Insolventer Energie-Billiganbieter Teldafax Ohne Vorwarnung in die Stromfalle

Brisantes Versäumnis: Die Finanzbehörden wussten offenbar schon früh, dass Teldafax die Insolvenz droht. Gewarnt haben sie die Kunden nicht. Dabei hätten sie viele Verbraucher davor bewahren können, auf den Stromanbieter hereinzufallen.

Von Christoph Giesen und Klaus Ott

Diesen Gewinn hätte jeder Zuschauer von Wetten, dass..? gerne eingeheimst. Drei Jahre lang kostenlos Strom, Gas und Telefon, und obendrein VIP-Tickets für ein Spiel der Fußball-Bundesliga. Wer im Herbst 2009 die Show von Thomas Gottschalk anschaute und per Anruf den Wettkönig mitwählte, der durfte auf das große Los hoffen. Liefern sollte anschließend der in Troisdorf bei Bonn ansässige Stromanbieter Teldafax, der die ZDF-Show sponserte und so auf Kundenfang ging. Inzwischen ist Teldafax pleite. Und 750.000 Kunden, die im voraus für Energie oder Telefon zahlten, haben wohl viel Geld verloren.

Was Gottschalk und das ZDF nicht ahnen konnten: Teldafax war damals schon so gut wie pleite. Aber der Fiskus wusste Bescheid, wie der Entwurf eines internen Prüfberichts im Hauptzollamt Düsseldorf vom 25. September 2009 belegt. Der Stromanbieter, der die Verbraucher mit günstigen Tarifen lockte und vorab zur Kasse bat, schuldete den Finanzbehörden seinerzeit 28,3 Millionen Euro. Der Fiskus nahm das zum Anlass, Teldafax zu durchleuchten. Das dem Bundesfinanzministerium unterstellte Hauptzollamt Düsseldorf kümmerte sich darum und kam zu alarmierenden Ergebnissen.

Die Firma hatte so gut wie kein Vermögen und keine Perspektive, und sie war bereits "bilanziell überschuldet". Teldafax finanzierte die laufenden Kosten mit den Vorauszahlungen der Kunden, was wie ein Schnellballsystem wirkte, das auf Dauer nicht funktionieren konnte. Den Kunden schuldete der Stromanbieter bereits 44 Millionen Euro.

Mehrere Maßnahmen, mit denen Teldafax die Notlage beseitigen wollte, seien "nicht realisiert", notierte das Hauptzollamt. Doch der Staat behielt sein brisantes Wissen für sich und ließ Hunderttausende Verbraucher, die bis zur Insolvenz von Teldafax im Juni 2011 dort einen Vertrag unterschrieben, in die Falle laufen.

Eine halbe Milliarde Euro sind weg

Ist es dem Fiskus bei solchen Firmen wichtiger, seine Außenstände einzutreiben, als die Bürger aufzuklären? Trotz des Steuergeheimnisses haben die Finanzbehörden schließlich Möglichkeiten genug, Verbraucher vor unseriösen Anbietern zu schützen. So kann bei Hinweisen auf Insolvenzverschleppung, Betrug und andere Vergehen die Justiz eingeschaltet werden.

In der Causa Teldafax ist das offenbar nicht geschehen. Erst nach der Insolvenz des Stromanbieters filzte die Bonner Staatsanwaltschaft dessen Büros. Ermittelt wird nunmehr wegen des Verdachts, Teldafax habe seit Jahren trotz drohender Pleite immer neue Kunden akquiriert, um an deren Geld zu kommen. Hätte die Staatsanwaltschaft früher zugreifen können, wären viele Verbraucher nicht auf Teldafax hereingefallen. Nun aber sind, wie die Gläubigerschutzvereinigung Deutschland schätzt, eine halbe Milliarde Euro weg.

Finanzministerium und Hauptzollamt äußern sich wegen des Steuergeheimnisses nur spärlich. Sie sagen, mit den Staatsanwaltschaften arbeite man eng zusammen. Der Teldafax-Vorstand hatte im Herbst 2009 übrigens versucht, über den rheinländischen Bundestagsabgeordneten Leo Dautzenberg Einfluss auf den Fiskus zu nehmen. Der inzwischen aus dem Parlament ausgeschiedene Dautzenberg war damals finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er sagt, er habe sich von Teldafax "nicht vereinnahmen lassen".

Am besten kommen nun noch die Gewinner von Wetten, dass..? weg. Sie erhalten laut ZDF für die ausstehenden Stromlieferungen zumindest eine Entschädigung.