Indien: Terror-Prozess Mumbai-Attentäter droht die Todesstrafe

Urteil gegen den einzigen überlebenden Attentäter der Anschläge von Mumbai: Ein Sondergericht verurteilte den Angeklagten - unter anderem wegen Mordes.

Knapp eineinhalb Jahre nach der Terrorserie von Mumbai hat ein Sondergericht in der westindischen Finanzmetropole den einzigen überlebenden Angreifer unter anderem wegen Mordes verurteilt.

Kasab; AP

Ihm droht die Todesstrafe: Ajmal Amir Kasab.

(Foto: Foto: AP)

Wörtlich sagte Richter M.L. Tahaliyani nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, Kasab habe "Krieg gegen Indien geführt, Menschen am Bahnhof CST und Regierungsvertreter getötet und den anderen neun Terroristen Beihilfe geleistet".

Dies waren die schwerwiegendsten Vorwürfe. Er wurde in fast allen der insgesamt 86 Anklagepunkte schuldig gesprochen. Kasab saß bei der Verkündung des Schuldspruchs mit gesenktem Kopf da und zeigte keinerlei Regung.

Ob gegen ihn wie erwartet die Todesstrafe verhängt wird, soll aller Voraussicht nach am Dienstag bekanntgegeben werden.

Kasab wurde vorgeworfen, am 26. November 2008 zusammen mit neun weiteren Kämpfern der radikal-islamischen Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba ("Armee der Reinen") in der Finanzmetropole Mumbai (früher Bombay) 166 Menschen getötet zu haben.

Unter den 26 ausländischen Opfern waren drei Deutsche. Außerdem starben neun der zehn Terroristen. Nur der heute 22-jährige Kasab wurde lebend gefasst.

Kasab kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Zwei indische Mitangeklagte, denen Unterstützung der Angreifer vorgeworfen worden war, wurden freigesprochen.

Bei der beispiellosen Terrorserie hatten die Extremisten über drei Tage Geiseln genommen und Luxushotels sowie andere Gebäude in Mumbai angegriffen und besetzt gehalten.

Nach Überzeugung indischer Ermittler wurde die Terrorserie in Pakistan geplant. Die Anschläge belasten die Beziehungen zwischen den südasiatischen Atommächten Indien und Pakistan bis heute. Indien setzte die Friedensgespräche mit dem Nachbarland nach dem Blutbad aus.

Wie es hieß, zeigte sich auch das Gericht in der Urteilsverkündung überzeugt, dass die Angriffe in Pakistan geplant wurden. Das Verfahren gegen Kasab war einer der schnellsten Terrorprozesse in Indien. Es war im April 2009 unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in Mumbai eröffnet worden.

Insgesamt wurden mehr als 650 Zeugen vernommen. Für den Prozess war in einem Hochsicherheitsgefängnis eigens ein bombensicherer Gerichtssaal eingerichtet worden. Kasab hatte im vergangenen Juli zunächst seine Tatbeteiligung eingeräumt. Später widerrief er das Geständnis und erklärte, es sei durch Folter erzwungen worden.