Der geistliche Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, hat sich mit Vertretern der Wahlverlierer getroffen. Indes ist die Polizei um Deeskalation bemüht.
Weitere Proteste
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Anhänger des unterlegenen iranischen Präsidentschaftskandidaten Mir Hussein Mussawi wollen ihren Protest gegen den angeblichen Wahlbetrug mit täglichen Märschen in Teheran und anderen Städten fortsetzen. Dies kündigte ein Mitglied des Stabes von Mussawi, Mohammed Omidian, an. Für Mittwoch war zum dritten Mal seit Beginn der Woche eine solche Demonstration in der Hauptstadt angesetzt.
Sie sollte am Nachmittag beginnen, wurde abgesagt, kam dann aber doch in Gang. Mehdi Karrubi, ein anderer unterlegener Kandidat, hatte zudem zu drei Trauertagen für die von regimetreuen Bassidsch-Milizen getöteten Studenten und andere Opfer der Repression aufgerufen. Auch Mussawi forderte die Iraner auf, um die Toten zu trauern.
Am Vortag hatte ein starkes Polizeiaufgebot einen drohenden Zusammenstoß zwischen Anhängern Mussawis und Demonstranten für den amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad verhindert. Bewaffnet mit Ketten und Äxten, marschierten militante Parteigänger des Staatschefs nach Ende ihrer Versammlung die Wali-Asr-Allee, Teherans Nord-Süd-Achse, bis zum Wanak-Platz empor, wo sich Zehntausende von Mussawi-Anhängern getroffen hatten. Die Polizei hielt die beiden Parteien stundenlang getrennt. "Wir müssen unser Land wieder verteidigen wie im Krieg mit dem Irak", heizte ein Bassidsch-Organisator die Stimmung auf seiner Seite an.
Ausschreitungen von Schurken
Offensichtlich wollte die Polizei neues Blutvergießen verhindern. Auch der Verlauf eines Treffens des geistlichen Führers Ali Chamenei mit Vertretern aller vier Kandidaten ist dafür ein Indiz. Er bescheinigte den Rivalen Ahmadinedschads, sie seien sämtlich loyal gegenüber der Islamischen Republik.
Damit rückte er ein Stück weit von seiner Position im Wahlkampf ab, als er die Stimmbürger aufgefordert hatte, keine Kandidaten zu wählen, die vom Ausland begünstigt würden. Die Ausschreitungen während der Demonstrationen der letzten Tage sind laut Chamenei nicht von Anhängern der Kandidaten, sondern von "Schurken" verübt worden. "Niemand sollte etwas tun, was die Spannungen verschärft", mahnte der geistliche Führer.
Unverändert geht indessen die Repression weiter. In der Provinz Isfahan drohte ein Staatsanwalt, Mohammed Resa Habibi, Aufrührern mit der Todesstrafe. "Wir warnen die wenigen, von Ausländern gesteuerten Elemente, dass das Gesetz die Hinrichtung von Leuten vorsieht, die Krieg gegen Gott führen, indem sie die öffentliche Sicherheit gefährden, Zerstörungen anrichten oder Brände legen", sagte er der Agentur Fars.
In mehreren Städten überfielen Bassidsch-Milizen in der Nacht zum Mittwoch Studentenheime. Sie prügelten Studenten, demolierten die Einrichtung und nahmen Verhaftungen vor. Ein Video aus Isfahan zeigte einen angeblich von Bassidsch getöteten Studenten.
Zwei prominente Autoren, Saied Lailas und Hamid Resa Dschalaipur, die von ausländischen Korrespondenten oft interviewt wurden, sind am Mittwoch früh verhaftet worden. Die Organisation Reporter ohne Grenzen teilte in Paris mit, elf Journalisten seien bisher in Teheran verhaftet worden. Zehn weitere seien verschwunden.
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(SZ vom 18.6.2009/vw)
Bilder des Tages
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Ich setze weder etwas fest noch habe ich ein schablonenhaftes Bild vom Iran.
