Menschenhandel, Zwangsprostition, Zwangsarbeit - für Aminato Sur von der Hilfsorganisation Plan International sind das nur neue Begriffe für ein altes Problem. Sie und ihre Kollegin Marie Stanton äußern sich über moderne Sklavenhaltung.
Marie Stanton ist die Vorsitzende von Plan UK, der britischen Sektion der Kinderhilfsorganisation Plan International. Aminato Sur leitet Projekte für Plan International in Westafrika, sie kommt aus Senegal.
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sueddeutsche.de: Heute ist der Internationale Gedenktag der Abschaffung des Sklavenhandels, weil der Handel mit Menschen vor 200 Jahren für illegal erklärt wurde. Ist Sklaverei also nicht ein Thema des 19. Jahrhunderts?
Marie Stanton: Ja, das denkt man sich so. Doch leider ist das nicht der Fall. Es gibt moderne Sklaverei.
Aminato Sur: Von meinem Kontinent gibt es viele traurige Beispiele: Kinder aus Benin werden nach Nigeria geschickt, um dort in den Minen zu arbeiten. In meinem Land, in Senegal, gibt es das Phänomen, dass Mädchen aus ländlichen Gebieten in die Städte verkauft werden, um dort als Hausmädchen zu dienen.
Diese Mädchen sind sehr jung, aber sie machen die Arbeit von Erwachsenen. Sie leiden unter Gewalt und sexueller Belästigung. Und dann werden sie schwanger, werden zurück in ihre Dörfer geschickt - und ihre Töchter müssen wieder Sklavinnen werden.
sueddeutsche.de: Ist das nur ein Problem Afrikas? Oder gibt es Sklaverei auch in Europa?
Stanton: Ja, die gibt es leider. Wir nennen es nur anders. Mädchen aus Osteuropa werden durch den ganzen Kontinent in reichere Länder geschleppt, nach Großbritannien, nach Deutschland. Es gibt zwar Bemühungen auf EU-Ebene, diese Menschenschlepperei zu verhindern, aber es handelt sich um einen versteckten Handel, der nicht leicht einzudämmen ist.
Den Mädchen wird von Mittelsmännern eine großartige Zukunft in Europa versprochen und sie landen in den reichen Ländern, ohne Chance auf ein menschenwürdiges Leben.
Sur: Es gibt Menschenschlepperei, es gibt Zwangsarbeit - alle diese Begriffe sind nur neue Namen für Sklaverei. Aber es geht um das gleiche Problem und wir dürfen es nicht verdrängen.
sueddeutsche.de: Menschenhandel ist seit 200 Jahren illegal. Ist er seitdem zu einem kleineren Problem geworden?
Sur: Kann man wirklich davon sprechen, dass es besser geworden ist, solange noch Menschen in Sklaverei leben?
Das Thema ist heutzutage ein Tabu, weil die Leute sich schämen. Viele der Betroffenen gehen erstmal freiwillig in die reichen Länder, weil sie auf der Suche nach einem besseren Leben sind.
Stanton: Die Sklaverei früherer Jahrhunderte war ein Wirtschaftszweig der Starken, die die Schwachen ausgebeutet haben, und es gab die Mittelsmänner, die den Handel für ihren Profit ausgenutzt haben.
Heutzutage ist es zwar illegal - aber dass die Starken die Schwachen ausbeuten, das ist heute noch so. Die Form ist eine andere.
Es gibt keine Fußfesseln mehr, keine Sklavenschiffe. Doch die Folgen für Kinder, die von ihren Familien weggerissen werden, die ausgenutzt werden, die keinen Schutz erfahren, sind immer noch die gleichen.
Als Gesellschaft müssen wir den Handel mit Menschen heute wie damals bekämpfen: Er ist vielleicht verboten, aber es ist auch sehr lukrativ.
Moderne Transportmittel und offene Grenzen machen die Menschenschlepperei einfach - und sehr schwierig zu verhindern.
sueddeutsche.de: Was kann man dennoch gegen moderne Sklaverei tun?
Stanton: Plan Internation hat zum 200. Jahrestag des Verbots von Sklavenhandel ein Projekt gestartet, in dem wir Kinder aus verschiedenen Staaten zusammenbrachten. Es waren Länder, die traditionell Sklaven entsandten, wie zum Beispiel die westafrikanischen Länder; Orte, die als Umschlagspunkt dienten, wie Liverpool; und schließlich Länder, die traditionell Sklaven aufnahmen, wie Brasilien und Haiti.
Die Kinder und Jugendlichen recherchierten in ihren jeweiligen Ländern, ob und wie es moderne Sklaverei noch gibt. Und sie fanden Beispiele dafür. Aus Westafrika und Haiti berichteten uns die Kinder von Menschen, die als Hausangestellte verkauft wurden.
Sur: Es ist uns wichtig, die Kinder auf diese Weise für die Problematik der modernen Sklaverei zu sensibilisieren und ihnen zu zeigen, dass sie nicht frei sind.
Dass ihnen das nicht klar ist, liegt nicht daran, dass sie nicht leiden - sie wissen nur nicht, dass sie andere Rechte haben.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de)
"und auf der anderen Seite:
Systemzwang, Konsumzwang"
-
InAnbetracht des Themas Sklaverei empfinde ich Systemzwang und Konsumzwang etwas lächerlich.
Mir ist bewußt, dass mein Leben durch sogenannte Systemzwänge mitbestimmt ist und das meine "schöne Warenwelt" (obwohl sehr kriitscher Konsument) durch das System und die Werbung, die ich grundsätzlich ablehne, mitbestimmt wird. Aber ich habe einen sehr komfortablen Freiraum, z.B. seit 1973 kein Kfz., lasse mich nicht zwingen ein Flugzeug zu benutzen. Die Kirchen können mir den Buckel runterrtschen usw. usf.
Ich hoffe ich habe meine Aussage ausreichend begründet.
Zwangsrekrutierung zum Militär, Zwangsschwängerung und Zwangsfreigabe zu Adoption, Zwangsorganspende
und auf der anderen Seite:
Systemzwang, Konsumzwang