Iraks Präsident zum Atomstreit mit Teheran "Eine Attacke Israels würde Iran nur stärken"

"Wir werden keine Überflugrechte gewähren für einen Angriff": Iraks Präsident Dschalal Talabani warnt im SZ-Interview vor einem Angriff auf die Atomanlagen Teherans und bietet dem Westen die Vermittlung Bagdads im Atomstreit mit Iran an.

Im Falle eines Angriffs auf Iran wird Irak israelischen oder amerikanischen Kampfjets keine Überflugerlaubnis erteilen. "Irak wird sich in einen solchen Konflikt nicht verwickeln lassen", sagte der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani in Bagdad in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung und dem ARD-Hörfunkstudio Kairo. "Wir werden keine Überflugrechte gewähren für einen Angriff. Talabani räumte ein, dass die Möglichkeiten Bagdads in Ermangelung einer funktionierenden irakischen Luftwaffe beschränkt seien: "Wenn jemand ohne unsere Zustimmung über unser Land fliegt - was können wir da tun?"

"Wir werden keine Überflugrechte gewähren": Iraks Präsident Dschalal Talabani.

(Foto: REUTERS)

Er persönlich rechne aber nicht mit einem Angriff Israels auf Iran: Luftangriffe auf die Atomanlagen würden das Regime in Teheran stärken und "die derzeit miteinander streitenden Gruppen zusammenschweißen: Linke und Rechte, Reformer und Konservative". Zudem müsse Israel mit Angriffen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah rechnen: "So einfach ist das nicht, dass Israel Iran angreifen und sich dann wieder zurücklehnen kann."

Talabani bot dem Westen die Vermittlung Bagdads im Atomstreit an: "Wir können es tun, weil wir gute Beziehungen zu den arabischen Staaten haben und zu Iran." Talabani sagte, der Gipfel der Arabischen Liga habe mit seinem Appell von Bagdad Wege aufgezeigt, den Syrien-Konflikt zu lösen. Er selbst habe Syriens Staatschef Baschar al-Assad zudem seit Beginn der Krise drei persönliche Briefe geschrieben und ihn "aufgefordert, auf sein Volk zu hören und Reformen anzugehen. Das waren freundschaftliche Briefe und Assads Antworten wirkten aufgeschlossen." Zwar habe der syrische Führer seine Politik bisher nicht verändert, aber "ich hoffe weiter, dass er handeln wird", sagte Talabani.

Der irakische Präsident betonte, dass die Affäre um den angeblichen Terrorverdacht gegen Vizepräsident Tarik al-Haschemi nun in der Hand der unabhängigen Justiz des Irak liege: "Der Fall ist ungeschickt gehandhabt worden - man hätte ihn politisch lösen sollen. Nun ist er gerichtsmassig und wir müssen die Unabhängigkeit der Justiz respektieren." Der führende irakische Sunniten-Politiker Haschemi wird von den Bagdader Behörden beschuldigt, in Terroranschläge verwickelt zu sein. Er ist aus Bagdad nach Irakisch-Kurdistan geflohen und hält sich derzeit im Ausland auf.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.