Der ideologische Kopf hinter Osama bin Laden.
(SZ vom 1.10.2001) - Irgendwo in Afghanistan: Eine Gruppe bewaffneter Männer zieht von Versteck zu Versteck, auf der Flucht vor den Amerikanern, doch stets gewiss, auf dem rechten Weg zu sein.
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Osama bin Laden gilt als Anführer der Gejagten, und im Tross seiner Begleiter wird wohl auch der Mann nicht fehlen, der dem saudischen Gotteskrieger nach Ansicht der Fahnder am nächsten war in den letzten Jahren: Ayman al-Zawahiri. Der 50-jährige Ägypter ist seit mehr als 20 Jahren im Terror-Geschäft, doch erst die Fusion mit bin Laden und seiner islamistischen Internationalen hat ihn auf die Liste der weltweit meistgesuchten Männer gebracht.
Viele sehen in ihm den Vize-Chef der al-Qaida-Gruppe, auch den potenziellen Nachfolger bin Ladens, falls dieser ausgeliefert, gefasst oder getötet würde - und Zawahiri durch glückliche Fügung davonkäme.
Wenn er für seinen Posten Referenzen bräuchte, könnten die von Interpol, dem FBI und der ägyptischen Justiz geliefert werden. In Ägypten wurde Zawahiri 1999 in Abwesenheit zum Tode verurteilt - als Drahtzieher verschiedener Morde und Anschläge des von ihm geführten radikalen Zweiges des Islamischen Dschihad.
In den USA ist er wegen Beteiligung an den Bombenanschlägen auf die Botschaften in Kenia und Tansania angeklagt, und nach dem Terror-Angriff auf New York und Washington setzte ihn Präsident George W. Bush die Liste der 27 Personen und Organisationen, deren Konten eingefroren wurden.
Innerhalb des al-Qaida-Netzwerkes gilt Zawahiri als ideologischer Kopf, während bin Laden die Rolle des charismatischen Terror-Gurus einnimmt. Was die beiden verbindet, ist der fanatische Hass auf Amerika, Israel und die Herrschaftsstrukturen in ihrer jeweiligen Heimat.
Dabei entspricht Zawahiri genauso wenig wie der saudische Milliardärssohn bin Laden dem gängigen Klischee vom frustrierten Jung-Muslimen, der ohne Chancen im Leben den Weg des Terrors wählt. Im Gegenteil: Als Spross einer angesehenen Arzt-Familie und Enkel eines einstigen Imams der Kairoer Al-Azhar-Moschee schien sein Weg im ägyptischen Establishment vorgezeichnet.
Doch schon während seiner Ausbildung zum Chirurgen knüpfte Zawahiri Kontakte zu radikalen Muslimgruppen. Ende der 70er Jahre gehörte er zu den Gründern des Islamischen Dschihad, der 1981 für das Attentat auf Präsident Anwar el-Sadat verantwortlich zeichnete. Der Tatbeteiligung verdächtigt, saß Zawahiri mehrere Jahre im Gefängnis. Nach der Entlassung verließ er Ägypten - und verschrieb sich dem internationalen Terror.
In den 90er Jahren soll er in Europa untergetaucht sein. Über Saudi- Arabien und den Sudan führt seine Spur schließlich nach Afghanistan. Spätestens dort kreuzte sich sein Fluchtweg mit dem bin Ladens. Auf der Gründungsurkunde der 1998 am Hindukusch gebildeten "Islamischen Weltfront für den Dschihad gegen Juden und Kreuzfahrer" steht Zawahiris Unterschrift an zweiter Stelle direkt unter der bin Ladens. Gemeinsam haben sie damals den Heiligen Krieg gegen die USA proklamiert, und nun sind sie wohl gemeinsam auf der Flucht vor den Amerikanern.
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