sueddeutsche.de: Warum reagiert Israel auf Entführungen besonders sensibel?

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Polizist hilft am Samstag einer leichtverwundeten Frau nach einem Raketen-Angriff in Naharija. Wenige Kilometer entfernt befindet sich das Kibbuz Saar. (© Foto: dpa)

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Bäuml: Wenn ein Soldat bei einem Angriff stirbt, ist das Grund zu großer Trauer. Aber: Wenn jemand von der Hamas oder Hisbollah gekidnappt wird, ist es viel schlimmer. Darum benehmen wir uns manchmal wie ein Elefant im Porzellangeschäft. Das ist unser empfindlichster Punkt, denn jede Familie hat einen Angehörigen beim Militär.

sueddeutsche: Sie sind auch Historiker und Dozent an der Universität Haifa. Wie fällt Ihre Analyse des schwelenden Zwei-Fronten-Konfliktes aus?

Bäuml: Eigentlich sind es zwei Konflikte, aber alle reden zur Zeit nur von einem: Über den mit der Hisbollah.

Dabei vergessen fast alle: Die Hisbollah hat eigentlich keinen Konflikt mit dem Staat Israel, weil ihre Interessen nicht in Israel liegen - sondern im Libanon.

Das eigentliche Ziel der Hisbollah ist, möglichst großen Einfluss in Beirut zu erlangen. Sie benutzen Israel, um zu zeigen, dass sie die Einzigen sind, die gegen Israel kämpfen. Israel ist ein Mittel, kein Ziel für die Hisbollah.

Dabei hält Israel nicht libanesische, sondern palästinensische Gebiete besetzt.

sueddeutsche.de: Und der zweite Konflikt?

Bäuml: Das ist der Hauptkonflikt, der zwischen Israelis und Palästinensern. Ich glaube: Israel muss sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen und die jüdischen Siedlungen räumen. Nur dann können wir den Kampf um unsere Existenz weiterführen.

Die Legitimation, die wir heute in der Welt haben, ist nicht sehr groß - weil wir immer noch diese Gebiete besetzt halten. Israel kann ohne die ununterbrochene Existenz-Legitimation nicht überleben, wir brauchen sie jeden Tag.

Diese Legitimation ist uns nicht sicher, so lange der Konflikt mit den Palästinensern anhält. Das einzige Mittel, ihn zu beenden, ist der Rückzug.

Dr. Yair Bäuml (53) ist Historiker für die Geschichte des Nahen Ostens und Bürgermeister des Kibbuzes Saar. Die Siedlung liegt drei Kilometer nördlich des Badeortes Naharija und sieben Kilometer südlich der libanesischen Grenze.

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