Irak Mindestens 70 Tote bei Anschlag

Die Explosion ereignet sich an einer Tankstelle. Der IS-Attentäter nimmt schiitische Pilger ins Visier. Derweil rücken Sicherheitskräfte auf die von der sunnitischen Islamisten-Miliz gehaltenen Großstadt Mossul vor.

Bei einem Anschlag der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) auf Reisebusse mit schiitischen Pilgern im Irak sind am Donnerstag mindestens 70 Menschen getötet worden. Wie ein ranghoher Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur AFP sagte, sprengte ein Selbstmordattentäter an einer Tankstelle im Dorf Schomali rund 120 Kilometer südöstlich von Bagdad einen Lastwagen in die Luft. Die meisten Opfer waren demnach Iraner, die aus der Pilgerstadt Kerbela kamen. An der Tankstelle waren mindestens sieben Busse mit schiitischen Pilgern geparkt, als der Attentäter den Lastwagen zur Explosion brachte. Die Pilger kamen aus Kerbela, wo in den vergangenen Tagen Millionen Schiiten das Arbain-Fest begangen hatten. Aus Furcht vor Anschlägen sunnitischer Extremistengruppen hatte das Fest unter massiven Sicherheitsbedingungen stattgefunden.

Nach Angaben der irakischen Armee war der Lastwagen mit 500 Litern Ammoniumnitrat beladen. Die Chemikalie wird häufig zur Herstellung von Sprengsätzen verwendet. Die Reisebusse gerieten durch die Explosion in Brand. Viele Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sagte der Sicherheitsbeamte Falah al-Radhi. Mindestens 20 Verletzte wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Die IS-Miliz bekannte sich zu dem Anschlag in Schomali. Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte Unternehmen Site mitteilte, erklärte die sunnitische Extremistengruppe, ein Attentäter habe sein Fahrzeug inmitten der Pilger in die Luft gejagt und dabei mehr als 200 Menschen getötet oder verletzt. Die IS-Miliz betrachtet Schiiten als Ungläubige.

Der IS sieht sich in seiner letzten irakischen Hochburg Mossul einer massiven Offensive der Regierungstruppen ausgesetzt, denen die Luftwaffe der US-geführten Militärkoalition sowie kurdische Peschmerga-Einheiten und schiitische Milizen zur Seite stehen. Zwar leisten die verbliebenen IS-Kämpfer erbitterten Widerstand, doch verlieren sie angesichts der deutlichen Überlegenheit ihrer Gegner zunehmend an Boden. Es war erwartet worden, dass die IS-Miliz vermehrt auf Anschläge zurückgreift, wenn sie in Mossul weiter unter Druck gerät. Auch in Kerbela waren während des Arbain-Festes Anschläge befürchtet worden. Die bis zu 20 Millionen Pilger wurden daher von rund 25 000 Sicherheitskräften geschützt.