Fünf Jahre war Rochus Misch Bodyguard und Telefonist von Adolf Hitler. Im ersten Teil eines sueddeutsche.de-Interviews spricht der 87-Jährige über die kargen Mahlzeiten Hitlers und seine Begegnungen mit anderen Nazi-Größen.
sueddeutsche.de: Herr Misch, Sie arbeiteten von 1940 bis 1945 für Adolf Hitler und hatten direkten Kontakt zu ihm. Was waren ihre Aufgaben?
Versichert mit 100.000 Reichsmark, falls etwas passiert: Leibwächter Rochus Misch auf Hitlers Berghof in den 40er-Jahren (© Foto: Misch/Das Gupta)
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Misch: Wir waren seine Leibwächter. Aber wir saßen nicht herum und warteten darauf, dass er sich bewegt.
Wir mussten auch Telefondienst machen, immer zu zweit, jeweils acht Stunden. Dann, Gästeempfang: Höflich und nett sein, den Gast zum Führer geleiten.
Wir waren zwar seine Nächsten, aber seine Gesprächspartner waren wir nicht, dafür gab es die Adjutanten. Wenn Hitler was wollte, sagte er denen es, und wir waren dann die Ausführenden.
sueddeutsche.de: Was für Aufträge waren das?
Misch: Ein Beispiel: Hitler hatte erfahren, dass ein Jugendheim eröffnet wird. Der Adjutant kam zu mir und sagte: "Misch, besorg` schnell ein paar Fußbälle. Der Chef will zum Jugendheim."
Ich bin dann ins Sportgeschäft in die Friedrichstraße gegangen und habe Fußbälle gekauft.
Oder Blumen besorgen für den Wolfgang Wagner, der jetzt in Bayreuth Boss ist. Zur Verlobung hat er einen großen Strauß roter Rosen bekommen, das weiß ich noch.
sueddeutsche.de: Sie erwähnten ihre Tätigkeit als Telefonist. Griff Hitler oft zum Hörer?
Misch: Wenig. Die rote Lampe leuchtete selten. Wir haben nicht mehr gestöpselt, wir hatten eine ganz moderne Siemens-Anlage. Da gab es weiße, grüne und gelbe Tasten. Und Hitler hatte rot.
Wir sahen so immer, wenn er telefonierte. Es lief ja alles über uns. Hitler sagte einmal, wir seien besser und schneller informiert als er selbst.
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Hochinteressantes Interview. Die ungekünstelte und unpolitische Erzählung ist genau so am interessantesten, da alles andere schon tausend mal aufbereitet wurde. Bin froh daß nicht Kerner oder Beckmann ein solches Interview geführt haben und Herrn Misch versucht haben in irgend eine Richtung zu stecken
Dieses Lied aus der Operette "Land des Lächelns" stammt von Franz Léhar. Der Text ist von Fritz Löhner-Beda. Siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/Fritz_Löhner-Beda
Vielen Dank.
Ich lese gerade Rochus Mischs "Der letzte Zeuge" (2008). Beklemmend und seltsamerweise auch erheiternd. Es ist gut, dass Herr Misch alles sehr freimütig schildert, seine Ängste, seine Zweifel, seine Freude an der ihm anvertrauten Aufgabe und auch sein Nicht-wissen-(wollen) (?). Gut vor allem deshalb, weil es jüngeren Lesern wie mir einen Einblick ermöglicht, den uns wenige Historiker jemals so glaubhaft nahebringen könnten.
Es hat mich sehr verwundert, dass weder Herr Fest noch Herr Eichinger während der Dreharbeiten zu ihrer Oper, äh, ihrem Spielfilm "Der Untergang" nicht wenigstens einmal mit Herrn Misch telefoniert und ihn zu seiner Rolle befragt haben.
Herr Misch wurde auch laut seines Vorwortes vor der Premiere des Films ausdrücklich darum gebeten, davon Abstand zu nehmen, diese zu besuchen. Ein Unding, wie ich meine. Selbst Joachim C. Fest hat nicht ein einziges Wort mit Herrn Misch gewechselt, weder vor noch nachdem er "Der Untergang" schrieb. Sehr merkwürdig, nicht wahr?