Von Peter Lindner

"Großer Satan" gegen "Schurkenstaat": Wie die Amerikaner Teheran auf seinem Weg zur Atommacht stoppen wollen - und warum sie bisher kläglich scheitern.

Er ist ein ruheloser Provokateur: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad lässt keine Gelegenheit aus, sich selbst zu inszenieren.

Setzt sich gern in Szene: Mahmud Ahmadinedschad (© Foto: dpa)

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Die Festnahme der britischen Seeleute und die perfide Propaganda-Show bei deren Freilassung vor einigen Tagen zeigen das ebenso wie sein vielbeachteter Auftritt Anfang dieser Woche:

"Ich verkünde stolz, dass Iran seit heute zu den Nationen gehört, die in industriellem Maßstab Kernbrennstoff herstellen", ließ er die Welt wissen - und ging damit erneut demonstrativ auf Konfrontationskurs zu den Vereinten Nationen, allen voran den USA, dem "großen Satan".

Dass Teheran trotz des internationalen Drucks im Nuklearkonflikt weiter auf stur stellt, gibt den Spekulationen neue Nahrung, dass US-Präsident George W. Bush doch noch seine Drohungen wahrmacht - und Iran angreift. Dabei hat seine Regierung bisher bei weitem nicht alle diplomatischen Mittel ausgeschöpft, um Ahmadinedschad zum Einlenken zu bewegen.

Sinnbild der Schwäche

Das Ziel war klar definiert: Mit dem Einmarsch in den Irak 2003 wollte der US-Präsident die Machtverhältnisse am Persischen Golf dauerhaft zugunsten der Amerikaner verändern.

Doch der Plan scheiterte - aus der aggressiven Demonstration der Stärke wurde ein Sinnbild der Schwäche: Den USA ist es bisher weder gelungen, den Irak zu stabilisieren noch die Vorherrschaft in der Region zu sichern, im Gegenteil: Das US-Desaster im Irak hat vielmehr die Position Teherans gestärkt und dem "Schurkenstaat" ein Stück des Weges zu einer regionalen Großmacht im Nahen und Mittleren Osten geebnet.

In den USA ist man sich zumindest in einem Punkt weitgehend einig: Iran stellt eine Bedrohung dar - auch weil es nach Überzeugung der Amerikaner den weltweiten Terrorismus und die Aufständischen im Irak unterstützt. Deshalb liegt Washington viel daran, solche Machenschaften zu unterbinden, Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern, seinen Einfluss in der Region zurückzudrängen - und Ahmadinedschads Regime zu stürzen. Entscheidend und umstritten ist aber: Wie?

Konkrete Angriffspläne

Die Vereinigten Staaten setzen bislang vor allem auf Konfrontation - und Drohungen. So hat der US-Präsident mehrmals betont, dass er sich die Option eines Angriffs auf das Land offenhalte. Laut dem US-Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh ist beim Generalstab im Pentagon bereits eine spezielle Einsatzgruppe mit den Vorbereitungen von Angriffen auf Iran betraut.

Wenn Bush den Befehl gebe, könnten die USA innerhalb von 24 Stunden losschlagen. Auch eine russische Nachrichtenagentur berichtete unter Berufung auf Moskauer Geheimdienstkreise von solchen Plänen. Dass die Vereinigten Staaten in den vergangenen Monaten im Persischen Golf die stärkste Flottenkonzentration seit dem Golfkrieg aufgebaut haben, untermauert solche Behauptungen.

Die US-Militärplaner sehen laut dem USA-Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Peter Rudolf, offenbar zwei Optionen. Erstens: Begrenzte, schnelle Luftschläge gegen die nukleare Infrastruktur. Umfassende Angriffe sollen zunächst lediglich angedroht - und nur dann umgesetzt werden, wenn Teheran mit terroristischen Anschlägen reagiert.

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