Von Frank Nienhuysen

Weil die Niederlande nicht mehr für ihre Sicherheitsleute aufkommen, will die bekannte Islam-Kritikerin Hirsi Ali jetzt einer Einladung von Präsident Sarkozy folgen.

Nun stehen die Niederlande wohl ziemlich düpiert da. "Frankreich ist das Land der Menschenrechte", schwärmte die niederländische Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali bei einem Auftritt in Paris, unter dem Applaus und "Bravo"-Rufen hunderter französischer Künstler, Philosophen und Politiker, die ihretwegen in die Ecole normale supérieure gekommen waren.

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Die aus Somalia stammende Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali bei ihrem Auftritt in Paris. (© Foto: AFP)

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"Ich will gern Französin werden", sagte die aus Somalia stammende Hirsi Ali, die in den Niederlanden immerhin rechtsliberale Abgeordnete des Parlaments gewesen war. Dann aber geriet die streitbare Politikerin in das Visier muslimischer Extremisten und sie verließ das Land Richtung USA. Mit dem Filmemacher Theo van Gogh hatte sie den korankritischen Film "Submission" gedreht, und als van Gogh ermordet aufgefunden wurde, mit einem Messer in der Brust, stand auf einem daran befestigten Zettel auch ihr Name.

In den USA war Hirsi Ali sicher, doch nach einem Jahr fühlten sich die Niederlande nicht mehr zuständig, die Kosten für ihre Rundum-Bewachung im Ausland zu bezahlen. Oppositionspolitiker warfen der Regierung vor, knauserig und allzu formalistisch zu sein, aber es änderte nichts: Die enttäuschte Ayaan Hirsi Ali musste fortan das Geld für ihre Leibwächter selber sammeln.

Viele hielten dies für ein unwürdiges Gezerre, der Philosoph Bernard-Henri Levy beklagte sich bei den Niederlanden, und so war es im Grunde nicht überraschend, dass sie sich nun an Frankreich wandte. Präsident Nicolas Sarkozy hatte im vergangenen Jahr immerhin angekündigt, die Grenzen zu öffnen für alle unterdrückten Frauen der Welt.

Sarkozys Staatssekretärin für Menschenrechte, Rama Yade, sagte nun, der Präsident sei um Hirsi Alis Schicksal sehr besorgt. Er habe einen europäischen Fonds für all jene gefordert, deren Leben durch religiöse Fanatiker bedroht sei. Aber die Zeit drängt. "Meine Lage ist in der letzten Zeit immer gefährlicher geworden", sagte Hirsi Ali der Zeitung Journal du Dimanche.

Dutzende EU-Abgeordnete wollen deshalb, dass Brüssel ihren Schutz bezahlt. Der Donnerstag ist vielleicht schon entscheidend - dann spricht die Bedrohte vor dem EU-Parlament.

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(SZ vom 12.02.2008/maru)