Haben die G 8 überhaupt noch eine Zukunft - oder sind ihre Treffen inzwischen weltferne Veranstaltungen ohne messbare Erfolge? Ob in Rom, Paris oder London - am Ende des Gipfels von Japan fallen die Kommentare der großen Zeitungen äußerst kritisch aus.

Die in Rom erscheinende liberale Zeitung La Repubblica wirft den G-8-Staaten Realitätsverlust vor: "Das G8-Gipfeltreffen auf der japanischen Insel Hokkaido leitet das Ende einer Epoche ein: Der von George W. Bush junior. Aber man hat fast den Eindruck, dass die Teilnehmer des Gipfels dies nicht bemerkt haben. Sie ziehen es vor, es zu ignorieren. (...) Sie diskutieren, sie streiten, sie versuchen, dem jährlichen Treffen einen Sinn zu geben, fast so, als würden die Ankündigungen im Fernsehen der Wahrheit entsprechen."

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Gute Miene zum bösen Spiel? Während Bush, Medwedjew und Merkel beim G-8-Gipfel für die Fotografen lächelten, waren Kommentatoren in aller Welt weniger begeistert (© Foto: dpa)

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Offenbar glauben die Teilnehmer tatsächlich, noch immer die "Mächtigen der Erde" zu sein, heißt es in der Repubblica. Doch die Versammlung in Hokkaido gleiche "einem Fest der Illusionen. (...) Ein Club wie die G8, der vorgibt, die Mächtigen der Erde zu vereinen, ohne China und Indien sowie Brasilien, Südafrika und Nigeria in ihren Reihen zu haben, lebt fernab der Realität."

Auch die konservative Pariser Zeitung Le Figaro glaubt nicht mehr daran, dass das G-8-Konzept geeignet ist, Weltprobleme zu lösen: "Die Mächtigen dieser Welt haben keine schlüssige Antwort auf die Ölpreisexplosion, die steigenden Nahrungsmittelpreise, die Finanzkrise und letztendlich auch die Klimaerwärmung. Zu all diesen Themen, auch zur atomaren Bedrohung des Irans, hat das Gipfeltreffen der G8-Länder die Machtlosigkeit der wichtigsten Industrieländer gezeigt, die bis vor nicht allzu langer Zeit noch in der Lage waren, der Welt ihre Sichtweise aufzuzwingen."

"Der zweite Blick ist ernüchternd"

Der Figaro-Kommentar fordert entsprechende Konsequenzen: "Das Konzept der G8 ist nicht mehr der angemessene Rahmen, um diese Probleme zu lösen. Das Forum erscheint wie ein Club der Reichen, dem in einer Welt mit aufstrebenden Ländern die Luft ausgeht. Bevor seine Legitimität einbricht, sollten die G8-Länder Zukunftsstaaten wie China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika aufnehmen."

Der Züricher Tages-Anzeiger will sich nicht von den Versprechungen der G-8-Politiker zur Klimapolitik beeindrucken lassen: "Politiker sind inzwischen darin geübt, selbst kleinste Fortschritte in der weltweiten Klimapolitik als Erfolg zu verkaufen. So beeindruckt die 'gemeinsame Vision' der Staats- und Regierungschefs der acht führenden Industriestaaten auf den ersten Blick: Sie sind gewillt, den weltweiten Treibhausgas-Ausstoß bis 2050 zu halbieren, und verstehen das als Verpflichtung."

"Der zweite Blick jedoch ist ernüchternd", so der Tages-Anzeiger weiter. "Das vermeintlich ehrgeizige Klimaziel ist nicht mehr als eine eindrückliche Zahl, welche die künftigen Verhandlungen kaum weiterbringen wird. Denn die G8-Staaten haben es tunlichst vermieden, ein Bezugsjahr für ihren Reduktionsplan zu bestimmen. So lassen sie offen, um wie viel jeder Industriestaat seine Treibhausgase senken soll."

"Niederschmetternder Mangel an Führungskraft"

Die linksliberale britische Zeitung Independent beklagt angesichts der Abschlusserklärungen eine erschreckende Kraftlosigkeit einer einst machtvollen Institution: "Es gibt keine mittelfristigen Ziele und keine verbindliche Einigung über den Klimaschutz. Die Führer der G8-Versammlung können so viele langfristige Ziele setzen wie sie wollen, doch gibt es keine realistischen Mittel, diese auch zu erreichen. Jedes Dokument des Gipfeltreffens ist nichts weiter als warme Luft."

Die Folgen könnten verheerend sein, warnt der Independent: "Gewiss sollten alle Staaten dieser Welt an einer neuen Vereinbarung über die Verringerung der C02-Emissionen beteiligt werden, schließlich sind die Folgen des Klimawandels überall zu spüren. Doch wenn die reichen Nationen nicht die Führung übernehmen und diese schwierige Aufgabe anpacken, wird ein katastrophaler Klimawandel unvermeidlich sein. Die G8 haben in Japan eine niederschmetternden Mangel an Führungskraft demonstriert."

Aus Sicht der österreichischen Salzburger Nachrichten verschwindet die konkrete Zukunft der Klimapolitik im "Nebel der japanischen Berge": "Im Vergleich zum ähnlich nach außen hin pompösen G8-Gipfel vor einem Jahr im deutschen Heiligendamm seien die Formulierungen 'stabiler' geworden, sagte Kanzlerin Angela Merkel tapfer. Das heißt: Hatte US-Präsident George W. Bush 2007 noch zugestimmt, dass eine Zielvorgabe zur Reduktion des globalen CO2-Ausstoßes 'ernsthaft erwogen' wird, so bequemte er sich 2008, eine 'Vision zu teilen', wonach der Ausstoß bis 2050 um die Hälfte verringert werden soll. Von welcher Basis und wie und von wem und wodurch, blieb im Nebel der japanischen Berge verborgen. Klimaschutz im Kriechgang, präsentiert als Laientheater. 'Bei diesem Tempo', so kommentierte die britische NGO Oxfam bissig, 'ist die Welt bis 2050 weich gekocht.' So ist es."

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(sueddeutsche.de/dpa/ihe/bosw)