Die Geiselnehmer von René Bräunlich und Thomas Nitzschke drohen mit der Ermordung der beiden deutschen Ingenieure. Das 72-Stunden-Ultimatum könnte bereits heute auslaufen. Der Außenminister sieht eine Verschlechterung der Lage.

Nach Angaben des ZDF erheben die Entführer auf dem Videoband drei Forderungen: Die Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad, den Abzug aller deutschen Firmen aus dem Land sowie die Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung.

Die beiden deutschen Geiseln Thomas Nitzschke (r.) and Rene Bräunlich. Auf dem jüngsten Video drohen die Entführer mit ihrer Ermordung. (© Foto: AFP)

Anzeige

Zudem sei ein Ultimatum von 72 Stunden gestellt worden. Laut al-Dschasira drohen die Kidnapper mit der Ermordung ihrer Geiseln.

Zu der ungewissen Frage, wann das Ultimatum ausläuft, wollte das Auswärtige Amt in Berlin am Mittwoch keine Angaben machen. Das Band ist auf den 29. Januar datiert, so dass das Ultimatum bereits heute (Mittwoch) auslaufen könnte.

Islamistische Extremisten vermutet

Nach einem Treffen des Krisenstabs sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier: "Die Lage entwickelt sich auch nach unserer Beurteilung ernst." Die Bundesregierung verurteile die Tat und appelliere an die Entführer, die beiden Deutschen freizulassen. Die Bundesregierung werde alles tun, "was möglich und notwendig ist", um die Ingenieure frei zu bekommen.

Die Krisenstabs-Experten werteten die Videobilder sorgfältig aus. Das Video wurde am 29. Januar, offenbar am Vormittag, aufgenommen. Die Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke tragen auf diesem Video hellgraue Kapuzenjacken.

Sie sind auf dem Boden knieend zu sehen. Zwei der vermummten Geiselnehmer zielen mit ihren Waffen auf die Geiseln, einer direkt auf die Kameraleute.

Einer der Entführer verliest eine Erklärung. Danach spricht Bräunlich einige Worte. Die Entführer gehören laut al-Dschasira der bislang unbekannten Gruppe Tawhid und Sunnah Brigade an.

Vor einer Woche verschleppt

Die Deutschen waren am Dienstag vor einer Woche in der nordirakischen Stadt Beidschi verschleppt worden.

Bereits am vergangenen Freitag hatte al-Dschasira ein erstes Video mit den Geiseln gesendet. Darauf hatten Bräunlich und Nitzschke die Regierung in Berlin aufgerufen, alles zu tun, um ihre Freilassung zu erreichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte "die grausame Entführung aufs Schärfste" verurteilt und die sofortige Freilassung gefordert.

Neben den Deutschen wurden im Januar mindestens drei weitere Ausländer im Irak entführt; zwei Kenianer und die amerikanische Journalistin Jill Carroll. Carrolls Entführer fordern die Freilassung aller Frauen aus Gefängnissen im Irak. Andernfalls haben sie mit der Ermordung der Journalistin gedroht.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/dpa/AP)