Zweitausend Amerikaner sind im Irak gestorben - mit jedem neuen Sarg verliert US-Präsident George W. Bush an Unterstützung für seine Kriegs-Politik. Inzwischen fordern nicht mehr nur Kriegsgegner und demokratische Abgeordnete wie James McGovern den Abzug der Truppen.
Wie ein Damoklesschwert hingen die ständig steigenden Opferzahlen in dieser Woche über dem Weißen Haus. Am Dienstag dann wurde erstmals die traurige Zahl von 2000 gefallenen Soldaten im Irak bestätigt.
Ein US-Soldat auf Patrouille im Irak. (© Foto: Reuters)
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In einem Lazarett in Texas war am Dienstag der Soldat George Alexander an seinen Verletzungen gestorben. Der 34-jährige war Anfang des Monats bei Samarra verwundet worden, als Aufständische sein Fahrzeug mit einer Autobombe in die Luft sprengten.
Der Widerstand im Irak scheint effektiver und organisierter zu sein, als noch vor einem Jahr. So werden auch die Missionen für die US-Soldaten gefährlicher: Allein in den letzten 14 Monaten fielen nach einer Zählung der New York Times 1000 Soldaten.
Zuvor hatte es 18 Monate gedauert, bis das Pentagon die ersten 1000 tote GIs im Irak meldete. Der Tod kommt inzwischen schneller am Golf, denn die Aufständischen sind besser ausgerüstet: Mehr als die Hälfte der Soldaten kam bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben.
Mit der Veröffentlichung der neuen Opferzahlen ist in den USA die Debatte über die Irak-Politik der Bush-Administration neu entflammt.
"Zweitausend Amerikaner haben jetzt ihr Leben im Irak verloren", sagte der demokratische Abgeordenete James McGovern. "Es wird Zeit diesen Krieg zu beenden." Die bekannte Kriegsgegnerin und Mutter eines im Irak gefallenen Soldaten, Cindy Sheehan, rief zu zivilem Ungehorsam auf, um einen Truppenabzug zu erzwingen.
Präsident Bush trat Kritikern nun mit einer Rede auf dem Luftwaffenstützpunkt in Bolling im Bundesstaat Alabama entgegen. "Wir haben im Krieg gegen den Terror einige unserer besten Männer und Frauen verloren", sagte Bush bei einem Essen mit Offiziersfrauen. "Die beste Art, das Opfer unserer gefallenen Truppen zu ehren, besteht darin, die Mission zu vollenden und durch die Verbreitung der Freiheit den Grundstein für Frieden zu legen."
Neue Kriegspolitik
Im Vergleich zum Vietnam-Krieg ist die Zahl der amerikanischen Opfer relativ niedrig. Von 1964 bis 1973 starben nach Zählungen der Washington Post mehr als 6400 Soldaten pro Jahr - viele davon Wehrdienstleistende. Und doch verliert Präsident Bush nicht zuletzt wegen der Toten im Irak zunehmend die Unterstützung seiner Bevölkerung.
Ein Grund hierfür ist die Kriegspolitik der Bush-Administration, die sich wesentlich von der ihrer Vorgänger unterscheidet. So werden Soldaten unter der jetzigen Regierung mehrmals hintereinander in den Irak entsendet.
Dies galt unter Lyndon B. Johnson als unzumutbar: GIs kämpften maximal 12 Monate gegen den Vietcong und mussten danach nicht zurück in den Dschungel. Im Januar dieses Jahres änderte Bush die Dauer der Auslandseinsätze seiner Truppen auf 24 Monate.
Auch wird seit dem 11. September 2001 die amerikanische Nationalgarde im Kampf gegen den Terror und damit auch im Irakkrieg eingesetzt. Somit sind die getöten Soldaten zu einem großen Teil verheiratete Reservisten mit Kindern.
Auch berichten US-Medien zunehmend von Kleinstädten, in denen gleich mehrere Familien Söhne, Brüder oder Onkel, die bei der selben Einheit der Nationalgarde dienten, beerdigen mussten.
Niedrigste Zustimmung seiner Amtszeit
Aus Furcht, aufgrund solcher Häufungen von Toten in einer Stadt die Unterstützung der Bevölkerung zu verlieren, sendete die Johnson-Regierung nur wenige Nationalgardisten nach Vietnam.
Offenbar verliert Bush mittlerweile tatsächlich die Unterstützung an der Heimatfront. "Wir sollten erkennen, dass die meisten Amerikaner eine Strategie für den Ausstieg aus dem Irak wollen, sagte der republikanische Senator Richard Lugar Außenministerin Condoleeza Rice bei einer Anhörung im Senat.
Nicht nur bei den eigenen Senatoren, auch bei den Wählern verliert Bush an Rückhalt. Wären in diesem Jahr Wahlen, müsste George W. nach einer Umfrage von CNN und USA Today das Oval Office räumen. Nur noch 39 Prozent der Amerikaner würden Bush wiederwählen. 40 Prozent unterstützen seine Irak-Politik. 46 Prozent der Amerikaner glauben sogar, die Demokraten könnten besser mit den Problemen am Golf umgehen.
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(sueddeutsche.de)