Angesichts der weltweiten Empörung über die Misshandlungen irakischer Gefangener durch Amerikaner hat das US-Militär sich zu ungewöhnlichen Maßnahmen durchgerungen: Der erste Prozess gegen einen der beschuldigten Soldaten wird öffentlich stattfinden.
Insbesondere die arabischen Medien seien eingeladen, das Gerichtsverfahren zu beobachten, berichtet die New York Times.
Anzeige
Der 24-jährige Militärpolizist Jeremy S. aus Pennsylvania muss sich ab dem 19. Mai vor Gericht dem Vorwurf stellen, er habe sich im Gefängnis Abu Ghraib an Folterungen beteiligt. Er gilt als einer der Fotografen, die die Bilder von den Misshandlungen aufgenommen haben. Außer ihm soll weiteren sechs Soldaten der Prozess gemacht werden.
"Wir wollen nichts verstecken", erklärte der stellvertretende Kommandeur der US-Truppen in Irak, Mark Kimmit. Das US-Militär hofft offenbar, den Schaden, den die Bilder der gedemütigten und misshandelten Iraker dem Ansehen der USA zugefügt haben, zu begrenzen, in dem die Medien nun verbreiten, wie konsequent die Amerikaner die Vergehen ahnden werden.
S. wird beschuldigt, Häftlinge misshandelt und sich zur Misshandlung verschworen zu haben. Nach Informationen der New York Times wird erwartet, dass er gegen seine Kameraden aussagen wird, um die Härte des Urteils gegen ihn selbst zu mindern.
Die schwersten Strafen, mit denen S. rechnen muss, sind etwa ein Jahr Haft, eine Degradierung und eventuell eine unehrenhafte Entlassung.
Ob die arabische Welt sich mit solchen Urteilen gegen die direkt beteiligten Soldaten beschwichtigen lassen wird, bleibt allerdings fraglich.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de)
Russland unter Putin