Der iranische Protest hat ein neues Massenmedium für sich entdeckt: Auf Geldscheine kritzelt und zeichnet die grüne Bewegung ihre Parolen gegen das Regime. Der Staat ist machtlos.
Schlagstöcke, Tränengas, Verhaftungen, Internetzensur und ein dräuender Generalstaatsanwalt: Angesichts solch umfassender Repressalien ist es bewundernswert, was sich seit Anfang der Woche in Iran abspielt.
Redeverbot für den Ayatollah: Die grüne Bewegung hat den Iranischen Rial als Massenmedium entdeckt. Regimekritiker schreiben oder zeichnen Botschaften auf Geldscheine. (© Screenshot: payvand.com)
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Am Montag gingen wieder Tausende Oppositionelle auf die Straße - die größten Demonstrationen seit den Unruhen im Juni, die die skandalöse Präsidentschaftswahl nach sich gezogen hatte. Und wieder: Schlagstöcke, Tränengas, Verhaftungen. Mancherorts seien auch Schüsse gefallen, berichteten Augenzeugen.
Damals, im Juni, diente das Internet in beispielloser Weise als Kommunikationsplattform der Demonstranten. Über Twitter drangen Augenzeugenberichte ins Ausland, so erhöhten sie den internationalen Druck auf Iran. Sie formulierten Slogans und gaben dem Protest eine manifeste, wenn auch nur digital vorhandende Form.
Die Iraner haben sich aber noch eine andere Art des Protests einfallen lassen. Eine Art, deren Verbreitung sich nicht kontrollieren lässt, deren Umlauf maximal ist - und gegen die Tränengas nicht wirkt. Sie äußern ihre Kritik am Regime auf Geldscheinen: Geld als Massenmedium.
Die iranisch-amerikanische Webseite Payvand zeigt mehrere Bilder von Banknoten der iranischen Währung Rial, meist mit symbolträchtiger grüner Tinte beschrieben. Die Slogans lesen sich so: "(Ayatollah) Chamenei ist ein Ungläubiger und Diener von Putin", "Das iranische Volk wird Gerechtigkeit erfahren, egal wie", "Lang lebe die Freiheit". Andere Scheine sind mit Zeichnungen und Bildern aufwändiger bearbeitet.
Auf einem Geldschein ist das karikierte Konterfei Ahmadinedschads zu sehen, darunter die Zeile: "Der Feind des Volkes". Manche Noten sind lediglich mit einem grünen V versehen. Andere Geldscheine zeigen das inzwischen weltberühmte Bild der ermordeten Neda, darunter den genauso berühmten Slogan "Tod dem Diktator". Neda Soltani war das Gesicht der blutigen Proteste im Juni. Ihr Tod war auf einem Internetvideo auf Youtube zu sehen, die 26-Jährige war auf einer Straßenkreuzung in Teheran niedergeschossen worden. Sieht man die Bilder der Geldscheine, sieht man auch: Die Iraner haben ihre Märtyrerin nicht vergessen.
In den Internetforen wird die einfache wie geniale Idee der Protestnoten gefeiert. "Was will das Regime jetzt machen, das Geld verbieten?" fragt ein User höhnisch. "Wie befriedigend ist es für Millionen frustrierter und wütender Bürger, ihrem Unmut auf einem Wege Luft zu machen, den die Regierung nicht aufhalten kann! Viel Spaß den Bassidschi-Milizen, auf Geldscheine einzudreschen!"
Die Regierung ist sich des Problems bewusst, scheint aber hilflos. Die übliche Drohkulisse wird aufgebaut. "Jede Person, die auch nur einen Strich auf einen Geldschein gekritzelt hat, hat ein Verbrechen begangen", sagte der Chef der iranischen Zentralbank, Mahmoud Bahmani. Auf die Frage, ob er die provozierenden Geldscheine aus dem Verkehr zu ziehen gedenke, äußerte sich Bahmani indes ausweichend. Es gebe noch keine Entscheidung diesbezüglich, aber man müsse ein Mittel dagegen finden.
Gut möglich, dass es mittlerweile schon zu viele Geldscheine sind, die mit einer Parole versehen oder mit einem Bild beklebt sind. Die grüne Bewegung hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, dass irgendwann auf allen Scheinen regimekritische Slogans zu lesen sind. Der neue Leitspruch lautet: "Jeder Schein ein Medium."
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/gba/bön)
Russland unter Putin
Not macht erfinderisch.
In einem Land der Unfreiheit, wie im Iran, wo theokratische Folterknechte am Wirken sind,
und die eigene Bevölkerung, zumindest die jüngeren und fortschrittlicheren Teile massivst unterdrücken, gefällt es mir überaus, dass man durch den Weg über die Geldscheine ein Ventil sucht.
Ich denke: Kleine Ursache, große Wirkung! Warum nicht!!
Ich bewundere und unterstütze die Iraner, die da mitmachen!
Freiheit und Gerechtigkeit mögen auf diesem Weg zum Erfolg kommen, wenn auch nur peu à peu.
Not macht erfinderisch.
"Und genau so wirds wohl (leider) auch im Iran laufen - da wird einer "erwischt" und ein Exempel statuiert..."
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Hoffentlich erwischt man viele der Mullahs und der Garden beim Einkaufen mit unkorrekten Scheinen. (Aber die werden wohl leider alles vorher mit Permanentstiften übermalen. Hauptsache die Zahlenangabe ist noch lesbar).
Zum Synchronisieren: wenn der Mullah vom Minartett anfängt zu singen, alle den Toaster einschalten ...
"Eben das ist in umfangreichen Diskussionen auch hier in der SZ als Schmarrn bewertet worden! Schlicht und einfach nicht korrekt! Und ich werde jetzt sicher nicht das ewige Thema mit Ihnen diskuttieren. "
Wie? Da haben Sie das Thema selber losgetreten und jetzt wollen Sie nicht mit mir spielen? Das die Art und Weise wie eine Religionsgemeinschaft ihre Tempel baut, nicht zur Religionsfreiheit gehört, ist mir neu (...ich habe´mich aber auch nicht an dieser Minarettdiskussion beteiligt...) Wobei eine Moschee nicht zwangsläufig ein Minarett haben muss. Der Kern von U.T´s Frage war aber eigentlich ein ganz anderer.
Egal, ist wahrscheinlich eh eine Diskussion um kaiser´s Bart...
Gruß Balldieb
Paging