Wie mächtig ist Revolutionsführer Chamenei, wie viel Einfluss hat der Westen und wer steht Iran zur Seite? SZ-Korrespondent Rudolph Chimelli beantwortet die wichtigsten Fragen.

Revolutionsführer Chamenei hat sich für die Überprüfung der Präsidentschaftswahl ausgesprochen. Welche Rolle spielt er im politischen System Irans?

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Wahlsieger Mahmud Ahmadinedschad - jetzt soll das Ergebnis noch mal überprüft werden. (© Foto: Reuters)

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Chamenei stellt alle Weichen und bestimmt alles Wichtige, wobei die Schaltvorgänge im Einzelnen meistens nicht sichtbar werden. Er dirigiert auch den Ablauf von Wahlen, von der Zulassung der Kandidaten über ihre unterschiedliche Behandlung durch das staatliche Fernsehmonopol und den Rundfunk.

Mit einem Großaufgebot an Polizei ist die Regierung gegen die Demonstranten vorgegangen. Doch hat in Iran nicht längst ein Prozess begonnen, der nicht mehr so einfach zu stoppen ist?

Die Gesellschaft verändert sich am Regime vorbei. Dieser Prozess ist nicht aufzuhalten, die Diskussion auch nicht, wobei das Internet eine immer größere Rolle spielt. Die große Mehrheit der ärmeren Iraner, unter denen Ahmadinedschad seine Anhänger rekrutiert, ist aber nicht vernetzt und nimmt an dieser Entwicklung nicht teil.

Fast 200 Oppositionelle und auch westliche Journalisten wurden bereits festgenommen. Was erwartet sie?

Sie werden sicher in den nächsten Tagen entlassen, einige große Organisatoren der Proteste vielleicht ausgenommen.

Was kann der Westen bei Ahmadinedschad überhaupt erreichen?

Darauf gibt es leider nur eine klare Antwort: nichts.

Hat Iran noch Verbündete in der Welt, die auch eine Vermittlerrolle einnehmen könnten?

Iran steht nicht völlig isoliert da. Zu den Verbündeten und Sympathisanten kann man Länder wie Venezuela, Syrien, Pakistan, Afghanistan und Katar zählen. Hinzu kommen noch die Arabische Liga, die ägyptischen Muslim-Brüder sowie die libanesische Hisbollah-Bewegung und die palästinensische Hamas. International können Russen und Chinesen vielleicht ein bisschen etwas bewirken, in der Innenpolitik jedoch gar nichts. Da gibt es keinen Moderator.

Welche Folgen könnten die Ereignisse in Iran für die internationale Politik haben?

Die Beziehungen dürften so schlecht bleiben wie sie sind. Die Chancen einer Verbesserung sind wahrscheinlich kleiner geworden.

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(sueddeutsche.de/bica/mati/gba)