Interview: Oliver Das Gupta

Fünf Jahre war Rochus Misch Bodyguard und Telefonist von Adolf Hitler. Im ersten Teil eines sueddeutsche.de-Interviews spricht der 87-Jährige über die kargen Mahlzeiten Hitlers und seine Begegnungen mit anderen Nazi-Größen.

sueddeutsche.de: Herr Misch, Sie arbeiteten von 1940 bis 1945 für Adolf Hitler und hatten direkten Kontakt zu ihm. Was waren ihre Aufgaben?

Hitler-Leibwächter Rochus Misch auf Hitlers Berghof in den Vierzigerjahren Foto: Misch/Das Gupta

Versichert mit 100.000 Reichsmark, falls etwas passiert: Leibwächter Rochus Misch auf Hitlers Berghof in den 40er-Jahren (© Foto: Misch/Das Gupta)

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Misch: Wir waren seine Leibwächter. Aber wir saßen nicht herum und warteten darauf, dass er sich bewegt.

Wir mussten auch Telefondienst machen, immer zu zweit, jeweils acht Stunden. Dann, Gästeempfang: Höflich und nett sein, den Gast zum Führer geleiten.

Wir waren zwar seine Nächsten, aber seine Gesprächspartner waren wir nicht, dafür gab es die Adjutanten. Wenn Hitler was wollte, sagte er denen es, und wir waren dann die Ausführenden.

sueddeutsche.de: Was für Aufträge waren das?

Misch: Ein Beispiel: Hitler hatte erfahren, dass ein Jugendheim eröffnet wird. Der Adjutant kam zu mir und sagte: "Misch, besorg` schnell ein paar Fußbälle. Der Chef will zum Jugendheim."

Ich bin dann ins Sportgeschäft in die Friedrichstraße gegangen und habe Fußbälle gekauft.

Oder Blumen besorgen für den Wolfgang Wagner, der jetzt in Bayreuth Boss ist. Zur Verlobung hat er einen großen Strauß roter Rosen bekommen, das weiß ich noch.

sueddeutsche.de: Sie erwähnten ihre Tätigkeit als Telefonist. Griff Hitler oft zum Hörer?

Misch: Wenig. Die rote Lampe leuchtete selten. Wir haben nicht mehr gestöpselt, wir hatten eine ganz moderne Siemens-Anlage. Da gab es weiße, grüne und gelbe Tasten. Und Hitler hatte rot.

Wir sahen so immer, wenn er telefonierte. Es lief ja alles über uns. Hitler sagte einmal, wir seien besser und schneller informiert als er selbst.

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