Bei der Explosion in einem bei Touristen beliebten Café im westindischen Pune sind mindestens neun Menschen getötet worden. Unter den Verletzten ist auch eine Deutsche.

Mindestens neun Menschen sind bei einer Explosion im Szene-Café "German Bakery" (Deutsche Bäckerei) in der südindischen Aussteiger-Hochburg Pune getötet worden. Unter den etwa 60 Verletzten sei auch eine 50 Jahre alte Deutsche, sagte ein Polizeisprecher. Innenstaatssekretär Gopal K. Pillai sagte, auch mehrere andere Ausländer seien am Vortag verletzt worden, darunter vier Iraner, zwei Nepalesen und ein Taiwanese.

Bild vergrößern

Mindestens neun Menschen starben bei einer Explosion in der "German Bakery". (© Foto: dpa)

Anzeige

Der Sprengsatz war nach ersten Erkenntnissen gezündet worden, als ein Bediensteter des Lokals eine herrenlose Tasche öffnen wollte. Augenzeugen zufolge riss der Sprengsatz ein riesiges Loch in die Außenwand des Gebäudes.

"Dies ist der erste bedeutende Anschlag seit 14 Monaten", sagte der indische Innenminister Palaniappan Chidambaram. "Alle uns vorliegenden Informationen deuten auf einen Plan, einen Sprengsatz an einem Ort zu zünden, der sowohl von Ausländern als auch von Indern besucht wird."

Eine Polizeisprecherin sagte, sechs der Toten des Anschlags seien identifiziert worden, es seien Inder gewesen. Bei einer getöteten Frau, deren Identität noch nicht feststehe, könnte es sich um eine Ausländerin handeln. Die meisten Opfer seien junge Menschen gewesen, die in Pune arbeiteten oder studierten. Einer der Toten sei ein Kellner in dem 22 Jahre alten Lokal gewesen, das bei Touristen und Einheimischen beliebt war.

Die "German Bakery" gibt es seit 22 Jahren in der Millionenstadt, 135 Kilometer südöstlich der Finanzmetropole Mumbai gelegen. Sie befindet sich unmittelbar neben dem Ashram Osho, früher Hauptquartier des Sektenführers Bhagwan Shree Rajneesh. Die Bevölkerung von Pune wurde davor gewarnt, sich herrenlosen Gepäckstücken oder anderen verdächtigen Gegenständen zu nähern.

Hochburg für Aussteiger

Im Ashram Osho hatte sich in den vergangenen Jahren nach Angaben Pillais mehrfach auch der US-Amerikaner David Headley, ein mutmaßliches Mitglied der islamistischen Terrorgruppe LET aufgehalten. Die in Pakistan verwurzelte LET (Lashkar-e-Taiba) wird von Indien für die Anschläge vom November 2008 in Mumbai (Bombay) verantwortlich gemacht, bei denen 160 Menschen starben.

Seit den siebziger Jahren war die Bhagwan-Sekte in Pune Anlaufpunkt für viele Aussteiger aus dem Westen, speziell aus der deutschen Hippie-Szene. Die Bäckerei war ein beliebter Anlaufpunkt für Menschen mit westlichen Wurzeln. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch ein jüdisches Gebetshaus.

Die Polizei hat das Areal um die Bäckerei großräumig abgesperrt, hieß es im TV-Sender NDTV. Die Örtlichkeiten wurden von einer Anti- Terror-Einheit der Polizei und von Gerichtsmedizinern untersucht.

Leser empfehlen 

(dpa/AFP/vw/hai)