Interview mit Bamberger Erzbischof Schick "Die katholische Kirche ist nicht leibfeindlich!"

SZ: Nun treffen sich die Bischöfe und Vertreter des Kirchenvolks in Hannover zum Dialog. Was erwarten Sie von dem Treffen?

"Wir spüren die Vertrauenskrise" - Erzbischof Schick im Mai nach dem feierlichen Gottesdienst zum 1000-jährigen Bestehen des Bamberger Heinrichsdoms.

(Foto: dapd)

Schick: Ich hoffe, dass wir gut miteinander sprechen, dass wir aber auch Dinge vereinbaren, an denen wir weiterarbeiten können, in jeder Diözese, jeder Pfarrei. Christlicher Dialog heißt, sich dem Evangelium zu nähern und daraus zu leben.

SZ: Viele der Eingeladenen wünschen sich Reformen. Andere fürchten, dass sich die Kirche zu sehr der Welt anpasst. Was tun: Reformieren? Bewahren?

Schick: Sowohl als auch. Wir müssen das Evangelium verheutigen, wie es schon Papst Johannes XXIII. sagte. Das ist nicht einfach, das ist ein immerwährender Prozess. Da gibt es keine schnellen Antworten.

SZ: Ungehorsame Priester wie in Österreich oder auch in deutschen Bistümern, die gegen das Kirchenrecht Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, die Sakramente spenden - wie finden Sie das?

Schick: Die wiederverheirateten Geschiedenen sollten ihren Platz in der Kirche haben und nicht in Schlagzeilen oder Protestaktionen! Mit ihnen muss evangeliumsgemäß im Einzelfall umgegangen werden. Ich spreche mit vielen Priestern, die unterschiedliche Auffassungen haben. Man muss auch in der Kirche nicht immer einer Meinung sein. Aber ich habe in unserem Erzbistum noch keinen gefunden, der sagt: "Ich mache das einfach so, wie ich das will" - und der sich damit außerhalb der Kirche stellt.

SZ: In Österreich ist das eine Massenbewegung. Kann die Kirche das ignorieren?

Schick: Das darf man nicht ignorieren. Da muss man ganz intensiv miteinander sprechen.

SZ: Es wächst die Zahl konservativer Gruppen, die sagen: Die Kirche muss sich scharf abgrenzen vom Zeitgeist. Fürchten Sie eine Kirchenspaltung?

Schick: Nein. Ich glaube, dass sich in der nächsten Zeit einige Schärfen verringern werden. Es gibt in der Kirche viel mehr Dialog, als es manchmal scheint. Es ist auch unter den Bischöfen unbestritten, dass wir keine Kirche der kleinen, feinen Elite wollen. Für alle da zu sein - das ist der Auftrag Jesu.

SZ: Beim Thema Sexualität könnte der Graben zwischen kirchlicher Lehre und dem, was die Gläubigen denken, kaum tiefer sein.

Schick: Die katholische Kirche ist nicht leibfeindlich! Für uns ist Sexualität von Gott geschenkt, sie ist wichtig für das Zusammenleben von Mann und Frau, das Zusammenleben in der Gesellschaft und natürlich für ihren Fortbestand. Bei den Einzelheiten muss sich ein Bischof nicht immer äußern.

SZ: Weil er Angst hat, das Falsche zu sagen?

Schick: Nein, weil er den Gläubigen nicht bis ins Kleinste vorschreiben muss, was sie zu tun und zu lassen haben. Das sind verantwortungsbewusste Christen, die ein Gewissen haben und die Gebote Gottes kennen.

SZ: Viele Gläubige haben das Gefühl, sie gehörten einer vorschreibenden Kirche an.

Schick: Das ganze Leben einschließlich der Sexualität braucht Freiheit und Regeln zugleich. Fragen Sie doch mal Jugendliche, was sie sich in einer Beziehung wünschen: Treue und Verlässlichkeit. So lebensfern ist das nicht, was die Kirche sagt. Aber noch einmal: Ich glaube, dass die Menschen selbst ihren Weg finden. Als Bischof habe ich Vertrauen in unsere Christen und in den Heiligen Geist.