Von Rudolph Chimelli

Ein Gesicht der Opposition: Faiseh Rafsandschani, Tochter des einflussreichen Ex-Präsidenten, wurde zwei Tage nach ihrer Verhaftung wieder freigelassen. Sie ist Feministin, Journalistin, Politikerin - und Sportlerin.

"Es macht uns nichts aus, auch wenn man sie ein Jahr lang einsperrt", sagte Mehdi Rafsandschani, als seine ältere Schwester Faiseh am Samstag wegen "Aufhetzung" verhaftet wurde. Doch im Gegensatz zu vielen anderen, die gegen den vermuteten Wahlschwindel protestierten, war seine 46 Jahre alte Schwester schon nach einem Tag wieder frei. Es ist in Iran fast immer gut, zum Clan des zweimaligen Präsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsandschani zu gehören.

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Faiseh Rafsandschani, Feministin und treue Tochter des iranischen Ex-Präsidenten Ali Akbar Haschemi Rafsandschani . (© Foto: AFP)

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Die Tochter wurde bekannt als Feministin und Sportlerin. Beide Eigenschaften demonstrierte sie, indem sie als eine der ersten Frauen öffentlich Rad fuhr. Obwohl kein einziger Mann in Teherans Straßen radelt, sah sie darin, konsequent wie sie in allem ist, einen Ausdruck von Gleichberechtigung.

Viel nachhaltiger war, dass sie als Präsidentin des Iranischen Olympischen Komitees beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) durchsetzte, dass Frauen in islamischer Kleidung an Wettbewerben teilnehmen dürfen. Ferner organisierte sie ein internationales Frauenkomitee für Solidarität und Sport und brachte damit mehrere Wettkämpfe nach Iran.

Als Journalistin gründete sie die erste täglich erscheinende Frauen-Publikation, die Zeitung San (Frau). Ihr Blatt kämpfte gegen das geltende Recht, das dem Vater nach Scheidungen automatisch heranwachsende Kinder anvertraut, sowie gegen die Steinigung als Strafe.

Als die Expertenversammlung zu wählen war, die den geistlichen Führer bestimmt, brachte Faiseh Rafsandschani zehn Frauen dazu, neben 368 Männern zu kandidieren. Der Wächterrat lehnte alle ab. Verboten wurde ihre Zeitung einmal, weil sie Neujahrsgrüße der Ex-Kaiserin Farah aus dem Exil veröffentlichte. Wegen Streitigkeiten mit Würdenträgern und Institutionen wurde San nach acht Jahren wieder zugesperrt.

Zumindest ein Mal war der Name Rafsandschani für sie kein Trumpf: Zwar war Faiseh 1996 beim ersten Anlauf mit hoher Stimmenzahl zur Parlamentsabgeordneten für Teheran gewählt worden. Als sie aber vier Jahre später wieder antrat, fiel sie durch. Ihr Vater war wegen der erfolgreichen Verquickung von Politik und Geschäft so unpopulär geworden, dass dies sogar auf die Tochter abfärbte.

In der Zeit des Reformpräsidenten Mohammed Chatami erlosch ihre politische Karriere vorübergehend. Jetzt engagiert sie sich für Mir Hussein Mussawi, den für unterlegen erklärten Kandidaten, denn in Loyalität folgt sie immer der Linie ihres Vaters. Dass dies der Obrigkeit missfällt, konnte sie schon merken, als sie vergangene Woche zusammen mit ihrem Bruder auf dem Teheraner Flughafen an der Ausreise gehindert wurde.

Faiseh Rafsandschani ist verheiratet mit einem Psychiater, der aber in ihrer Familie zunächst nicht willkommen war: Auch der Vater des Bräutigams war Ayatollah, wurde aber als Gegner der Revolution eingesperrt und starb in der Haft. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. An der Universität Teheran hat Faiseh Rafsandschani Politische Wissenschaften und Betriebswirtschaft studiert. Sie besitzt einen Master in Internationalem Recht. Gegenwärtig ist sie zu Studien an der Universität Birmingham immatrikuliert.

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(SZ vom 23.06.2009)