Wer Irans Atomprogramm bestraft, stärkt das Regime im Machtkampf mit der Opposition. Trotzdem sind harte Sanktionen notwendig.
Präsident Mahmud Ahmadinedschad zeigte sich in Hochform. Vor Hunderttausenden Jubelpersern, vom Regime aus dem ganzen Land nach Teheran gebracht, proklamierte er Iran am 31. Jahrestag der Revolution zum "Atomstaat". Gleichzeitig wurden Oppositionelle von den Prügeltruppen des Präsidenten zusammengeschlagen, was das Staatsfernsehen ausblendete.
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Mahmud Ahmadinedschad proklamierte den "Atomstaat" - Oppositionelle wurden unterdessen niedergeschlagen. (© Foto: dpa)
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Internationale Medien waren von der Berichterstattung über die Proteste der Opposition allemal ausgeschlossen, Internet und Mobiltelefone vorsorglich lahm gelegt worden. Ein paar wackligen Bilder von den Zusammenstößen fanden zwar ihren Weg in die Welt. Der Revolutionstag - so viel zeichnet sich aber ab - war kein Erfolg für die Opposition.
Die Gegner des Regimes hätten den Machtkampf am Revolutionstag allemal kaum für sich entscheiden können. Die Auseinandersetzung ist zäh und wird sich noch sehr lange hinziehen. Proteste werden weiter unterdrückt, die Führer der Bewegung bleiben eingesperrt.
Aber die Opposition hat einen Vorteil: Sie ist zu dezentral organisiert, als dass sie zielgerichtet zerschlagen werden könnte. Langfristig wird der Unmut der Menschen die Legitimität des fragwürdigen Gottesstaates untergraben - aller brutaler Gegenwehr des Regimes zum Trotz. Der Khomeini-Staat zerfällt von innen.
Für die internationale Gemeinschaft zählt aber nicht allein der inner-iranische Machtkampf. Ihr geht es vor allem um das Atomprogramm. Da steht allen härteren Sanktionen eine seltsame Logik im Weg: So lange das Regime die Opposition unter brutaler Kontrolle hält, wird es sich gestärkt fühlen und dem Druck von außen widerstehen.
Wird die Opposition aber stärker, dann muss die Sanktionsgemeinschaft behutsam mit ihrem Strafkatalog umgehen, damit den Demonstranten nicht die Unterstützung der Massen wegbricht. Denn sobald die Mehrheit der Bevölkerung unter Sanktionen leidet, werden sich die meisten Iraner wieder unter der von Ahmadinedschad aufgepflanzten Nationalflagge versammeln und gegen die Bedrohung von außen zusammen tun. Dann gibt es bald keine Opposition mehr, sondern nur noch Iraner.
Nationaler Widerstand gegen internationalen Druck
So werden die Proteste gegen das Regime zum Problem im Nuklearkonflikt. Aus gutem Grund hat Ahmadinedschad Irans Aufstieg zum "Atomstaat" am Revolutionstag ausgerufen. Er weiß, dass der nationale Widerstand gegen den internationalen Druck die einzige wirkliche Erfolgsgeschichte der Islamischen Republik ist.
Das Atomprogramm dient dem nationalen Konsens. Der Präsident rechnet damit, dass die Führung der Opposition Kritik am Atomprogramm scheut; sie hat es vor Jahren selbst mit ins Leben gerufen. Und sie weiß, dass auch die kritischen Iraner noch immer hinter der Atompolitik von Ahmadinedschad stehen.
Für die internationale Gemeinschaft ist es seit Beginn der Unruhen im Juni 2009 noch schwieriger geworden, auf die Verhältnisse in Iran einzuwirken. Selbst wenn Washington Sanktionen im UN-Sicherheitsrat durchsetzen kann: Wie sollen sie aussehen?
Vorgeschlagen werden Strafmaßnahmen, die nur den Wirtschaftsapparat der Revolutionsgarden treffen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass der Plan aufgeht. Die Revolutionswächter haben über viele Jahre ein raffiniert getarntes Firmengeflecht aufgebaut. Die Sanktionen werden da eine geringe Wirkung entfalten.
