Parteien wollen das Internet erobern, doch die User machen ihre eigene Politik: Die Kanzlerin wird versteigert, der Innenminister verhöhnt. Das gibt Ärger.
Die Parteien setzen im Bundestagswahlkampf auf das Internet. Aber sie haben die Rechnung ohne die Nutzer gemacht: Statt der Frank-Walter-Steinmeier-Fanpage auf Facebook oder Angela Merkels Videokolumne bei Youtube ziehen andere Werbeformen viel Aufmerksamkeit auf sich.
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Protestplakat gegen Wolfgang Schäuble in Berlin: In einem Wettbewerb wurden CDU-Slogans verfremdet, auf Ebay Kanzlerin und Außenminister zum Kauf angeboten. Ärger ist programmiert. (© Foto: dpa)
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Die haben mit den Wahlprogrammen der Parteien nicht viel zu tun - sie sind nämlich kreativ. Und greifen den Geist des Webs besser auf, als das eine offizielle Kampagne bisher geschafft hat. Die User werden kurzerhand selbst aktiv, verbreiten ihre Inhalte und stecken damit womöglich andere an, sich mit Politik zu beschäftigen - oder zumindest damit, was die Web-Gemeinde für Politik hält.
Der Vorwurf, die Parteien hätten das Netz nicht verstanden, klingt bei allen Aktionen an. "Die Bemühungen der Parteien, die Wähler im Internet wirklich einzubinden, tendieren gegen Null", sagt Markus Beckedahl, Gründer des 2008 für der Grimme-Preis nominierten Weblogs netzpolitik.org: "Sie sehen die Internetnutzer nur als virtuelle Plakatkleber."
"Gebraucht, visionslos, antriebslos und uninspirierend"
Beckedahl startete eine Protestaktion und bot seinen Nutzern ein digitales CDU-Plakat zur Verfremdung an. Binnen 24 Stunden hatten ihn 170 E-Mails mit Beiträgen erreicht. "Das zeigt, welches Potential im Internet steckt, wenn es um Politik geht", sagt Beckedahl.
Nicht weniger Zulauf hatten zwei Ebay-Auktionen, bei denen deutsche Politiker zum Kauf angeboten wurden: Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und ihr Herausforderer, Außenminister Steinmeier von der SPD.
Das Duo sei nicht neu, mahnten die Verkäufer in der Produktbeschreibung: Unter "Zustand" gaben sie "gebraucht, visionslos, antriebslos und uninspirierend" an. Der Startpreis der Auktionen lag bei einem Euro oder 68 Philippinischen Pesos - die Verkäufer hatten die Auktionen auf der philippinischen Ebay-Plattform eingestellt.
"Möglichst rasch los werden"
Hinter der Auktion steht das "Zentrum für Politische Schönheit", ein Zusammenschluss von Künstlern aus Berlin. "Mit der Aktion wollen wir ein Zeichen gegen den inspirationslosen Wahlkampf und die Politikverdrossenheit in Deutschland setzen", sagt Mitinitator Philipp Ruch, der den offiziellen Titel "Chefunterhändler der Schönheit" trägt.
"Wenn ich Erstwähler wäre, würde ich nicht zur Wahl gehen", sagt Ruch und spricht den Politikern jeden Sinn für "Größe, Kraft und Schönheit" ab. Deshalb müsste man sie "möglichst rasch los werden", sagt er gegenüber sueddeutsche.de.
Aber ob man sie deshalb gleich verhökern muss? Markus Beckedahl von netzpolitik.org ging einen anderen Weg - er ließ seine Leser Wahlkampf-Aussagen der CDU "verbessern". Als Vorlage wählte er ein Plakat, auf dem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Denkerpose zu sehen ist. Daneben steht der Slogan: "Wir haben die Kraft für Sicherheit und Freiheit."
"Ich weiß, was du letzten Monat getan hast"
Die User machten daraus unter anderem: "Ich weiß, was du letzten Monat getan hast", "Wir haben Angst" oder auch "Wir haben genug Platz für Ihre Informationen" - allesamt Anspielungen auf den Law-and-Order-Ruf, den Schäuble und die CDU in Teilen der Web-Gemeinde genießen.
"Die Freiheitsrechte wurden in den letzten Jahren zugunsten der Sicherheit massiv eingeschränkt", sagt Beckedahl: "Im Internet stärker als in der analogen Welt." Mitarbeiter und Politiker von FDP, der Linken und der Grünen hätten ihm zu der Aktion gratuliert.
Andere waren weniger erfreut: Laurence Chaperon, die Fotografin des Schäuble-Porträts, sah ihre Rechte verletzt und forderte Beckedahl auf, die Bilder zu entfernen. Der Netzpolitik-Gründer sieht die Aktion jedoch durch die Presse- und Satirefreiheit gedeckt. Er verweist darauf, dass die CDU eine Nutzung der Bilder für eine "redaktionelle Berichterstattung" ausdrücklich erlaubt: "Nichts anderes habe ich mit der Aktion gemacht."
Merkel darf sich freikaufen
Auch die Ebay-Auktionen des Zentrums für Politische Schönheit riefen eine juristische Reaktion hervor: Wie Pressesprecher Philipp Ruch gegenüber sueddeutsche.de bestätigte, erreichte die Künstlergruppe ein Anruf aus dem Büro von Beate Baumann, der Büroleiterin der Bundeskanzlerin. "Die Reaktion war sehr wütend", erzählt Ruch. Die Partei erwäge rechtliche Schritte gegen die Künstler.
