Eine "dem Nationalsozialismus ähnliche Ideologie": Wie Anhänger der Website Politically incorrect Veranstaltungen stören, die sie für pro-muslimisch halten.
Er war jetzt lange genug still. 25 Minuten lang hat sich Eckhardt Kiwitt, 54-jähriger Verlagsarbeiter aus Freising, einen Vortrag über das Paradies im Islam angehört. Andre Elfiky, ein Muslim, hat in der St.-Korbinian-Pfarrgemeinde in der Münchner Valleystraße über den Koran und über Mohammed gesprochen, der am "Ende seines Lebens schon ins Paradies greifen konnte". Ein paar ältere Zuhörer sind zwischenzeitlich eingeschlafen. Eckhardt Kiwitt ist hellwach. Er hebt die Hand, einmal, zweimal, dann wird er endlich aufgerufen. "Sie sagten, man könne den Koran interpretieren", fragt er den Referenten. "Aber was gibt es an den Begriffen ,töten' und ,getötet werden' zu interpretieren?" An der Wand hängen rosafarbene Luftballons in Form eines Herzens. Aber mit der guten Stimmung ist es in dem Pfarrhaus vorbei.
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Feindbild Islam: Poster zur Schweizer Minarett-Volksabstimmung sowie der französischen Front National. (© Foto: AFP)
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Eckhardt Kiwitt glaubt, dass der Islam keine Religion ist, sondern eine "politische, dem Nationalsozialismus ähnliche Ideologie", die Hass und Terror in die Welt bringe. Der Freisinger ist nicht alleine, sondern Teil einer Bewegung mit Tausenden Anhängern in Deutschland. Sie formieren sich im Internet auf der Webseite "Politically Incorrect" (PI), die täglich mehr als 30.000 Mal angeklickt wird. Und zunehmend drängen die Leser der Seite auf die Straßen und Plätze deutscher Städte.
Auf der Webseite polemisieren unterschiedliche, meist anonyme Autoren gegen den Islam, gegen Muslime und gegen vermeintlich zu laxe Integrationspolitik. Gleichzeitig setzt man sich bei PI für eine engere Bindung Deutschlands an Israel und die USA ein. Auch deshalb wird die Seite vom Verfassungsschutz nicht als rechtsradikal bezeichnet - obwohl vor allem im Kommentarbereich der Internetseite täglich fremdenfeindliche Ressentiments veröffentlicht werden. Die Webseite wurde vom Kölner Lehrer Stefan Herre gegründet. Sie ist erfolgreiches Vorbild für Hunderte kleinere Websites mit ähnlichem Inhalt.
Die Leser der Seite haben bereits 38 Aktionsgruppen in Deutschland gegründet - vom Ruhrgebiet bis Dresden, von Karlsruhe bis Hamburg. Mehrere hundert Menschen dürften den harten Kern der schnell wachsenden Szene bilden. Ihre Motivation zur Islamkritik ist unterschiedlich: Eine gelegentlich religiös geprägte Liebe zu Israel oder das Gefühl, dass christliche Werte in Deutschland verloren gehen. Andere fürchten sich vor dem Islam oder sind durch die Berichterstattung über "Ehrenmorde" aufgeschreckt worden. "Wir verteidigen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gegen eine totalitäre Ideologie", sagt Kiwitt. Er meint das ernst, er ist in der Münchner Gruppe aktiv, die vor drei Jahren gegründet wurde. Sie kennen sich unter Pseudonymen. Das verringert die Gefahr, dass ihre Arbeitgeber vom ihrem islamfeindlichen Treiben Kenntnis erhalten. Und es verstärkt das Gefühl, Mitglied einer verschwörerischen, kämpferischen Truppe zu sein.
Kritik an der Religion einer Minderheit und Hass auf eine Minderheit liegen eng beisammen. Einerseits wird die junge Bewegung oft von Rechten gekapert und für eigene Zwecke missbraucht, wie auch ihr großes Vorbild, der Publizist Henryk Broder. Vor wenigen Tagen erst wollte sich zum Beispiel eine Chemnitzer NPD-Stadträtin mit dem islamkritischen Schriftsteller gemein machen, gratulierte ihm zu seinem Kampf gegen "Überfremdung." Broder antwortete: "Die Vorstellung, im selben Raum mit Ihnen zu sein, lässt mir das Essen hochkommen." An solchen Klarstellungen fehlt es auf PI, man grenzt sich nicht effektiv nach Rechts ab. Die Qualität der Kommentare ist im Zweifelsfall eher auf dem Niveau eines Stammtisches als auf dem eines politischen Essays. Redakteure und Politiker, die auf der Webseite an den Pranger gestellt werden, erhalten Beleidigungen und Drohungen per E-Mail. Dennoch dürften die meisten Leser und Aktivisten keine Rechtsradikalen sein. Kiwitt wählt konservativ, mitunter auch die FDP. "Niemals aber würde ich mein Kreuz rechts jenseits der CSU machen - und auch niemals links der SPD, bei der Partei, die ich immer noch SED nenne."
