Interne Dokumente Gefährliche Bundeswehr-Mission in Mali

Eine Transall-Transportmaschine der Bundeswehr steht am 23.03.2013 in Mali auf dem Flughafen von Mopti.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Der Bundeswehr steht womöglich der nächste robuste EInsatz bevor: Das Verteidigungsministerium erwägt eine Ausweitung des Engagements in Mali.
  • Ziel des Einsatzes wäre die Unterstützung der Niederländer im instabilen Norden Malis. Ein interner Bericht deutet auf infanteristische Kräfte hin.
  • Die Soldaten würden "überwiegend in Gebieten mit erheblicher oder hoher Bedrohungslage" eingesetzt, heißt es in Militärkreisen
Von Christoph Hickmann, Berlin

Im Verteidigungsministerium überlegt man, das Bundeswehr-Engagement in Mali deutlich auszuweiten. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung könnten sich deutsche Soldaten von Anfang 2016 an stärker in die Minusma-Mission der Vereinten Nationen einbringen und die niederländischen Streitkräfte im gefährlichen Norden des Landes unterstützen - unter anderem mit Objektschützern. In der ersten Jahreshälfte 2016 könnte den Überlegungen zufolge eine Aufklärungskompanie hinzukommen, wohl mit Aufklärungsdrohnen. Der Bundeswehr stünde damit der nächste robuste Einsatz bevor.

Beim bisherigen Engagement der Bundeswehr in Mali gilt es, zwischen zwei Missionen zu unterscheiden: der EU-Ausbildungsmission EUTM Mali und dem Minusma-Einsatz zur Stabilisierung des Krisenstaates. An der EU-Ausbildungsmission im weniger gefährlichen Süden ist Deutschland mit knapp 200 Soldaten beteiligt, an der wesentlich größeren UN-Mission Minusma derzeit nur mit sieben Offizieren und zwei Unteroffizieren. Die Niederlande stellen etwa 600 Soldaten. Der Einsatz gilt als eine der gefährlichsten UN-Missionen. Die Lage in Mali ist seit 2012 fragil.

Ziel des Einsatzes wäre die Unterstützung der Niederländer

Bereits vor zwei Monaten hatte die Bundesregierung den Bundestag informiert, dass sie ein stärkeres militärisches Engagement im Norden Malis erwäge. Seit der vergangenen Woche liegt nun im Ministerium der erste Bericht eines kürzlich aus Mali zurückgekehrten Erkundungsteams vor. In einer internen Stellungnahme zu diesem Bericht durch die Abteilung Strategie und Einsatz heißt es, das deutsche Kontingent müsse "zu einer weitgehend eigenständigen und robusten Operationsführung" in der Lage sein.

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Das deutet auf infanteristische Kräfte hin, häufig als Kampftruppen bezeichnet. Die Soldaten würden "überwiegend in Gebieten mit erheblicher oder hoher Bedrohungslage" eingesetzt, hieß es in Militärkreisen, die mit den Überlegungen befasst sind. Stationiert würden sie im nördlich gelegenen Gao und, wie bereits bisher, in der Hauptstadt Bamako.

Dem internen Dokument zufolge wäre noch in diesem Jahr "das Ausbringen eines Vorkommandos / Verbindungselements" notwendig und mit dem derzeit laufenden Mandat auch möglich. Das Mandat sieht eine Obergrenze von 150 Soldaten vor. Bis Anfang 2016 müsste es allerdings angepasst werden, da weder der mögliche künftige Umfang noch die geforderten Fähigkeiten vom aktuellen Mandat gedeckt wären.

Ziel des Einsatzes wäre die Unterstützung der Niederländer, die bereits vor einiger Zeit bei ihren Partnern angefragt hatten. Hauptauftrag der Bundeswehr wäre laut Militärkreisen "die Gewinnung und Verdichtung des Lagebildes". Nach Angaben aus diesen Kreisen kommen dafür auch Aufklärungsdrohnen vom Typ Luna infrage. Sie könnten zwischen April und Juni dazukommen.

Das Ministerium bestätigte, dass man derzeit mit dem Auswärtigen Amt eine "mögliche weitergehende Unterstützung" der UN-Mission Minusma prüfe. Auf Details wollte ein Sprecher jedoch nicht eingehen. Entscheidungen, "ob, und falls ja, in welcher Form ein weitergehendes Engagement erfolgen" könnte, seien noch nicht gefallen.

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