Die weltgrößte Demokratie wählt ein neues Parlament. 714 Millionen Wahlberechtigte sind in Indien zur Stimmabgabe aufgerufen. Der Auftakt wurde von Anschlägen überschattet.
In Indien, der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt, hat am frühen Donnerstagmorgen die Parlamentswahl begonnen. In den kommenden Wochen sind mehr als 700 Millionen der rund 1,1 Milliarden Inder aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.
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In Indien, der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt, hat am frühen Donnerstagmorgen die Parlamentswahl begonnen. In Varanasi bildeten sich bereits Schlangen vor den Wahllokalen. (© Foto: AP)
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Aus organisatorischen und aus Sicherheitsgründen findet die Abstimmung an fünf Wahltagen statt, die sich bis zum 13. Mai erstrecken. Am 16. Mai soll das Ergebnis verkündet werden.
Die von Sonia Gandhis Kongresspartei geführte Regierungskoalition (Vereinte Fortschrittsallianz/UPA) wird von der National-Demokratischen Allianz (NDA) herausgefordert, an deren Spitze die hindu-nationalistischen BJP steht. Umfragen zufolge ist der Wahlausgang völlig offen.
Die Wahllokale öffneten am Donnerstag um 7.00 Uhr (Ortszeit/3.30 MESZ). Am ersten Wahltag sind 143 Millionen Bürger in 17 der insgesamt 35 indischen Bundesstaaten und Unionsterritorien zur Stimmabgabe aufgerufen.
Dort gelten 23.000 Dörfer vor allem im indischen Teil Kaschmirs - wo muslimische Extremisten zum Wahlboykott aufgerufen haben - sowie in Bundesstaaten mit starker Präsenz maoistischer Rebellen als "sensibel".
Rebellenangriff
Wie indische Medien am Donnerstag berichteten, kamen bei Zwischenfällen in vier Bundesstaaten im Osten des Landes mindestens 17 Menschen ums Leben.
Im Bundesstaat Jharkhand starben nach Berichten der Nachrichtenagentur PTI sieben Sicherheitskräfte und zwei Zivilisten bei einem Bombenanschlag auf einen Bus der paramilitärischen Grenztruppen.
Im benachbarten Bundesstaat Chhattisgarh kamen den Angaben zufolge fünf Mitarbeiter der Wahlkommission bei der Explosion einer Landmine ums Leben. Zudem sei ein Polizist bei einem Maoistenangriff auf ein Wahllokal getötet worden. Auch im Bundesstaat Bihar seien zwei Polizisten erschossen worden, hieß es. In Orissa wurden mindestens drei Wahllokale in Brand gesteckt.
Die Maoisten haben ebenso wie muslimische Extremisten im indischen Teil Kaschmirs zum Boykott der Wahl aufgerufen. Maoistische Rebellen sind vor allem in Ost- und Zentralindien aktiv, wobei die vier von der jüngsten Gewalt betroffenen Bundesstaaten als Hochburgen der Aufständischen gelten.
Sie lehnen die parlamentarische Demokratie ab. Indiens Premierminister Manmohan Singh hatte die Maoisten als "größte Herausforderung für die innere Sicherheit" Indiens bezeichnet. Allein im vergangenen Jahr fielen der Gewalt landesweit mehr als 600 Menschen zum Opfer.
Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission waren landesweit Hunderttausende Sicherheitskräfte im Einsatz, um die Wahl abzusichern. Ein Sprecher hatte zunächst erklärt, die Behörden befürchteten zwar "hier und da ein paar Probleme", seien aber vorbereitet. Wahlen in Indien werden immer wieder von Gewalt überschattet.
Nächster Wahltag ist Donnerstag kommender Woche. Bei der Wahl 2004 hatte überraschend die Kongresspartei als stärkste Kraft abgeschnitten. Sie geht nun mit dem amtierenden Premierminister Manmohan Singh, 76, als ihren Spitzenkandidaten ins Rennen.
Sein BJP-Herausforderer ist der 81-jährige frühere Innenminister und Vize-Premierminister L. K. Advani. Eine von linken und Regionalparteien gegründete dritte Front will die Dominanz der Kongresspartei und der BJP brechen.
"Größte demokratische Übung"
Die indische Parlamentswahl wird von der Regierung als "größte demokratische Übung weltweit" bezeichnet und stellt die Behörden vor eine gigantische logistische Herausforderung. Insgesamt sind rund 714 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, die 543 Abgeordneten des Unterhauses zu bestimmen. Fast 830.000 Wahllokale verteilen sich über das Land mit seinen 1,17 Milliarden Einwohnern.
Der Ausgang der Wahl gilt als völlig offen. Umfrageergebnissen zufolge wird weder die Kongresspartei noch die oppositionelle BJP genügend Sitze erringen, um allein regieren zu können. Die Rolle der Königsmacherin könnte der Hindu-Politikerin Mayawati Kumari zufallen, einer Regionalpolitikerin aus der Kaste der "Unberührbaren". Kumari regiert im bevölkerungsreichen Bundesstaat Uttar Pradesh, der allein 80 Abgeordnete ins Unterhaus in Neu Delhi entsendet.
Kumari regiert im bevölkerungsreichen Bundesstaat Uttar Pradesh, der allein 80 Abgeordnete ins Unterhaus in Neu Delhi entsendet. Das Ergebnis der Wahl soll am 16. Mai bekanntgegeben werden, anschließend dürften mühselige Verhandlungen zur Bildung einer stabilen Regierung folgen.
Zu den drängendsten Themen im Wahlkampf zählten Entwicklung, das abnehmende Wirtschaftswachstum und die innere Sicherheit neben zahlreichen lokalen Themen. Das Unterhaus des Parlaments in Neu-Delhi - Lok Sabha - hat insgesamt 545 Sitze, die alle fünf Jahre neu vergeben werden.
Nach der Parlamentswahl 2004 kommen in diesem Jahr zum zweiten Mal landesweit einheitliche elektronischen Wahlmaschinen zum Einsatz. Seit den ersten Wahlen im unabhängigen Indien 1951/52 lag die Wahlbeteiligung im Schnitt jeweils bei 60 Prozent.
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(dpa/Reuters/AFP/segi/bosw)
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