Mir Hussein Mussawi ist in Iran zum Volkshelden der Opposition geworden. Darauf hat in seinem politischen Leben allerdings bislang wenig hingedeutet.
Wenn er zum Protest ruft, dann zieht es die Massen auf die Straße, und alle versprechen sich von ihm den Weg in eine bessere Zukunft: Mir Hussein Mussawi feuert an und beschwichtigt, macht Mut und fordert Besonnenheit.
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Der Mann der Stunde in Teheran: Mir Hussein Mussawi, der Gegenspieler Mahmud Ahmadinedschads. (© Foto: AFP)
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In Teheran ist er nun der Mann der Stunde. In der Islamischen Republik jedoch ist er zugleich ein Mann der ersten Stunde: Er war einer der ganz wenigen, die der Revolutionsführer Ayatollah Chomeini duzte und mit dem Vornamen ansprach. Das kann ein Lorbeer sein, aber auch eine Last.
Als Mussawi sich im Mai zum Präsidentschaftskandidaten erklärt hatte, fragte der noch publikumsscheue Mann einen Freund, wie er ihn in der Kampagne finde. "Wie einen alten, eingerosteten Läufer, der hoffentlich während des Rennens in Form kommt", antwortete ihm dieser.
Schon zwei Mal zuvor war die Rede davon gewesen, dass Mussawi sich im Auftrag des radikalen Flügel des Establishments um das höchste Staatsamt bewerben sollte, 1989 an Stelle von Haschemi Rafsandschani und 1997, als überraschend Mohammed Chatami gewann. Doch er wollte nicht. Jetzt trat er als "Reformer" an - doch nichts aus seinem ersten politischen Leben weist ihn als solchen aus.
Mir Hussein Mussawi hatte Glück, dass er sich am 28. Juni 1981 nicht im Teheraner Hauptquartier der Islamisch-Republikanischen Partei befand, als dort eine Bombe der oppositionellen Volksmudschaheddin 82 Menschen in den Tod riss.
"Unsere zweite Revolution"
Nur eine Woche nach dem Anschlag wurde er mit nur 30 Jahren zum Außenminister ernannt, und schon drei Monate später war er Regierungschef. Er blieb es während des ganzen achtjährigen Krieges gegen den Irak. Zwar hatte er die iranische Wirtschaft erfolgreich durch die schwierigen Kriegsjahre geführt. Er hielt die Preise einigermaßen stabil, vermied Engpässe in der Versorgung durch strenge Rationierung und verstaatlichte große Teile des privaten Sektors.
Aber am Ende seiner Amtszeit war der Kurs des Dollars von 700 auf 4800 Rial gestiegen. Und liberale Kritiker zeigen noch heute den Platz in Teheran, an der einst die alte Handelskammer stand. Mussawi ließ sie abreißen und an ihrer Stelle ein Heim für Kriegsflüchtlinge bauen. Die Besetzung der amerikanischen Botschaft durch radikale Studenten 1979 rühmte er als "unsere zweite Revolution".
Und in Mussawis Zeit als Außenminister fiel auch der Abbruch der Beziehungen zu Saudi-Arabien, nachdem iranische Mekka-Pilger an den heiligen Stätten demonstriert hatten. Als schließlich 1987 das Teheraner Goethe-Institut geschlossen wurde, weil das deutsche Fernsehen in einer geschmacklosen Ulk-Sendung Chomeini mit Damenwäsche beschenken ließ, sah der Premierminister darin ein Zeichen für "die rassistische und faschistische" Politik Bonns.
Kulturminister war in seinem Kabinett der spätere Reform-Präsident Chatami. Doch sein erster Innenminister war Ali Akbar Mohtaschemi, der Anwalt des Revolutionsexports in der jungen Islamischen Republik, später Botschafter in Syrien und Begründer der libanesischen Hisbollah-Bewegung.
Unvergessene Vergangenheit
Die beiden Männer stehen Mussawi auch jetzt in seinem Kampf um die Annullierung der Wahl zur Seite. Sie sind Symbolfiguren für gegenläufige Unterströmungen innerhalb seiner grünen Welle. Jene Millionen Iraner, die für den rasch zum Idol gewordene Mussawi marschieren, fragen nur selten nach einem Programm.
Ganz vergessen ist die Vergangenheit indessen nicht. Während des Wahlkampfs fragte eine Frau bei einer internen Diskussion von Politikern und Journalisten nach Tausenden Unschuldigen, die in den achtziger Jahren hingerichtet worden waren: "Warum?" Sie meinte die Massen-Exekution von Volksmudschaheddin, die Mussawi zwar nicht zu verantworten hatte, aber als Premierminister auch nicht missbilligte.
In seinem Namen antwortete Mohammed Atrianfar, ein enger Mitarbeiter Mussawis von damals und jetzt: "Freunde, zu Beginn der Revolution waren wir alle wie Ahmadinedschad. Aber wir haben unseren Weg und unser Verhalten geändert."
Heute definiert sich Mussawi als "realistischer Konservativer". Er habe handeln müssen, weil er "zum ersten Mal die Islamische Republik in Gefahr" sah. Stabilität, Entspannung und Dialog mit dem Westen, an erster Stelle mit den USA, nennt er als seine Ziele. Über das iranische Atomprogramm wolle er "bei voller Transparenz" mit sich reden lassen.
Doch die Uran-Anreicherung würde er so wenig einstellen wie der jetzige Präsident. "Kein Mensch in Iran würde das akzeptieren", sagt er. Aber im Gegensatz zu Ahmadinedschad lässt er keinen Zweifel daran, dass er den Massenmord an den Juden durch die Nationalsozialisten als historische Tatsache ansieht und verurteilt.
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