Zuletzt hat er mit der Münchner PI-Gruppe im Verbund mit der islamkritischen Gruppe "Pax Europa", im Münchner Zunfthaus eine Infoveranstaltung zum Thema Islam gehalten. Knapp 200 Menschen kamen und hörten friedlich zu. Zusammen haben die Münchner Islamfeinde auch eine Unterschriftenaktion gegen die geplante Moschee in Sendling initiiert. Knapp 1300 Signaturen kamen zusammen, die Übergabe an die Stadt im Münchner Rathaus wurde öffentlichkeitswirksam dokumentiert. Auf der PI-Webseite bedankte man sich für die Arbeit der Münchner "Widerstandszelle". Und auch für die Aktion in der St.-Korbinian-Pfarrgemeinde.
Kiwitt und seine Mitstreiter sind gekommen, um Stunk zu machen. Von insgesamt 23 Zuhörern gehören an diesem Abend in der Pfarrgemeinde sieben zu den Islamkritikern. Dass sie eine Einheit bilden, ist für den Referenten und die anderen Gäste nicht zu erkennen. Die Gruppe hat sich unauffällig im Raum verteilt. Lediglich der Tenor ihrer Fragen verrät sie, der Tonfall ist aggressiv. Die anderen Besucher auf der Veranstaltung in der St.-Korbinian-Gemeinde sind empört über die Fragen der Gruppe, weil das Thema des Abends nichts mit der von ihnen erzwungenen Debatte um Terrorismus zu tun hat. Mitarbeiter der Pfarrgemeinde versuchen, die Debatte zu drehen, doch die Gruppe lässt sich nicht bremsen. Längst nicht jeder von ihnen argumentiert mit Korankenntnissen, wie zum Beispiel Kiwitt. Einer erzählt, dass er in eine Irakerin verliebt gewesen sei, die ihn verlassen habe. "Was soll daran das von Mohammed versprochene Paradies auf Erden sein", fragt er. Ein anderer hat gezählt, wie oft das Wort "töten" im Koran steht.
Referent Elfiky hat längst klargestellt, dass Terror für Muslime nach modernen Koranauslegungen keine Lösung sein könne. "Haben Sie mal gezählt, wie oft ,Liebe' im Koran steht, oder ,Verzeihen'?", fragt er zurück. Der Islamkritiker schüttelt den Kopf.
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(SZ vom 11.03.2010/dgr)
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@ Passagier: Lieber spät (dank Internetproblemen) als nie.
Vorweg: Die negativen Bewertungen kommen nicht von mir.
1.) a) Was Palästinenser denken, ist egal: Tatsache ist, daß die Idee eines *rein* jüdischen Staates - und ja, das wollten und wollen manche Israelis - in der Moderne mit zunehmend pluralistischen Bevölkerungen eine exotische Idee ist. Vgl. Dtld: Das Land soll gern "deutsch" sein, aber zum Glück nicht *nur* deutsch: z.B. kann nicht jeder einwandern, nur weil er sich (ethnisch/religiös) zum "Deutschsein" bekennt, wohingegen ehemals dort ansässige "nicht-deutsche" Bewohner nicht mehr geduldet würden; auch keine so extremen Restriktionen für Arbeitserlaubnis, geschweige denn Einbürgerung. Keine so starke Minderheiten-Diskriminierung (s.u.). Noch dazu kommt keiner heute mehr auf die Idee, daß Einwanderer o.ä. allein zu entscheiden hätten, wie ihr (Gast-?)Staat zu funktionieren hat. Dafür gibts doch Demokratie! Übrigens, (a) einen Teil (b) einer staatstragenden Ideologie (c) zu hinterfragen heißt nicht das Gleiche wie (b) einen Staat (a) komplett (c) abzulehnen oder ihm seine Rechtmäßigkeit abzusprechen.
b) Wenn Du mit Palästinensern vergleichen möchtest: Nicht "die", sondern allenfalls manche Palästinenser wollen einen judenfreien Staat ("die" Israelis wollen auch keinen rein jüdischen). Ich weiß nicht einmal, ob es überhaupt Palästinenser gibt, die *gar keine* Juden wollen - immerhin leben aktuell in Palästina ein paar Tausend arabische Juden außerhalb der Siedlungen, integriert in der nicht-jüdischen Bevölkerung. Ob die von *allen* Palästinensern akzeptiert werden, weiß ich nicht. (Weißt Du's? Bin neugierig geworden.)
