sueddeutsche.de: Welche Chancen bietet das Internet für die kleineren Parteien? Schließlich gibt es zum Beispiel bei den Grünen nicht so viele Mitglieder, die sich aktivieren ließen.
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Voigt: Ich denke, dass gerade die Grünen und die FDP große Vorteile aus dem Internet ziehen können, weil ihre Klientel sehr stark dem durchschnittlichen Internetnutzer entspricht. So lässt sich etwa das studentische Milieu als grünes Wählerpotenzial über das Internet sehr viel schneller aktivieren als die Anhänger anderer Parteien.
sueddeutsche.de: Was war noch anders als in Deutschland?
Voigt: Die Wahlkampfteams konnten auf den eigenen Seiten längere und aggressivere Werbespots veröffentlichen als im Fernsehen. Da gab es Datenbanken zu den Äußerungen des Gegners und der eigenen Position dazu. Das war natürlich immer mit einem Spin versehen. Das Politikangebot wurde plastischer, greifbarer dargestellt.
sueddeutsche.de: Welche Mittel hat man dazu noch benutzt?
Voigt: Dazu kamen Spielerein wie Kalkulatoren, mit denen man berechnen konnte, welche Folgen die Steuerpolitik des Gegners haben würde. Das ist ein Weg, mit dem politische Entscheidungen und Prozesse so dargestellt werden können, dass sie leicht nachvollziehbar sind.
Ein wichtiger Trend ist auch die Personalisierung der Wahlkampfseiten. Man konnte bei den US-Parteien zum Beispiel eine Startseite einrichten, von der man individuell begrüßt und mit bestimmten gewünschten Informationen - etwa zur Bildungspolitik - versorgt wurde. Auch wurden die Leute aufgefordert, einen eigenen Wahlkreis zu organisieren. Dadurch gelang es den Kampagnen, kleine, bereits bestehende Netzwerke anzuzapfen.
sueddeutsche.de: Einen Trend zur Personalisierung im Internet spürt man auf vielen, vor allem kommerziellen Seiten auch schon in Deutschland. Aber bislang nicht bei den Parteien.
Voigt: Es wird 2006 auch eine Wahlkampagne aus deutschen Wohnzimmern geben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Sammeln von Spenden: Da ist man in den USA einen gigantischen Schritt nach vorn gegangen, indem man nicht mehr auf die großen Spenden konzentriert hat, sondern durch die Addition von Kleinspenden große Summen zu erzielen. Die Howard-Dean-Kampagne hat gezeigt, wie man mit 25 - 50 Dollar-Spenden große Summen akquirieren kann.
sueddeutsche.de: Warum sollte ich einer Partei spenden? Bei all den Steuern - und als Parteimitglied den Beiträgen - die ich sowieso schon zahlen muss.
Voigt: Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass Unterstützer einer Volkspartei bei ihrer Registrierung Interesse an einem bestimmten Thema angeben, zum Beispiel Umweltpolitik. Die spenden dann vielleicht 50 oder 100 Euro, um zu gewährleisten, dass es ein bestimmter Wahlkampfspot zu diesem Thema bis ins Kino schafft.
Auch die direkte Einbindung von Bürgern im Wahlkampf wird sich weiterentwickeln. In den USA gab es zum Beispiel die Aktion "Bush in 30 Seconds" von moveon.org. Da haben US-Bürger mit Digitalkameras privat Wahlwerbespots gegen Bush gedreht.
sueddeutsche.de: Und die Wähler haben mitgemacht?
Voigt: Bei moveon.org sind 1500 solche Videos eingegangen. Nach einer Abstimmung im Internet wurden die besten Spots veröffentlicht.
Da wurden die Ideen von Bürgern in die Kampagnen eingebunden und damit Unterstützern und Wählern das Gefühl gegeben, Teil eines großen Ganzen zu sein. Ich glaube, da werden wir auch in Deutschland noch einiges erleben.
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