Die Teilnehmer des Integrationsgipfels haben viel Gutes angeregt. Doch das Knäuel aus Sozial- und Identitätsdebatte haben sie nicht entwirren können. Schlimmer noch: Am Ende steht sogar mehr Verwirrung.
Die Nacht war lau, als die Staatsgewalt an ihre Grenzen kam. Junge Männer pöbelten und provozierten Schlägereien. Die Polizei fuhr vor, die Gewalttäter lachten die Beamten aus. In dieser Nacht waren sie, sonst arm und arbeitslos, die Herren.
Bild vergrößern
Die Teilnehmer des Integrationsgipfels haben zwar viel Gutes angeregt - doch auch Verwirrung gestiftet. (© dapd)
Anzeige
Gegen Morgen stellten zwei Hundertschaften Polizei und ein Wasserwerfer den Frieden wieder her, in Hannover, im Mai 1953. Nicht auszudenken, wenn das im September 2010 passiert wäre, in Berlin-Neukölln; und wenn die jungen Männer keine "Halbstarken" wären, wie man damals sagte, sondern Muslime aus dem Libanon. Der Integrationsgipfel im Kanzleramt wäre zum Krisengipfel geworden.
Das Gedankenspiel zeigt, warum das Knäuel so schwer entwirrbar ist, mit dem sich die Integrationspolitik herumschlägt. Da sind zunächst jene Fragen, die seit hundert Jahren jeder Staat beantworten muss, der soziale Unterschiede durch sozialstaatliches Handeln begrenzen will.
Wie viel Eigenverantwortung kann der Staat von denen verlangen, die er unterstützt? Wie weit kann er Bildungsdefizite verringern, wie soll er auf Gewalt reagieren: mit mehr Sozialarbeit oder mehr Polizei? Zum guten Teil ist die Integrationsdebatte eine Sozialdebatte: Deutschland warb einst um ungelernte Arbeiter, dies ist eine der Folgen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Integrationsgipfel RSS
- Integrationsgipfel Der Sarrazin-Schock wirkt noch nach 03.11.2010
- Integration: Mina aus Kreuzberg Prinzessin aus dem Weltdorf 04.11.2010
- Studie zu Rechtsextremismus "Westerwelle hat Sarrazin den Weg bereitet" 14.10.2010
- Leutheusser-Schnarrenberger "Gut integrierte Jugendliche nicht abschieben" 03.11.2010
- Junge Migranten erzählen Meine Integration 02.11.2010
Nach Massaker in Haula
Aus der Teilnehmerliste kann man ganz schön herauslesen, wer(!) hier Probleme mit der Integration hat.
Man könnte ja vermuten, der Integrationsgipfel ist neutral und bezieht Migranten aus allen Himmelsrichtungen mit ein.
Tja, leider nicht ganz. Neben einem russischen Geistlichen und den deutschen Politikern und Gästen kommen so gut wie alle Teilnehmer aus der Türkei oder anderen mehrheitlich muslimischen Ländern.
Auch ein Polizist, der einen - vermutlich politisch inkorrekten - Vortrag über Probleme mit türkischstämmigen oder arabischen Jugendlichen und Familien hielt war leider kein Migrant.
Tja, wer hätte das gedacht....
"In Sachen fragwürdiger Person steht er [Özdemir] FDP Politikern in nichts nach."
Da haben Sie zwar recht, aber so schicke Koteletten hat kein FDP-Politiker. In einer Welt in der sich die Parteien nur noch durch Nuancen unterscheiden durchaus ein Kriterium.
es geht nicht um die butter sondern , ob hier latent die Menschenrechte in Frage gestellt werden.
Wenn sie eine Frau sind , dann haben Sie in der kommenden Theokratie eh nichts mehr zu melden.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
"Verkannt wird dabei, dass die Hetze vor allem dazu dient, von den wirklichen Schädlingen am Bürger abzulenken: von denen, die Milliarden den Zockern an den Banken in den Rachen schmeissen ..."
Richtig. Westerwelle hat rechtzeitig erkannt, dass das Volk sofort anspringt, wenn man seinen Zorn von den Zockern auf die "dekadenten" Schmarotzer umleitet. (Gibt anscheinend ein Gefühl von Größe, wenn man nach unten tritt) Diese Taktik ist voll aufgegangen, flankiert von Heinsohn, Sarrazin und jüngst von Herrn Habermann mit seinem unsäglichen Machwerk in der WELT.
Gabs da nicht mal Transparente mit der Aufschrift "Wir zahlen nicht für eure Krise"? Alles vergessen. Die Neoliberalen haben es geschafft, das Scheitern des Kapitalismus zu kaschieren, in dem sie ein Scheitern des Sozialstaats behaupten. Und das Volk fällt drauf rein.
Paging