3.) Danke für den Hinweis - gut zu wissen. Ich meinte zwar eigentlich, daß die "Kölner Klagemauer" meines Wissens kein antisemitisches Programm hatte... aber allein schon, daß sie *auch* (und so sehr!) antisemitisch genutzt wurde/so etwas nicht schnellstmöglich entfernt wurde, disqualifiziert sie. (Schade, ich mochte sie bisher als Möglichkeit zur kritischen und auch mal traurig-"klagenden" Meinungsäußerung. Aber so nicht.) Weißt Du, wann die Karikatur dort war (will nachlesen)?
4.) Mißverständnis: Vergleiche sind *nicht* Gleichsetzungen! Natürlich verhalten sich Israelis nicht genauso wie Nazis!! Ich schrieb: *Vergleiche* sollten möglich sein (wenngleich idR nicht hilfreich, weil nicht dialogfördernd). Die Meinung, Israel und Nazi-Dtld dürfe nicht *verglichen* werden, ...
@ Passagier: Lieber spät (dank Internetproblemen) als nie?
Vorweg: Die negativen Bewertungen kommen nicht von mir.
1.) a) Was Palästinenser denken, ist egal: Tatsache ist, daß die Idee eines *rein* jüdischen Staates - und ja, das wollten und wollen manche Israelis - in der Moderne mit zunehmend pluralistischen Bevölkerungen eine exotische Idee ist. Vgl. Dtld: Das Land soll gern "deutsch" sein, aber zum Glück nicht *nur* deutsch: z.B. kann nicht jeder einwandern, nur weil er sich (ethnisch/religiös) zum "Deutschsein" bekennt, wohingegen ehemals dort ansässige "nicht-deutsche" Bewohner nicht mehr geduldet würden; auch keine so extremen Restriktionen für Arbeitserlaubnis, geschweige denn Einbürgerung. Keine so starke Minderheiten-Diskriminierung (s.u.). Noch dazu kommt keiner heute mehr auf die Idee, daß Einwanderer o.ä. allein zu entscheiden hätten, wie ihr (Gast-?)Staat zu funktionieren hat. Dafür gibts doch Demokratie! Übrigens, (a) einen Teil (b) einer staatstragenden Ideologie (c) zu hinterfragen heißt nicht das Gleiche wie (b) einen Staat (a) komplett (c) abzulehnen oder ihm seine Rechtmäßigkeit abzusprechen.
b) Wenn Du mit Palästinensern vergleichen möchtest: Nicht "die", sondern allenfalls manche Palästinenser wollen einen judenfreien Staat ("die" Israelis wollen auch keinen rein jüdischen). Ich weiß nicht einmal, ob es überhaupt Palästinenser gibt, die *gar keine* Juden wollen - immerhin leben aktuell in Palästina ein paar Tausend arabische Juden außerhalb der Siedlungen, integriert in der nicht-jüdischen Bevölkerung. Ob die von *allen* Palästinensern akzeptiert werden, weiß ich nicht. (Weißt Du's? Bin neugierig geworden.)
3.) Danke für den Hinweis - gut zu wissen. Ich meinte zwar eigentlich, daß die "Kölner Klagemauer" meines Wissens kein antisemitisches Programm hatte... aber allein schon, daß sie *auch* (und so sehr!) antisemitisch genutzt wurde/so etwas nicht schnellstmöglich entfernt wurde, disqualifiziert sie. (Schade, ich mochte sie bisher als Möglichkeit zur kritischen und auch mal traurig-"klagenden" Meinungsäußerung. Aber so nicht.) Weißt Du, wann die Karikatur dort war (will nachlesen)?
4.) Mißverständnis: Vergleiche sind *nicht* Gleichsetzungen! Natürlich verhalten sich Israelis nicht genauso wie Nazis!! Ich schrieb: *Vergleiche* sollten möglich sein (wenngleich idR nicht hilfreich, weil nicht dialogfördernd). Die Meinung, Israel und Nazi-Dtld dürfe nicht *verglichen* werden, ...
