Zwei Wochen vor dem Verfassungsreferendum reißt die Gewalt im Irak nicht ab: Innerhalb weniger Minuten explodierten in Balab drei Autobomben, über hundert Menschen wurden schwer verletzt.

Wie ein Vertreter des irakischen Innenministeriums mitteilte, ereigneten sich die ersten beiden Anschläge innerhalb von zehn Minuten in einer Einkaufsstraße im Zentrum der Stadt Balad nördlich von Bagdad.

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Weitere zehn Minuten später explodierte eine dritte Autobombe im Viertel Bab el Sur, eine vierte etwa eine Stunde später in der knapp 70 Kilometer südlich gelegenen Hauptstadt Bagdad. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor.

Der Arzt Chaled al Asawi vom Krankenhaus in Balad sagte, viele der Verletzten, unter denen sich auch der Polizeichef der Stadt befinde, hätten schwere Verbrennungen und Verstümmelungen erlitten.

Er gab die Zahl der Toten mit mindestens 60 an. Polizeisprecher Ghafil Hassan sagte, es seien schätzungsweise 75 Menschen getötet worden. Seit Wochenbeginn wurden im Irak mehr als 140 Menschen getötet.

Die drei Anschläge in Balad wurden den Angaben zufolge mit offenen Pritschenwagen verübt. Balad ist eine mehrheitlich von Schiiten bewohnte Stadt; die unter Saddam Hussein unterdrückten Schiiten wurden in letzter Zeit verstärkt Ziel von Anschlägen.

Schiiten und Kurden unterstützen den Verfassungsentwurf, über den die Iraker am 15. Oktober abstimmen sollen. Die Sunniten lehnen ihn ab. Sie hatten unter Saddam Hussein das Sagen, sind seitdem aber an den Rand gedrängt. Nach ihrer Ansicht der Sunniten verstärkt dies die neue Verfassung noch. Sunnitische Führer haben deshalb zum Boykott der Abstimmung aufgerufen.

"Umfassender Krieg" angedroht

Der irakische Ableger des al-Qaida-Netzwerks von Osama bin Laden hatte der schiitischen Gemeinde im Irak am 14. September einen "umfassenden Krieg" angedroht. Am gleichen Tag bekannte sich die Organisation zu einer koordinierten Anschlagsserie in Bagdad mit mehr als 130 Toten. Die meisten starben in einem von Schiiten bewohnten Viertel der Hauptstadt.

Die Autobombe in Bagdad explodierte, als ein Konvoi der irakischen Armee vorbeifuhr. Ebenfalls in der Haupstadt wurden zwei Angestellte einer schiitischen Bäckerei getötet. Zwei Polizisten kamen ums Leben, als Aufständische ihre Patrouille beschossen.

Die anglikanische Kirche teilte mit, dass zwei ihrer Geistlichen und ihre drei Begleiter vermutlich getötet wurden. Sie waren vor zwei Wochen von Jordanien aus in den Irak gereist, aber niemals, wie geplant, in Bagdad angekommen.

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(AFP/AP)