sueddeutsche.de: Eine Debatte gibt es jetzt im Fernsehen. Beust sagte im Interview mit sueddeutsche.de, er habe der SPD vier Termine angeboten. Wann findet das TV-Duell statt?

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Hält Bürgermeister von Beust privat für einen "netten Mann": Michael Naumann (© Foto: dpa)

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Naumann: Ich möchte darauf hinweisen, dass seit September ein Datum feststand - und zwar im NDR, am Mittwoch vor der Wahl. Dem hatten wir zugestimmt, wie es in Hamburg üblich ist.

sueddeutsche.de: An wem lag dann das Terminproblem?

Naumann: An der CDU. Es hat etwas Albernes: Erst hat die CDU monatelang geschwiegen. Dann bot sein Team schließlich andere Termine an, die allesamt mit Großveranstaltungen der SPD kollidieren würden. Den Mittwoch lehnt er weiterhin ab. Jetzt diskutieren wir im NDR am Sonntag vor der Wahl, wenn im Ersten der "Tatort" läuft. Meine Partei musste längst eingeplante Wahlveranstaltungen, zum Beispiel mit Frank-Walter Steinmeier, absagen.

sueddeutsche.de: Was ist Ihre Erklärung?

Naumann: Nach jeder Fernsehdebatte gibt es eine Bewertung der Presse. Die Befürchtung seiner Berater ging vermutlich in die Richtung, dass sich der Spin in so wenigen Tagen vor der Wahl nicht mehr in gebührendem Maße herstellen lässt. Also lieber kein TV-Duell am Mittwoch.

sueddeutsche.de: Beust nennt Äußerungen über seinen Lebensstil "bösartig" - dass er zurückgezogen lebt und arbeitet.

Naumann: Von mir gibt es keine diesbezüglichen, gar bösartigen Bemerkungen. Nicht ich, sondern er selbst sagte im Stern, dass er gern allein sei. Das ist sein gutes Recht. Freilich ist die Sehnsucht nach Einsamkeit verblüffend für einen Politiker, der im Bundesrat fordert, die Politiker müssten viel öfter auf die Bürger zugehen.

sueddeutsche.de: Vor einigen Tagen unterschrieben Beust und andere Unionsgrößen einen Brief, in dem sie die polarisierende Debatte um Jugendgewalt kritisierten. Beust auf Distanz zu Roland Koch, das ist doch gut für Hamburg.

Naumann: Nein, das ist Opportunismus. Im Januar verabschiedete das CDU-Präsidium mit Billigung Ole von Beusts ein Papier, das die Kernforderungen von Roland Kochs Wahlkampfs enthält - inklusive Verschärfung des Jugendstrafrechts, inklusive Änderung des Aufenthaltsrechts, Erziehungscamps und so weiter. Als Koch dann mit seiner ausländerfeindlichen Kampagne das Land überzieht, schweigt Beust. Im Gegenteil, wörtlich von Beust bei Ihrer Konkurrenz, Spiegel-online am 9. Januar: Roland Koch habe nur "zusammengefasst, was die Union an Initiativen dazu erarbeitet hat, vom Warnschussarrest bis zur Abschiebung ausländischer Straftäter. Das sind alles Positionen, die Frau Merkel und auch ich mittragen." Der offene Distanzierungsbrief ist angeblich vor der Wahl geschrieben worden. Hätte Koch gewonnen, wäre dieses Schreiben niemals publiziert worden.

sueddeutsche.de: Inzwischen hat Beust ja klargestellt, dass der Brief keine Kritik an Koch darstellen soll.

Naumann: Das ist es ja: ihn kennzeichnet seine Beweglichkeit im politischen Alltag. Mal hier, mal da, aber im Ernstfall weg.

sueddeutsche.de: Können Sie aus den Wahlen in Hessen und Niedersachsen irgendwas herauslesen, was sie optimistisch stimmt?

Naumann: Die entscheidende Frage ist doch: Gelingt es der SPD, ihre Wählerschaft zu mobilisieren? Wenn ich auf die niedrige Wahlbeteiligung in Niedersachsen schaue, muss ich feststellen: Dort klappte es bedauerlicherweise nicht.

sueddeutsche.de: Womit wir wieder bei den Linken wären, die nun in Bremen, Niedersachsen und Hessen in den Parlamenten sitzen.

Naumann: Bei 5,1 Prozent in Hessen würden die Medien unter anderen Umständen davon sprechen, dass es eine Splitterpartei in den Landtag geschafft hat. Aber da es sich um die Partei des populärsten politischen Rudi Carrell und der - mit marxistischen Worten gesprochen - "Charaktermaske" Oskar Lafontaine handelt, ist die Aufregung enorm. Wer fragt noch danach, ob sie überhaupt regierungsfähig ist? Bremen zeigt ja: Zweifellos nicht. Und den kleinen Erfolg der Linkspartei im Westen gäbe es wahrscheinlich nicht ohne die permanenten, zweifellos charmanten TV-Auftritte des forensischen Plauderers Gregor Gysi. Seine Auftritte in allen möglichen Talkshows haben dieser Partei aufs Pferd geholfen. Genauer - aufs Pony.

sueddeutsche.de: Tatsache ist, dass der Regierungsanspruch der SPD beim Einzug der Linken in die Hamburger Bürgerschaft weg wäre.

Naumann: Nein, wäre er nicht. Warten Sie ab. Unser Ziel ist es, mehrheitlich mit den Grünen aus der Mitte heraus zu regieren. Umfragen von Anfang Dezember zeigen, dass es auch eine Mehrheit für Rot-Grün geben kann, wenn die Linke im Parlament ist. Da mache ich mir keine Sorgen. Übrigens: Die Pflicht zur Aufklärung, wer diese Funktionäre in der Linken sind, ist auch die Aufgabe der Union und der anderen Parteien. Von Angela Merkel habe ich da noch nichts gehört - und sie müsste eigentlich wissen, mit wem sie es da zu tun hat.

sueddeutsche.de: Ole von Beust hat angekündigt, im Falle einer Niederlage mit der Politik aufzuhören. Was haben Sie vor, falls Sie verlieren sollten?

Naumann: Ich stehe zur Verfügung.

sueddeutsche.de: Auch, wenn Sie nicht Bürgermeister werden?

Naumann: Ich würde in die Bürgerschaft gehen. Im März 2007, nach meiner Nominierung, sagte Beust, er würde aus der Politik scheiden, falls ich gewänne - und ich würde aus der Politik gehen, sollte er gewinnen. Aber der Herr Bürgermeister hatte mich vorher nicht gefragt.

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(sueddeutsche.de/bosw)