Voigt: Zumindest weiß ich, dass es Parteien gibt, die Fragebögen an ihre Mitglieder geschickt haben, um an solche Informationen zu kommen.
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sueddeutsche.de: Meine Bonus-Karte für den Supermarkt können deutsche Parteien aber noch nicht auswerten?
Voigt: Anders als in den USA geht das in Deutschland nicht. Wenn man so eine Karte benutzt, kann man normalerweise festlegen, dass die eigenen Daten nicht an Dritte weitergegeben werden dürfen. Das machen die meisten.
sueddeutsche.de: Was kann die Partei mit den Informationen, die sie über ihre potenziellen Unterstützer gesammelt hat, denn nun anfangen?
Voigt: Wenn man die Unterstützer persönlich kennt, müssen sie nicht mehr in Wahlkampf-Hauptquartiere kommen, um sich zu informieren, sondern bekommen spezifische Informationen über Themen, die sie Interessieren, nach Hause gesandt. Es ist den Wahlkampf-Managern so gelungen, Stubenhocker im Wohnzimmer als Wahlhelfer zu rekrutieren.
sueddeutsche.de: Wie ist ihnen das gelungen?
Voigt: Da kommt das Internet als entscheidende Kommunikationsmedium ins Spiel. Amerikaner konnten täglich per E-Mail Informationen und Aktionshinweise von den Kampagnen bekommen, etwa die Aufforderung: Bitte schreibe heute fünf Briefe an Wähler in Iowa.
Oder es wurden Mitglieder aufgerufen, Nachbarschafts-Wochenenden zu veranstalten, an denen man mit Freunden und Bekannten durch das Wohnviertel geht, von Tür zu Tür, und sagt: "Ich bin Unterstützer von Kandidat X, und das sind meine Gründe".
sueddeutsche.de: Welche Rolle hat die Parteiprominenz bei diesen Kampagnen gespielt?
Voigt: Sie traten zum Beispiel bei so genannten Hauspartys auf. Diese Partys waren ein sehr innovativer Ansatz. An einem bestimmten Tag wurde ein Fest veranstaltet, das öffentlich angekündigt wurde und zu denen Freunde, Bekannte, aber auch Fremde kamen.
Zu einer bestimmten Uhrzeit wurde eine prominente Persönlichkeit der Kampagne per Konferenzschaltung dazugeschaltet, um den Unterstützern zu sagen, dass sie für eine wichtige Sache kämpfen, dass man auf einem guten Weg ist. Ich war selbst auf einer solchen Hausparty und habe erlebt, dass die Leute danach richtig aufgeputscht waren.
sueddeutsche.de: Und welche Bedeutung hatte das für den Wahlkampf?
Voigt: Die Bush-Kampagne zum Beispiel hat Ende April über 5000 Hausparty gleichzeitig veranstaltet, bei denen über eine Konferenz-Schaltung Laura Bush zu den Teilnehmern gesprochen hat. Das sind Elemente, wo der einzelne Freiwillige sich eingebunden fühlt in eine größere Kampagne. Dazu kommt, dass diese Ereignisse von den Medien wahrgenommen werden.
sueddeutsche.de: Lassen sich diese Methoden der Mobilisierung auch für Parteien in Deutschland vorstellen?
Voigt: Ich bin davon überzeugt, dass diese Art der Koordination und Organisation von Unterstützern auch in Deutschland stattfinden wird. Es wird 2006 auch eine Wahlkampagne aus deutschen Wohnzimmern geben. Immerhin haben die Parteien in Deutschland, anders als in den USA, eine feste und bekannte Unterstützerschaft, die sie nur aktivieren und mobilisieren müssen. Das wird der Trend des Wahljahres 2006.
sueddeutsche.de: Wahlhelfer, die wie Zeugen Jehovas an der Tür klingeln und mich zu einem Gespräch über die Wahl bewegen wollen?
Voigt: Das wird ein Problem für Parteien, die auf das Großstadtpotenzial setzen. Solche Aktionen funktionieren nur in Vorstädten, kleinen Gemeinden und in ländlicheren Gebieten. Das könnte übrigens auch eine Erklärung dafür sein, dass Bush so viele Stimmen gewonnen hat. In New York City oder in München macht niemand die Tür auf, wenn Sie dort klingeln.
sueddeutsche.de: Sie haben das Internet als besonders wichtige Innovation bezeichnet.
Voigt: Im Vergleich zum Fernsehen hat das Internet klare Vorteile: Es ist schnell, die Botschaft ist ungefiltert und es ist preiswert. Im kommunikativen Bereich kann man Text, Audio und Video verknüpfen. Das hat dazu geführt, dass die Internet-Seiten der Kampagnen in den USA voll in die Wahlkampfstrategien integriert sind.
Da die Programme in ihrer ganzen Breite im Internet zur Verfügung standen, konnten sich die Kandidaten bei Partei-Veranstaltungen darauf beschränken, auf das Online-Angebot hinzuweisen. Das hat man bei deutschen Politikern bis heute noch selten erlebt.
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