Im Profil: Hildegard Müller Vertraute der Kanzlerin auf dem Absprung

Hildegard Müller, Staatsministerin im Kanzleramt, hat ein neues Job-Angebot erhalten. Sie könnte an die Spitze des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft wechseln. Merkel kämpft aber um Müller.

Von Stefan Braun

Sollte Hildegard Müller nochmal testen wollen, was ihr derzeitiger Job so beinhaltet und abverlangt, dann hat sie derzeit alle Möglichkeiten. Die CDU-Politikerin ist seit zweieinhalb Jahren Staatsministerin im Kanzleramt von Angela Merkel. In ihre Zuständigkeit fallen die Bund-Länder-Koordination und der Bürokratieabbau. Weil Kanzleramtsminister Thomas de Maizière aber im Urlaub ist, obliegt ihr für ein paar Tage die Amtsleitung.

Hildegard Müller, ddp

Umworbene Politikerin: Hildegard Müller

(Foto: Foto: ddp)

Diese Situation ist aus Müllers Sicht gut und schlecht zugleich. Einerseits hat sie für einige Zeit höchste Verantwortung und kann sehr gut prüfen, wie viel Spaß es macht, im Zentrum der Macht zu sitzen. Andererseits nimmt ihr der Job die Zeit, über das Leben und die Zukunft richtig nachzudenken.

Das aber muss sie eigentlich tun. Denn Müller hat ein neues Job-Angebot erhalten. So sie will, könnte sie im Oktober an die Spitze des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft wechseln. Die Aufgabe reizt sie. Aber sie hat sich noch nicht entschieden. "Zwei Herzen" seien da im Spiel, sagt sie. Und das ist nicht übertrieben.

Hildegard Müller, 41, gehört zu Angela Merkels engsten Vertrauten. Sie ist nicht immer mit großen Initiativen in Erscheinung getreten. Aber sie ist an Merkels Seite, seitdem die heutige Kanzlerin vor bald zehn Jahren Generalsekretärin der CDU wurde.

Damals war Müller Vorsitzende der Jungen Union und setzte sich auch während der Parteispendenaffäre in die Talkshows, als das für Christdemokraten nicht gerade ein Spaß war. Allerdings verteidigte sie das Vorgehen des Altkanzlers Helmut Kohl nicht, sondern forderte wie Merkel eine umfassende Aufklärung - was damals auch hieß, alte Loyalitäten zu beenden.

Als Merkel im April 2000 Parteivorsitzende wurde, kam Müller ins CDU-Präsidium. Ihr Aufstieg verlief stets parallel, wenn auch ein paar Leitersprossen tiefer. Müller, die dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und dem Bundesvorstand der CDU-Mittelstandsvereinigung angehört, begleitete Merkel auch in schwersten Zeiten: Den Wochen des Duells um die Kanzlerkandidatur 2002 und den Tagen nach dem Fast-Debakel bei der Bundestagswahl 2005. Beide Male stand Merkels politische Zukunft, das sagen engste Vertraute, auf "des Messers Schneide".

Merkel kämpft um Müller

Derzeit gilt das auch für Müllers politische Karriere. Die Aufgabe an der Spitze des Energieverbandes wäre für sie ungemein spannend, weil das Thema Energie täglich an Bedeutung gewinnt. Aber sie weiß, dass dies eine Aufgabe ihrer politischen Ämter erfordern würde. Ihr Bundestagsmandat und ihren Platz im Parteipräsidium müsste sie dann abgeben.

Hinzu kommt, und das ist nicht hoch genug einzuschätzen, ihre zweijährige Tochter. Derzeit hat Müller eine Dreifachaufgabe. Ihr Mann lebt mit Kindern aus erster Ehe in Heidelberg, ihr Wahlkreis liegt in Düsseldorf, ihr Job und ihre Tochter warten in Berlin.

Drei Lebensmittelpunkte - das könnte auf Dauer einer zu viel sein. Die Kanzlerin unternimmt derzeit viel, um Müller zu halten. Ob Merkel gewinnt, liegt aber nicht mehr so sehr in ihren Händen. Müller ist es, die sich jetzt entscheiden muss, und zwar bis zum 25. Juli. Dann will der Verband einen Beschluss verkünden.