Aber Sie hantieren mit Ausgrenzungen und Schablonen: Was soll Ihr Spruch "wenn der Westen wie immer weiß"? Wer ist "der Westen" anundfür sich? Beziehen Sie sich da ein, weil Sie bezogen auf den Iran im "Westen" leben?
Es ist völlig klar, dass unsere mitteleuropäischen Maßstäbe von parlamentarischer Demokratie und vom Verhältnis Staatsmacht/Opposition nicht einfach auf die derzeitigen Verhältnisse im Iran übertragbar sind. Es wird sich voraussichtlich auch zeigen, dass die Opposition im Iran sich einig nur in der Ablehnung des Ahmadinedshad-Regimes ist.
Es liegen aber genügend Indizien vor, um am Wahlergebnis zu zweifeln. Und das Bestreben derer, die jetzt dort an der Macht sind, die Pressefreiheit und die Stimmen der Opposition massiv zu unterdrücken, ist eindeutig.
Wenn Ihnen offizielle Verlautbarungen politischer Machtapparate ausreichen, brauchen Sie ja keine Zeitung lesen.
Im übrigen meine ich, dass man den sachlichen Situationsbericht Chimellis so stehen lassen kann, dass er nicht einseitig ausgerichtet ist, dass er gar keinen Anlass für Ihre Diskussionslinie bietet: Sie schrieben: "Von Volksaufstand kann hier nicht die Rede sein". Ist auch nicht, lesen Sie mal nach!
Und Sie legen fest wie viele demonstrieren? Ja klar, die TV-Bilder lassen viele Millionen erahnen, lächerlich. Das erst Millionen auf die Straße gehen müssen um dies als Volkes Zorn zu bezeichnen hat nichts mit Maßstäbe setzen zu tun, sondern mit Verstand einsetzen. Der Iran hat über 73 Millionen Einwohner, somit ist es absurd nur 100.000 Demonstranten als Volkszorn zu bezeichnen. Was im restlichen Land vorgeht bzw. bei der Mehrheit lassen Sie außer Acht.
"Erst wenn Millionen von Menschen auf die Straße gehen, kann man davon ausgehen, dass das Volk Veränderungen haben möchte"
Aha, sie setzen also die Maßstäbe, ab wann man anzufangen hat (und bis wan nicht) , 1 + 1 zusammenzuzählen, zu denken, sich eine Einschätzung zu erlauben.
Komisch, dass die Bilder von den Demonstrationen der Opposition tatsächlich sogar Millionen Kritiker vermuten lassen.
Ihre sinngemäße Argumentation, wenn schon alle Journalisten verhaftet seien, müssten alle Meldungen, die der offiziellen Lesart eines Regimes zuwiderlaufen, erfunden sein, entspricht eigentlich der üblichen Logik offizieller Verlautbarungen diktatorischer Regimes.
Ebenso Ihre Unterstellung "der ... immer weiß, was ein Volk will". Das meinen und behaupten immer nur Diktatoren zu "wissen" und nicht "der Westen" anundfürsich, von wenigen demokratiebeugenden Protagonisten wie G.W.Bush einmal abgesehen.
Iran ist also eine üble Diktatur weil es Journalisten behindert. (Ich finde Journalisten die wirklich einfach nur ihre Arbeit tun wollen und objektiv berichten, muss man das auch tun lassen, soviel zur Zensur)
Gleichzeitig sind die USA, die die Berichterstattung im Irak komplett zensiert haben, das Al Jazeera Büro plattbombten und ganze Fernsehsender ausperrten und Israel, dass sämtlichen Reportern aller Nationen den Zugang nach Gaza verweigerte als es dort alles zerbombte, lupenreine Demokratien.
Seltsame Logik!
"Die Iraner wollen Veränderungen "
Manche schon, aber die Mehrheit? Ist die Demokratie nicht dadurch gekennzeichnet, dass sich die Minderheit dem Willen der Mehrheit beugt?
" die Ruhe ist der Tod der Revolution. " Dann wissen wir ja jetzt auch, was die Medien mit ihrer hysterischen Berichterstattung beabsichtigen. Keine Ruhe einkehren lassen. Danke!
Paging