Von Christoph Schäfer

Seit Tagen machen deutsche Politiker klar, was sie von Ausländern erwarten: Sie sollen Deutsch sprechen und sich integrieren. Sinnvolle Ziele, doch ein Besuch in einem Integrationskurs zeigt: Das ist harte Arbeit.

Die Kursteilnehmer in Raum 205 kämpfen. Sie kämpfen um die deutsche Sprache und um eine Perspektive in ihrer neuen Heimat. Von den 18 eingeschriebenen Teilnehmern des Integrationskurses der Münchner Volkshochschule müssen acht Deutsch lernen, weil die Behörden sie dazu verdonnert haben. Die meisten aber kommen freiwillig, jede Woche montags bis donnerstags, immer von 18 Uhr bis 20.30 Uhr. Viele von ihnen haben heute schon gearbeitet, sie kämpfen daher auch mit ihrer Müdigkeit.

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Seit 2005 nahmen mehr als 350.000 Ausländer an einem Integrationskurs in Deutschland teil (© Foto: AP (Archiv))

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Kursleiterin Elena Wiedmann kennt das Problem und hält mit einer Riesen-Portion guter Laune dagegen. Mit deutscher Pünktlichkeit und einem schwungvollen "Dann wollen wir mal!" startet sie in den Abend. Zunächst - wie könnte es in Deutschland anders sein - wird die Anwesenheit kontrolliert. Diesmal allerdings mit enttäuschendem Ergebnis: Nur die Hälfte der Teilnehmer ist gekommen. "Das ist heute die vorletzte Stunde des Kurses, sonst sind wir immer fast vollzählig", verteidigt Kursleiterin Wiedmann ihre Schützlinge.

Obwohl die 29-Jährige in ihre Liste heute viele Fehlzeiten eintragen muss, lässt sie sich die Stimmung nicht verderben. Mit einem strahlenden Lächeln gibt Wiedmann den Teilnehmern zunächst ihre Klausuren vom Vortag zurück und lobt sie nach Kräften. Bei der einen hebt sie das tolle Gesamtergebnis hervor, bei dem anderen die verbesserte Grammatik. Und wo es nichts zu loben gibt, sagt sie: "Ich weiß ja, dass Sie es besser können."

Im Test mussten die Teilnehmer Fragen beantworten wie "Was passt nicht in die Reihe: blau - schwarz - hoch - grün - lila". Oder sie sollten ein paar Sätze zu folgendem Szenario schreiben: "Sie sind im Kaufhaus. Sie haben einen Mantel anprobiert. Er ist braun. Sie mögen blau lieber. Was sagen Sie?"

Für die Teilnehmer war der Test eine Herausforderung, eine Zwischenbilanz nach 300 Stunden Unterricht. Die meisten von ihnen werden insgesamt 600 Stunden absolvieren. Diese teilen sich auf in 300 Stunden Basissprachkurs, ebenso viele Stunden Aufbausprachkurs und einen 30-stündigen Orientierungskurs.

Der Zweck des Ganzen ergibt sich aus Paragraph 43 Aufenthaltsgesetz: "Ziel des Integrationskurses ist, den Ausländern die Sprache, die Rechtsordnung, die Kultur und die Geschichte in Deutschland erfolgreich zu vermitteln. Ausländer sollen dadurch mit den Lebensverhältnissen im Bundesgebiet so weit vertraut werden, dass sie ohne die Hilfe oder Vermittlung Dritter in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens selbständig handeln können."

Was zunächst nach grauer Theorie klingt, ist seit Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes im Jahr 2005 für Hunderttausende Ausländer Realität geworden. Dem Bundesinnenministerium zufolge belegten von Januar 2005 bis September 2007 etwa 350.000 Menschen einen Integrationskurs. Etwas mehr als hunderttausend von ihnen machten auch die Abschlussprüfung, 70 Prozent davon bestanden sie.

"Wir leisten hier einiges, wir machen die Integration vor Ort", erklärt Kursleiterin Wiedmann. "Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe", sagt sie, aber sie liebe ihren Job, "weil man so viele unterschiedliche Menschen kennenlernt".

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