IS-Geisel Steven Sotloff Tod eines Unerschrockenen

Steven Sotloff wird als zweiter US-Journalist vor laufenden Kameras enthauptet. Der 31-Jährige fühlte sich der islamischen Welt tief verbunden. Seine Mutter hatte die Entführer des IS noch vor wenigen Tagen um Gnade gebeten.

Der letzte Tweet des US-Journalisten Steven Sotloff stammt vom 3. August 2013. Darin geht es um die Miami Heat, das NBA-Basketballteam aus der Geburtsstadt Sotloffs, das soeben einen neuen Spieler verpflichtet hatte. Einen Tag später wurde Sotloff in der Nähe der syrischen Stadt Aleppo verschleppt, wo er über den syrischen Bürgerkrieg berichtete.

Jetzt ist Sotloff tot. Hingerichtet von der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), genauso wie der US-Reporter James Foley, den ein britischer IS-Kämpfer im August enthauptet hatte. Auch diesmal gibt es ein Video, das die brutale Tat zeigt. Es heißt "Eine zweite Nachricht an Amerika". Schon im ersten Video vom 19. August hatten die radikalen Sunniten die Hinrichtung Sotloffs angedroht. Der nächste Schritt von US-Staatschef Barack Obama solle über das Schicksal entscheiden, kündigten die Terroristen damals an.

Fatale Logik des Entführungsmarktes

Die USA kaufen keine von Dschihadisten entführten Bürger frei. Viele europäische Länder tun es und heizen so den Markt für Geiselnahmen erst richtig an. Die kurzfristige Vermeidung von Leid führt langfristig zu mehr Leid: Das ist die schreckliche Logik bei Gegnern wie IS. Kommentar von Sonja Zekri mehr ... Meinung

Sotloffs Familie bat um Zurückhaltung

Die USA hatten wenige Tage zuvor mit Luftschlägen gegen IS-Stellungen im Irak begonnen, um die Minderheit der Jesiden gegen die islamistischen Kämpfer zu verteidigen und amerikanische Einrichtungen und Bürger im Nordirak zu schützen. Sotloff wurde in dem Clip zur Schau gestellt - es war das erste Mal, dass eine breite Öffentlichkeit von der Entführung und dem Verbleib Sotloffs erfuhr. Bis dahin hatte die Familie die Medien um Zurückhaltung gebeten, um ihn nicht zusätzlich zu gefährden.

Sotloff wuchs in Florida auf, ging später auf die Kimball Union Academy, eine High School im US-Bundesstaat New Hampshire, wo der New York Times zufolge (lesen Sie hier das Porträt) sein Interesse für das Schreiben geweckt wurde. Von 2002 bis 2004 besuchte er die Central University of Florida und machte seinen Abschluss in Journalismus. Von da an arbeitete er hauptberuflich als Journalist.

Sotloff war als freier Journalist unter anderem für das US-Nachrichtenmagazin Time, die Zeitung Christian Science Monitor und das World Affairs Journal tätig. Er schrieb über die politische Entwicklung in Ägypten, Bahrain sowie aus Libyen und aus der Türkei. Seine Arbeit führte ihn auch mehrmals nach Syrien.

Petition an die US-Regierung

Weggefährten beschreiben ihn in der New York Times als "selbstlos". Als jemanden, der sich von der gefährlichen Situation für Journalisten im Nahen Osten nicht habe abschrecken lassen. Ein ehemaliger Zimmergenosse sagte demnach: "Eine Million Leute hätten ihm sagen können, dass das, was er tat, dumm war". Aber es sei das gewesen, was er geliebt habe. Und man hätte ihn nicht davon abbringen können. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf Freunde, Sotloff habe gut Arabisch gesprochen und eine tiefe Zuneigung zur islamischen Welt empfunden. Nach seinem Tod wurde bekannt, dass Sotloff jüdische Wurzeln hatte: Seine beiden Großeltern mütterlicherseits überlebten den Holocaust.

Nach der Hinrichtung Foleys und dem erzwungenen Auftritt ihres Sohnes hatte Sotloffs Familie erneut um Zurückhaltung gebeten. Dennoch ging noch am gleichen Tag eine Petition auf der Webseite des Weißen Hauses online, die die US-Regierung aufforderte, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um Sotloffs Leben zu retten. Die USA bezahlen im Gegensatz zu anderen Staaten keine Lösegelder an Dschihadisten. Vor wenigen Tagen wandte sich Mutter Shirley Sotloff schließlich in einer verzweifelten Videobotschaft an IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi. Sie bat um Gnade für ihren Sohn. Vergeblich. Steven Sotloff starb im Alter von 31 Jahren.