Internet-Überwachung NSA späht Datenkabel von Europa nach Asien aus

Das Hauptquartier der NSA in Fort Meade, Maryland

Cyber-Krieg im Namen der Terror-Bekämpfung: Der US-Geheimdienst NSA spioniert offenbar eine wichtige Kabelverbindung zwischen Europa, den Golfstaaten und Fernost aus. Wie der "Spiegel" berichtet, hackten die US-Agenten außerdem mexikanische Behörden, die Opec - und verschlüsselte Blackberry-Server.

Der US-Geheimdienst NSA forscht laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel eine der wichtigsten Telekommunikationsverbindungen zwischen Europa, Nordafrika und Asien aus. Der Abteilung für maßgeschneiderte Operationen ("Tailored Access Operations", TAO) des Dienstes sei es gelungen, "Informationen über das Netzwerkmanagement des Sea-Me-We-4-Unterwasserkabelsystems zu erlangen", heißt es in einem als "streng geheim" eingestuften Dokument vom 13. Februar 2013, das der Spiegel einsehen konnte. Die Aufgabe der Hacker-Spezialeinheit beschreibt das Magazin als das "Einbrechen, Manipulieren und Ausbeuten von Computernetzwerken".

Das Kabelsystem Sea-Me-We-4 verläuft dem Bericht zufolge vom französischen Marseille aus über Nordafrika und die Golfstaaten nach Pakistan und Indien und dann weiter bis nach Singapur, Malaysia und Thailand. Zu den Anteilseignern gehören demnach der halbstaatliche französische Konzern Orange (früher France Télécom) und Telecom Italia.

Allerdings ist Sea-Me-We-4 nur eines von mehreren Unterseekabeln, das der britische Geheimdienst GCHQ anzapfen kann, wie die Süddeutsche Zeitung und der NDR bereits Ende August berichtet hatten - ebenfalls unter Berufung auf das Snowden-Material. GCHQ und die NSA kooperieren seit Jahren sehr eng miteinander.

Den internen Dokumenten zufolge hackten NSA-Spezialisten eine Website des Betreiberkonsortiums und griffen dort Unterlagen über die technische Infrastruktur des Kabelsystems ab. Die US-Spione besäßen nun nach eigenen Angaben Informationen über "bedeutsame Teile" des Netzwerks, schreibt der Spiegel. Der Angriff sei - so die Unterlagen - nur ein erster Schritt: "Weitere Operationen sind für die Zukunft geplant, um zusätzliche Informationen über dieses und andere Kabelsysteme zu erlangen."

Spuren führen nach Deutschland

Der Angriff auf die Datenleitung ist nur eine von Hunderten Operationen der Hacker mit Staatsauftrag, berichtet das Magazin weiter. Die NSA selbst spricht mit markigen Worten davon, dass die Abteilung "Das Unerreichbare erreiche". So habe die TAO "einige der wichtigsten Erkenntnisse beigesteuert, die unser Land je gesehen hat".

Hacker der Einheit infiltrierten demnach Netzwerke etwa der mexikanischen Sicherheitsbehörden, der Erdölorganisation Opec in Wien oder die eigentlich für unknackbar gehaltenen, verschlüsselten Blackberry-Server. Hunderte Mitarbeiter arbeiten dem Bericht zufolge in Texas, doch die Spur führt demnach auch in die US-Militäranlage "Dagger Complex" bei Darmstadt, wo es eine Verbindungsstelle gegeben haben soll.

Um ihre Ziele zu erreichen, soll die NSA-Spezialeinheit über eine stattliche elektronische Waffenkammer verfügen. Griffen sie früher noch wie gewöhnliche Kriminelle mittels Spam-E-Mails an, schalten sich die Angreifer heute mit Hilfe von "schwarzen Servern" gerne auch mal zwischen ihr Opfer und Internetseiten wie etwa LinkedIn. Ruft die Zielperson die Seite auf, wird sie blitzschnell auf eine von der NSA vorbereitete, perfekte Kopie umgeleitet.

Doch nicht immer ist eine rein elektronische Attacke möglich. Dann, so berichtet der Spiegel, stellt das FBI schon mal ein Flugzeug zur Verfügung, in dem die NSA-Agenten zum Ziel gelangten, dort Server und elektronische Anlagen manipulierten und zügig wieder verschwänden.