Interview: Christoph Schäfer

Angela Merkel will den "nationalen Integrationsplan" morgen im Kanzleramt als historischen Erfolg verkaufen. Geht es nach Memet Kilic, wird ihre Rechnung nicht aufgehen: Der Vorsitzende des Bundesausländerbeirats ruft zum Boykott des Treffens auf.

sueddeutsche.de: Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Donnerstag im Kanzleramt den nationalen Integrationsplan verabschieden, der die Integration der Einwanderer verbessern soll. Warum wollen Sie dieses Treffen blockieren?

Memet Kilic

Zürnt mit der Integrationspolitik der Bundesregierung: Memet Kilic. (© Foto: dpa)

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Memet Kilic: An Plänen für eine bessere Integration fehlt es in Deutschland nicht, davon gab es schon jede Menge. Es hakt vielmehr bei der Umsetzung. Das jüngste Beispiel lieferte der Bundesrat am Freitag, als er das verschärfte Zuwanderungsgesetz verabschiedete. Dieses vernichtet elementare Rechte von Migranten. Und jetzt sollen die Migrantenverbände ein paar Tage später als Dekoration für einen sogenannten Integrationsgipfel dienen - da sollten sie nicht mitmachen.

sueddeutsche.de: Das Zuwanderungsgesetz sieht unter anderem vor, dass die Sozialhilfe von denjenigen gekürzt wird, die nicht an den Integrationskursen teilnehmen. Was ist daran auszusetzen?

Kilic: Das Problem der Integrationskurse ist, dass sie nicht vernünftig gestaltet sind. In vielen Kursen sitzen heute Akademiker und Analphabeten nebeneinander ...

sueddeutsche.de: Deshalb sollen die Kurse laut Integrationsplan ja auch verbessert werden ...

Kilic: Das wollen wir erst mal sehen. Fest steht bislang nur, dass die Bundesregierung mit Bußgeldern operiert, obwohl die Kurse alles andere als attraktiv gestaltet sind. Außerdem sollte die Regierung sich zunächst einmal dazu äußern, was sie mit den Migranten macht, die bereits Deutsch können. Warum, bitteschön, ist denn der Migrantenanteil in den Stadtverwaltungen so niedrig? Warum werden da auch jetzt noch so wenige Auszubildende mit Migrationshintergrund aufgenommen?

sueddeutsche.de: Genau das will die Bundesregierung laut Integrationsplan ändern. Auch die Medien und die ausländischen Wirtschaftsverbände stellen mehr Ausbildungsplätze für Migrantenkinder in Aussicht. Genügt Ihnen das nicht?

Kilic: Nein. Wenn all diese Punkte tatsächlich umgesetzt würden, könnte man auch an dem Gipfel teilnehmen. Aber wenn Sie den Integrationsplan nach seiner Veröffentlichung detailliert lesen, werden Sie merken: Alle Maßnahmen des Staates stehen unter Finanzierungsvorbehalt - und die öffentlichen Kassen sind leer. Mit diesem Finanzierungsvorbehalt kann ich alles kaputt machen. Sie werden es sehen, in ein paar Jahren heißt es garantiert: Hierfür haben wir kein Geld, dafür haben wir auch kein Geld.

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