IS-Terrormiliz im Irak Im Würgegriff des Kalifen

Eine verzweifelte Frau am Ort eines Autobombenanschlags in einem schiitischen Viertel der irakischen Hauptstadt Bagdad

(Foto: REUTERS)

Die Welt schaut auf Kobanê, wo Kurden gegen den "Islamischen Staat" kämpfen. Doch für den IS gibt es eine wichtigere Region: die Sunniten-Provinz Anbar im Irak. Hier werden die entscheidenden Schlachten geschlagen.

Kommentar von Tomas Avenarius, Kairo

Unter die Windungen seines Turbans blicken kann dem Kalifen Ibrahim keiner. Was der Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) plant, wissen allenfalls seine Kommandeure und Berater. Aber man darf eines annehmen: Er plant Unerfreuliches. Sein Gottesstaat akzeptiert keine Grenzen, respektiert keine Andersdenkenden, preist blanke Barbarei als Ausdruck islamischer Reinheit an.

Luftangriffe der USA bleiben Nadelstiche

Umso erschreckender ist, dass dem Kalifen und seinen Kämpfern derzeit offenbar niemand Einhalt gebieten kann. Die Luftangriffe der von den USA angeführten Allianz bleiben Nadelstiche, auch wenn dabei 250-Kilo-Bomben zum Einsatz kommen. Bodentruppen will mit gutem Grund keine ausländische Regierung stellen, weder für den Kampf im Irak noch in Syrien. Und wer auf die Zuverlässigkeit und Schlagkraft der irakischen Armee im Kampf gegen den IS setzt, sollte mit Enttäuschungen leben können.

In Kobanê, dem seit Wochen umkämpften kurdischen Städtchen in Syrien, scheinen es die Dschihadisten wissen zu wollen. Der Ort an der türkischen Grenze ist wichtig. Dort laufen Schmuggelrouten zusammen, über die Kämpfer, Waffen und Geld ins Land gelangen. Der Durchbruch im Kampf um das Kalifat wäre die Eroberung von Kobanê aber sicher nicht.

Trotz aller islamistischen Propaganda von einem grenzenlosen - irgendwann gar weltweiten - Gottesstaat kann das IS-Kalifat in der Realität im Moment nur eines werden: ein Sunniten-Staat im Irak, mit einem ausgedehnten Wurmfortsatz in Syrien.

Der Kampf um den Irak aber entscheidet sich nicht im syrischen Kobanê, sondern in Bagdad. Und da rücken die Kämpfer des Kalifen, von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet, immer weiter voran. Angeblich kontrollieren die Militanten bereits zwei Drittel der irakischen Provinz Anbar. Es ist die größte Provinz des Landes, und sie grenzt an Bagdad.

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