Irak Heimat ohne Hoffnung

Ein Bild für seine Botschaft: Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) inmitten der zerstörten irakischen Stadt Mossul.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)
  • Entwicklungsminister Müller wirbt im Irak vor allem für seine neue Initiative "Perspektive Heimat".
  • Zusammen mit Bundesinnenminister Seehofer (CSU) will Müller die Ausreise von abgelehnten Asylbewerbern fördern.
  • Doch das Leben im Irak ist denkbar kompliziert. In riesigen Zeltstädten leben seit Jahren die Menschen, die gerade gar keine Perspektive in ihrer Heimat sehen.
Von Kristiana Ludwig, Mossul/Bagdad

Dass die grüne Kuppel der Al-Nuri-Moschee, wo der Führer der Terrororganisation Islamischer Staat vor vier Jahren das "Kalifat" ausrief, noch ganz ist, überrascht schon zwischen diesen Bergen aus Schutt. Mossul ist zertrümmert, zerdrückte Autos türmen sich auf Steinbrocken, Schüsse haben ihr Blech durchlöchert. Nach dem letzten Gefecht im vergangenen Sommer ist jemand auf das Moscheedach geklettert und hat "Fuck ISIS" an die Kuppel geschrieben.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) steigt in schusssicherer Weste aus einem Wagen, die Sicherheitsleute sind nervös. Die Terrormiliz mag besiegt sein, doch verschwunden sind ihre Kämpfer noch nicht. Müller ist der erste Minister, der trotzdem in diese Stadt fährt. Er braucht solche Bilder, um in der deutschen Presse seine Botschaft zu vermitteln. Bloß jetzt, wo er inmitten der Zerstörung steht, fällt sie ihm nicht mehr recht ein.

"Das Erste ist die Aufforderung an die Regierung in Bagdad, die notwendigen Zeichen politisch zu setzen", sagt er in ein Mikrofon. Die Bürokratie im Irak sei ein Problem für deutsche Firmen. "Die Leute müssen anpacken, das kann nicht von außen kommen", sagt er noch. Hier fehle wirklich alles, Wasser, Strom, Schulen, überhaupt, das Geld für den Wiederaufbau. So beendet er sein Statement. "Rückkehrerprogramm?", fragt eine Journalistin.

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Müller und Seehofer wollen Ausreise von abgelehnten Asylbewerbern fördern

Denn eigentlich wollte Gerd Müller mit dieser Reise in den Irak vor allem für seine neue Initiative "Perspektive Heimat" werben, die "bis zu 10 000 Iraker aus Deutschland" zur freiwilligen Rückkehr bewegen soll. Müller hat für solche Programme gerade eine Verzehnfachung des Budgets auf 500 Millionen Euro pro Jahr gefordert. Zusammen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will er die Ausreise von abgelehnten Asylbewerbern fördern. Während Seehofer daheim Zentren für schnelle "Ankunft, Entscheidung, Rückführung" fordert, schloss Müller am Sonntag eine Vereinbarung mit dem irakischen Arbeitsministerium, um Zurückgekehrten Jobs zu vermitteln.

Nach der feierlichen Unterzeichnung des Papiers in einem Luxushotel in der Sicherheitszone in Bagdad erheben sich zwei junge Männer von ihren Stühlen. Sie seien bereits aus Deutschland in den Irak zurückgekommen, erzählen sie. Mitarbeiter der Internationalen Migrationsorganisation IOM, mit der das Entwicklungsministerium nun zusammenarbeitet, haben sie mitgebracht, als lebendes Beispiel, sozusagen.

Abu Bakr ist 22 Jahre alt, ein schmaler Mann mit scheuem Lächeln. Ein Jahr lebte er in der schleswig-holsteinischen Stadt Neumünster, dann ging er zurück, weil er sich um seine kranken Eltern kümmern wollte. In Bagdad zahlen ihm Entwicklungshelfer nun drei Monatslöhne, damit er umsonst für ein Taxiunternehmen arbeiten kann. Sein Chef dort musste ihm dafür eine befristete Stelle für weitere neun Monate versprechen, so der Deal. Vor drei Wochen hat Abu Bakr angefangen. Er sei dankbar, sagt er. Doch was in einem Jahr ist, weiß er nicht. "Die meisten in meinem Alter sind arbeitslos", erklärt er Bundesentwicklungsminister Müller.