Die Pressestelle der CDU war nicht für einen Kommentar zu erreichen. Ein Regierungssprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass es ein solches Telefonat nicht gegeben habe: "Das Kanzleramt war nicht mit der Aktion befasst und wird gegen die Auktionen auch nichts unternehmen."
Die Künstler sehen sich im Recht: Weil die Auktionen auf der philippinischen Ebay-Plattform veröffentlicht wurden, gelte dafür die philippinische Verfassung. Sie stützt die Rechte von Künstlern, wenn diese für einen guten Zweck arbeiten - und das glauben Ruch und seine Mitstreiter zu tun: Sie wollen im Mittelmeer Plattformen errichten, auf denen sich ertrinkende Flüchtlinge retten können.
Diese "Seerosen" kosten laut Ruch 5,6 Millionen Euro. Einen Teil davon wollten die Künstler mit Hilfe der Ebay-Auktionen zusammenbringen - doch das Auktionshaus hat die Seiten inzwischen gelöscht. Nun bietet Ruch der Bundeskanzlerin einen Handel an: "Für 5,6 Millionen Euro kann sich Frau Merkel freikaufen und würde damit noch etwas Gutes tun."
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(sueddeutsche.de/gba)
FKK-Slackliner Alexander Schulz
Jeder von den /%&/%&/)=)0 (eigene Nettiquette) ist geschenkt noch zu teuer.
Heute in Berlin Kreuzberg, Kottbusser Tor gesehen: der ca. 60 Jahre alte FDP Kandidat singt "Kreuzberger Nächte sind lang"; das ist so peinlich wie der politische Aschermittwoch.
Hinze fordert für Deutschland einen unbemannten Trip auf dem Mond. Was will er denn ausgerechnet jetzt dort? Wahlplakate aufstellen und den Aliens das Gruseln beibringen?Aber lustig zu lesen ist es doch das mit Peterchens Mondfahrt.
mfg Ariane
Sexwork Aktivistin & Politikwissenschaftlerin
kann einfach bei anderen nicht geduldet werden.
Wobei es den Poltikern doch egal sein kann, wie kreativ die anderen sind, sie selbst kaufen doch auch nur anderen die Ideen ab, um damit zu glänzen. Ihre Aktionen gegen diese Art von Kreativität resultieren doch nur aus der Enttäuschung, ganz offensichtlich Unfähigen das Wahlkampfgeld in den Rachen gestopft zu haben.
"[ .. ] allesamt Anspielungen auf den Law-and-Order-Ruf, den Schäuble und die CDU in Teilen der Web-Gemeinde genießen."
Der Vollständigkeit halber sollte ergänzt werden, dass sowohl die CDU, wie auch Schäuble und v.d. Leyen nicht nur einen Law-and-Order-Ruf besitzen, sondern dass es auch stets um die Verlogeneit der beteiligten Personen geht, die hinter derm "Law-and-Order-Ruf" stehen. Das Netz hat bessere Erinnerungsmöglichkeiten als jeder Einzelne - und das reale Verhalten von C*U-Mitgliedern wie Kanther, Barschel oder Strauß (, ebenfalls von dieser "Law-and-Order"-Sorte) sind hier dokumentiert, überprüfbar und abrufbar.
Für das Netz sind daher die Lügengebäude der Zensur-Befürworter durchschaubarer und Netz-affine Menschen können das zwangsläufige Auffliegen der Lügen schon antizipieren, während das normale Volk tatsächlich einmal mehr glaubt, hinter Law-an-Order stünden tatsächlich Überzeugungen und nicht nur politische und wirtschaftliche Opportunitäten.
Das Netz hat dann auch die Möglichkeit, die Erinnerung wach zu halten und während die Politiker weiter eilen (das Zensurgesetz schon im sicheren Hafen wähnend) um die Zensur vom dokumentierten Kindesmissbrauch schnell auf alle mögliche und den C-Parteien und ihrer Sponsoren unliebsamen Inhalte auszudehnen, wird man den Politikern nun ein ums andere mal ihre schmutzigen Lügen um die Ohren schlagen.
Kanther und die restliche braunschwarze Hessen-CDU, inkl. Koch, konnten damals noch auf die Amnesie des Volkes setzen: "Nach zwei Monaten kräht kein Hahn mehr danach". Aber Menschen, die im Netz unterwegs sind, die können Mechanismen schaffen, diese Lügen jeden Tag wach zu halten. Unverzeihlich wird es werden, wenn das Netz der Bevölkerung aus mittlere Sicht dokumentieren wird, wo Frau v.d. Leyen und Herr Schäuble überall gelgen haben ..
Der "Schwarze Scheriff" ist nämlich absehbar derjenige, der Lobbyismus und dem Unrecht den Weg bahnt, das hinterher auf alle nieder geht.
F. Mayer
"das Auktionshaus hat die Seiten inzwischen gelöscht", dazu noch das Dementi hinsichtlich eines Anrufes von Beate Baumann, all dies beweist doch wohl hoffentlich, dass sich die Union hinter einer Mauer des Schweigens einzurichten gedenkt, um nach den Wahlen erbarmungslos Fakten zu schaffen, die uns an DDR-Zeiten erinnern werden.
Nur wird es ab November heissen, "Wir haben die Kraft, alle fertig zu machen, die noch an Gerechtigkeit glauben!"
Denk ich an den 27.9. in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.
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