(Forts.)
... finde ich falsch. Man kann quasi alles mit allem vergleichen. z.B. auch das moderne mit Nazi-Deutschland (lohnt sich). Passender für Israel (+ arab. Minderheit) finde ich übrigens die isb. historischen] USA (+ schwarzer Minderheit). Ob das aber den Dialog fördert...?
Man kann aber auch *manche* Dinge/Politik/Strömungen/Meinungen in Israel und in Nazi-Deutschland gewinnbringend vergleichen. Oft wird man merken, daß es *nicht* paßt, aber manchmal paßt's. Das machen übrigens sehr erfolgreich auch ein paar gar-nicht-radikale Israelis mit einheimischen Jugendlichen: Die lernen über Nazi-Deutschland und diskutieren, ob es Parallelen im aktuellen Israel gibt. Bietet anscheinend für jüdische wie arabische Schüler (wenngleich unterschiedliche) Aha-Erlebnisse. Und wird z.T. per gemeinsamem Dialog fortgesetzt.
Zur Argumentation: Die Meinung "Israel ist nur Opfer oder Verteidiger" teile ich nicht. Auch nicht "Palästinenser sind nur Opfer oder Widerstandskämpfer". Beides sind Opfer, die aber auch - für Opfer z.T. verständlich - wiederholt überreagiert haben. Wer da den ersten Stein geworfen hat, ist im Vergleich dazu weniger wichtig. Vor allem aber gibt's nicht "die" Israelis und "die" Palästinenser und schon gar nicht "die" Araber (oder warum sonst schreibst Du über Libanesen, Jordanier und Palästinenser in einem Atemzug? Der Absatz ist übrigens der einzige, bei dem's nicht ganz so sachlich zugeht. :o)). Auch "Arabische Israelis haben die vollen Bürgerrechte" unterschreibe ich nicht. Leider gibt's (auch/gerade) in Israel Diskriminierung und Segregation, und viele jüdische Israelis - wie jeder andere Mensch - sehen das nicht oder nicht genug, weil es so im Alltag verankert ist. (Selbst Wikipedia weiß dazu mehr: Arab_citizens_of_Israel) Das (an)zu()erkennen und zu ändern hat für viele jüdische Israelis, für die der Konflikt mit nichtisraelischen Arabern ebenfalls Alltag ist, leider, aber verständlicherweise keine hohe Priorität. (Vgl. Gewaltverbrechen: Angehörige von Opfern haben oft wenig Empathie für Angehörige des Angeklagten, egal ob der letztlich schuldig gesprochen wird oder nicht.) Auch das ist übrigens in Palästina ähnlich. Da wunderts nicht: Es geht nicht um die Guten gegen die Bösen, sondern um das Ziel, Ungerechtigkeiten zu beseitigen (ohne sie durch neue zu ersetzen). Dafür haben einige mehr als andere zu leisten, aber zu tun hat jeder etwas.
diesen absurden Haufen gibt es schon ein paar Jahre. Da wächst nichts schnell. 30.000 Klicks am Tag, na und ? die meisten werden nach einer kurzen Leseprobe auf die Toilette geeilt sein, um sich zu übergeben, es sei denn die sind so leidensfähig, wie manche Berufsschwadronierer hier. Soll hier irgendeine kleine radikale Minderheit zum neuen Feindbild hochstilisiert werden ? Haben wir keine drängenderen Probleme ?
ad 4) Die Nazis führten einen Angriffskrieg mit am Ende 37 Millionen Toten. Israel wurde fünfmal angegriffen.
Die Nazis haben einen rassistisch motivierten industriellen Massenmord betrieben, der selbst neben anderen Völkermorden einmalig ist. Die einzelnen Militäraktionen Israels kann man schwerlich damit vergleichen.
Die Nazis haben Juden und andere im Vorfeld systematisch entrechtet. Israel bietet 1,5 Mio Arabern volle Bürgerrechte inkl. des passiven Wahlrechts. Im Libanon ist Palästinensern seit einiger Zeit verboten, Eigentum an Land zu erwerben bzw. zu vererben. In keinem Land ausser Jordanien haben palästinensiche Flüchtlinge Bürgerrechte. Die Palästinenser-Regierungen in den Autonomiegebieten streben ein ethnisch-reines / judenfreise Staatsgebiet an. Wen wollten Sie nun mit den Nazis vergleichen?
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