Interview von Erzbischof Zollitsch Katholische Kritik erzürnt die AfD

Er hoffe, bei der AfD handle es sich "um ein paar Nostalgiker, die nicht in den Bundestag einziehen werden". Freiburgs Erzbischof Zollitsch verärgert die euroskeptische Partei "Alternative für Deutschland". Manche Reaktionen entsprechen nicht dem bürgerlichen Ton, für den die Partei stehen will.

Von Jens Schneider

Die Geschichten sind längst zur Legende geworden. Sie stehen für eine Zeit, als in der Politik alles seine einfache Ordnung hatte, Schwarz immer Schwarz und Rot eindeutig Rot war: Vor allem im deutschen Süden soll es einst häufig vorgekommen sein, dass Pfarrer den Gläubigen am Sonntag eine Wahlempfehlung gaben. Indem sie daran erinnerten, bei welcher Partei das C im Namen steht.

Nun verursacht ein kleiner Satz in einem Interview des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch in einer kleinen Zeitung Aufregung, und manche fühlen sich an vergangene Zeiten erinnert. Vor gut einer Woche hielt Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, im Badischen Tagblatt ein Plädoyer für den Euro. Dabei ließ er einen kritischen Satz über die Partei der Euro-Skeptiker, die Alternative für Deutschland (AfD) fallen. Er hoffe, es handle "sich nur um ein paar Nostalgiker, die nicht in den Bundestag einziehen werden", sagte Zollitsch. Die AfD habe nicht seinen Segen.

Die Bemerkung hat unter Anhängern der Partei, um die es nach dem Furor der Gründungstage im Frühjahr ruhig geworden ist, Unmut ausgelöst - und gegenüber der Kirche manche Kommentare hervorgebracht, die nicht dem bürgerlichen Ton entsprechen, für den die AfD stehen will. Auch aus der Partei gab es Reaktionen, über die man in der AfD-Spitze wenig glücklich ist.

So attackierte die Berliner AfD-Politikerin Beatrix von Storch den Erzbischof in einem offenen Brief scharf. Sie warf ihm vor, sein Amt zu missbrauchen, und fragte ihn, warum er vor ihrer Partei warne, nicht aber vor den Grünen: "Die wollen die Homo-Ehe." Das war offenbar nicht mit der Parteispitze abgesprochen.

AfD-Gründer und -Vorsitzender Bernd Lucke ließ das Interview des Bischofs lange Zeit unkommentiert. Am Dienstag äußerte er sich - zwölf Tage später. "Wir respektieren die theologische Kompetenz von Erzbischof Zollitsch, aber er sollte auch unsere Kompetenz in volks- und finanzwirtschaftlichen Fragen respektieren", erklärt Lucke. Er nennt die Aussage von Zollitsch zur AfD unsachlich und unbegründet.

"Wir glauben, dass er nicht besonders gut informiert ist"

Unterdes hofft der Landesverband der AfD in Baden-Württemberg, den Erzbischof zu einem Gespräch und vielleicht sogar zu einem Widerruf zu bewegen. "Wir haben viele Katholiken bei uns in der Partei, die ihn nicht verstehen und sehr irritiert sind", sagt das Vorstandsmitglied Elke Fein, selbst katholische Christin. Viele hätten sich, wie sie auch, jahrelang in der Kirche engagiert. Der Landesvorstand habe an Zollitsch geschrieben und um ein Gespräch gebeten. Sie engagiere sich gerade aus christlichen Beweggründen bei der AfD. "Wir glauben", sagt sie, "dass er nicht besonders gut informiert ist."

Aber es wird wohl kein Gespräch geben, erst recht keinen Widerruf. "Erzbischof Zollitsch wird - wie auch vor vier Jahren - mit keiner Partei vor der Wahl sprechen", sagt dazu Matthias Kopp, der Sprecher der Bischofskonferenz. Das Interview soll für sich sprechen. Darin sei es "vor allem um ein Bekenntnis zu Europa gegangen und nicht um die Partei Alternative für Deutschland".