in den Sicherheitsbehörden hat ein genaues Gesamtbild der Lage in den Lagern des Islamischen Staats und an der Front. Nach übereinstimmenden Schilderungen aber beginnt die religiöse Schulung sofort, wenn Pässe und Handys eingesammelt sind. Koran-Suren würden gepaukt, aber nur solche, mit denen sich vermeintlich jede Form von Barbarei rechtfertigen lasse.

Jeder lokale Kommandeur pflegt sein eigenes Unterdrückungssystem. Und das gilt auch für die Frauen. Schätzungsweise hundert deutsche Frauen wurden in Moscheen, daheim, auf "Schwesternseminaren" oder bei "Cake days" für den IS geworben. Sie zogen mit ihren Männern in den Krieg oder glaubten, "Löwen" zu heiraten und wurden dann Zweit-oder Drittfrau eines Kriegers, den sie vorher nicht kannten. Die jüngsten von ihnen waren erst 16 Jahre alt, als sie nach Syrien reisten.

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"Junge Mädchen", sagt Maaßen, seien in "romantischer Verblendung" eine Dschihad-Ehe eingegangen, und dann sei ihnen "aufgefallen, das ist doch ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben". Andererseits sei es "schon fast komisch", dass ein Mädchen darüber geklagt habe, morgens keine Nutella bekommen zu haben.

Die Sicherheitsbehörden haben die Rückkehrer in drei Kategorien eingeteilt

Die Sicherheitsbehörden haben, um das alles irgendwie in den Griff zu bekommen, die Heimkehrer in drei Kategorien eingeteilt: Erstens: Verrohte, kampferprobte Dschihadisten, die durch ihre Erfahrungen in Syrien nicht gebrochen sind und von denen daher aktuell die größte Gefahr ausgeht. Zweitens: Durch den Krieg traumatisierte Rückkehrer, die schwer einzuschätzen sind und sich in Deutschland erst mal wieder finden müssen. Drittens: Desillusionierte, die sich angeblich angewidert vom IS abgewendet haben. Maaßen schildert den Fall eines jungen Deutschen, der nach Syrien ausgereist sei "und den schon nach den ersten Tagen die Schreie der Folteropfer so beschäftigt hatten, dass er unbedingt weg wollte".

Aber auch bei traumatisierten und desillusionierten Rückkehrern "rechnen wir damit, dass einige immer noch eine Gefahr darstellen", sagt Burkhard Freier, Verfassungsschutz-Chef in NRW. Von den inzwischen fast fünfzig Rückkehrern in sein Bundesland gehören mindestens zehn zur ersten Kategorie. Der Großteil, knapp vierzig Dschihadisten, wird zu den beiden anderen Kategorien gezählt.

Der Verfassungsschutz in NRW hilft Rückkehrern, im Alltag Fuß zu fassen

Dennoch glaubt Maaßen, dass nur ein Bruchteil der Rückkehrer wirklich desillusioniert ist. Und was macht man mit all den IS-Leuten, die heimgekommen sind? Freier sagt: "In enger Abstimmung mit Polizeibehörden ermitteln wir täglich das Gefährdungspotenzial. Dazu prüfen wir auch Möglichkeiten der De-Radikalisierung und des Ausstiegswillens bei den Rückkehrern".

Seit Oktober betreut der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen Rückkehrer auf eine spezielle Weise: Nachrichtendienstler und Heimkehrer machen gemeinsame Behördengänge, der Verfassungsschutz kümmert sich um Arbeit, Wohnung und um die Familie des Heimkehrers.

Dass ein Nachrichtendienst sowohl für Informationsbeschaffung und Überwachung zuständig ist, sich aber auch um De-Radikalisierung bemüht, als wäre er so etwas wie eine Sozialbehörde oder die Bundeszentrale für Politische Bildung, ist ungewöhnlich. Aber wer das obszöne Phänomen IS bekämpfen will, das - in Umrissen - in den Berichten der Rückkehrer sichtbar wird, braucht auch neue Ideen.