Es besteht also kaum Hoffnung, dass der inneriranische Machtkampf das Atomproblem lösen kann. Ein Regimewechsel steht in absehbarer Zeit nicht an. Die iranische Atombombe hingegen könnte in ein, zwei oder drei Jahren gebaut werden - wenn sich die Führung des Landes dazu entscheidet. Wer vermeiden will, dass der "Atomstaat" Iran zum Atomwaffenstaat wird, muss also sehr harte Sanktionen aussprechen - auch auf Kosten der Opposition.
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(SZ vom 12.02.2010/liv)
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wenn sie auch konseqent durchgeführt werden.Das Land ist zur Zeit nicht in der Lage Ihr eigenes Rohöl zu verarbeiten.Also da sieht man mal wo es in Wirklichkeit steht.Ich bezweifle ob sie mit der Anreicherung überhaupt so weit sind ,daß sie ihren Forschungsreaktor mal betreiben können.Von den Russen bekommen sie nichts mehr.Solange Israel die Füße noch ruhig hält,geht da noch nichts.Die sind nicht so naiv wie der Westen und glauben alles was der Irre Präsident sagt.Zu einen Atomtest wird es Dank Israel in dem Land nicht komme,da fakeln die Israels nicht lange.
Der Iran ist zweifelsohne eine grosse Gefahr, ohne Bombe kann sich das Regime auf Dauer nicht halten da ausser dem Volk auch sein klerikaler Rückhalt gespalten ist und das ihr Präsident sie baut ist auch aus einem zweiten Grund logisch:
Denn ausser sein Regime zu stützen gibt sie ihm absoluten Weltruhm. Immer schonn waren Schiiten eine kleine schwache Minderheit aber mit der Bombe sind zum ersten mal die mächtigste Kraft im Islam, das dürfte vielen Sunniten nicht schmecken und sich recht destabilisierend auswirken.
Und sollte er Israel bomben(egal wie man ihn übersetzt, er will Israel raushaben, freiwillig gehen sie nicht, sein Militär ist zu schwach, bleibt nur die Bombe) hätte Iran endgültig die Vormachtstellung in der islamischen Welt und sei es nur für die Geschichtsbücher und Allahs Belohnung..
Da müssen härteste Sanktionen ran in Verbindung mit Unterstützung der Opposition.
solange Sie nicht auch endlich "harte Sanktionen gegen Israsel" fordern, klingt ihre Forderung danach gegen den IRAN total HOHL, ja geradezu verlogen!
DENN eines kann auch Ihnen nicht verborgen geblieben sein, die Staatspartei des IRAN und dessen grosssprecherischer Präsident verfolgt die eigene Opposition weitaus "massvoller" als Israel die Palästinenser, besonder die in Gaza Eingesperrten 1,5 Millionen!
Merke: Wer Sanktionen gegen den IRAN fordert, der muss, will er oder sie glaubhaft bleiben, auch Sanktionen gegen Israel fordern!
DAS gilt natürlich nicht nur für -lohnabhängig beschäftigte- Journalisten, sondern noch weitaus stärker für Frau Bundeskanzler Merkel!
@ A.Hauss: .... und auch den Willen, meinen Kommentar nicht zwanghaft mißzuverstehen.
Ihre Bemerkung:
"Das hat ja wohl mit der unseligen deutschen vergangenheit nichts zu tun - oder wollen Sie dem 1000-jährigen Reich und seinen Aktionen Rechtmäßigkeit attestieren? "
... zeigt, daß beides bei Ihnen nicht vorhanden ist. Womit sich eine Diskussion erübrig. Das bestätigen zudem Ihre anderen Kommentare.
Man kann geteilter Meinung sein, ob der Iran "nur" seine Rechte wahrnimmt, oder auch darüber hinausgehen wird. Ich nehme mir aufgrund meiner Erfahrung in dieser Region das Recht heraus, das zweite anzunehmen.
Dann benennen Sie doch mal einige. Ich erkenne Parallelen z.B. zu x Staaten dieser Welt, die schon vor Jahrzehnten begannen, ihr Uran anzureichern zum Bau von AKW. Die meisten davon im Rahmen der IAEA - so wie Iran - und wenige außerhalb. Letztere werden vom Westen hofiert und beliefert, obwohl sie gegen die IAEA-Regeln verstossen, Kriege führen und real Atomwaffen herstellten.
Der Iran nimmt schlicht seine Rechte wahr. Das hat ja wohl mit der unseligen deutschen vergangenheit nichts zu tun - oder wollen Sie dem 1000-jährigen Reich und seinen Aktionen Rechtmäßigkeit attestieren?
Paging