Interview: Robert Roßmann

Oskar Lafontaines Frau Christa Müller vertritt familienpolitische Vorstellungen, die dem CSU-Programm entstammen könnten. Lafontaine hat seine Frau jetzt verteidigt - und damit seine Partei in Rage gebracht.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende Katina Schubert fordert eine Aussprache in der nächsten Vorstandssitzung.

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Sorgt für Unmut in der Linkspartei: Christa Müller, die Ehefrau von Oskar Lafontaine. (© Foto: dpa)

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SZ: Sie werfen der Frau Ihres Vorsitzenden vor, den Ruf der Linken als emanzipatorische Partei zu gefährden. Machen Sie Frau Müller da nicht wichtiger, als sie ist?

Schubert: Christa Müller vertritt öffentlich ein antiquiertes Frauen- und Familienbild, wonach Frauen vor allem für die Kindererziehung da sind. Ihrer Ansicht nach schadet die Betreuung Unter-Dreijähriger in Krippen den Kindern. Und sie warnt angesichts der Pläne von der Leyens sogar vor einem Überangebot an Kindertagesstätten, das zu einem "Zwang zur Fremdbetreuung" führen könne.

SZ: Was ist daran falsch?

Schubert: Das ist weder familien- noch bildungspolitisch haltbar. Kinder brauchen von einem bestimmten Alter an Kontakt zu anderen Kindern. Sie brauchen die Anregungen, die sie in guten Kitas bekommen. Außerdem brauchen Mütter und Väter die Möglichkeit, sich neben der Erziehung ihrer Kinder auch anderen Dingen - etwa dem Beruf - zu widmen. Das tut in der Regel Kindern und Eltern gut. Und es ermöglicht Müttern wie Vätern, ihre Existenz eigenständig zu sichern.

SZ: Also keine Wahlfreiheit und doch ,"Zwang zur Fremdbetreuung"?

Schubert: Nein. Wir wollen, dass sich Eltern frei entscheiden können, wie sie ihre Kinder erziehen. Um ihnen diese freie Entscheidung zu ermöglichen, braucht es aber mehr und nicht weniger Kita-Plätze.

SZ: Nun hat Ihr Vorsitzender seine Frau gegen die Kritik verteidigt.

Schubert: Das habe ich aus der Zeitung zur Kenntnis genommen. Wenn Lafontaine sich in diesem Punkt hinter seine Frau stellt, dann haben wir einen offenen Dissens - und den müssen wir klären.

SZ: Wie soll das geschehen?

Schubert: Auf unserer nächsten Vorstandssitzung am 25.August werden wir darüber diskutieren. Es gibt eine klare Beschlusslage zur Familienpolitik, die den Positionen Müllers widerspricht.

SZ: Was erwarten Sie von Lafontaine in der Vorstandssitzung?

Schubert: Dass er klar sagt, was er denkt. Und dann müssen wir einen Umgang damit finden.

SZ: Was passiert, wenn Lafontaine in der Vorstandssitzung nicht von seiner Frau abrückt?

Schubert: Es kann auch einmal sein, dass ein Parteivorsitzender eine Minderheitenposition vertritt. Aber dann muss er das kenntlich machen. Er darf seine große Medienpräsenz als Parteichef dann nicht so nutzen, als sei seine persönliche Position die der Partei.

SZ: Muss ein Parteivorsitzender in einem so wichtigen Bereich nicht die Meinung der Partei vertreten?

Schubert: Das wäre wünschenswert. Aber wir sind eine pluralistische Partei.

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(SZ vom 17.08.2007)