sueddeutsche.de: Was verärgert die Menschen denn?

Russland, Baikalsee, WDR, Reise

Ein Fischer am Baikalsee zündet bei minus 30 Grad ein Feuer ein (© Foto: WDR)

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Roth: Ein Riesenproblem ist die Korruption, die in den letzten Jahren gerade in den Staatsorganen weiter gewachsen ist. In Wladiwostok porträtiere ich eine mutige russische Journalistin, die in einer kleinen Zeitung detailliert beschrieben hat, wie Funktionäre überall Luxusvillen hochziehen und dafür sogar Schulen niederreißen. In Russlands Fernen Osten besuchen wir auch ein Ort namens "Neues Moskau". Dort protestiert die Bevölkerung gegen die Abholzung der Wälder: Das Holz wird direkt in die Möbelfabriken oder nach China gebracht. Die Arbeiter haben offizielle Dokumente - Bäume gehören offensichtlich nicht zu den Rohstoffen, die laut Putin ein Schatz Russlands sind.

sueddeutsche.de: Unter Wladimir Putin ist die russische Wirtschaft wegen der Einnahmen aus dem Gas- und Ölgeschäft stark gewachsen. Kommt das Geld bei der Bevölkerung an?

Roth: Bisher leider nicht. Es profitieren vor allem die Zentren und die großen Städte. Die Schere zwischen Arm und Reich nimmt immer mehr zu, die hohe Inflation belastet vor allem die Rentner. Am Baikalsee haben wir Fischer besucht, die unter härtesten Bedingungen bei minus 30 Grad arbeiten und dafür miserabel bezahlt werden. Ein Vorarbeiter erhält nur 110 Euro. Anders sieht es im Norden in Städten wie Nowy Urengoi aus, wo Gazprom nach Gas bohrt. Hier verdienen die Menschen sehr gut, wie wir beim Besuch in der Familie eines Ingenieurs lernten.

sueddeutsche.de: Dort leben also die größten Putin-Fans?

Roth: Die Arbeiter sind mit ihm zufrieden. Viele Menschen, mit denen wir gesprochen haben, ziehen eine positive Bilanz der vergangenen acht Jahre: Es herrscht wieder Stabilität und das Land wird auf internationaler Bühne ernst genommen. Ich habe die Gazprom-Arbeiter auch gefragt, ob man das Gas als politische Waffe einsetzen sollte - sie waren dagegen.

sueddeutsche.de: Konnten Sie mit Ihrem Team eigentlich ohne Kontrollen drehen?

Roth: Ja, wir wurden in unserer Arbeit nicht behindert und konnten sechs Wochen lang problemlos drehen. Aufgrund der Temperaturen mussten wir die Filme vorher drehen. Nun reisen wir die Strecke nochmals ab und berichten in Live-Schaltungen. Staatliche Aufseher gibt es nur, wenn man militärische Sperrgebiete besucht.

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