Von Birgit Taffertshofer

Im Knast bekommen junge Straftäter eine neue Chance - aber viele können sie nicht nutzen, weil therapeutische Betreuung und Nachsorge fehlen.

Meist ist die Jugend für immer verloren, wenn sich dieses Tor hinter ihnen schließt. An diesem Morgen bringt der Bus zehn Neuzugänge nach Ebrach. Schweigend steigen sie aus dem gepanzerten Fahrzeug und tasten mit ihren Blicken den Innenhof ab: Mauern, vergitterte Fenster, Eisentüren. "Der erste Tag ist der schlimmste", sagt der 20-jährige Benno (Namen der Gefangenen geändert). Er muss es wissen. Benno sitzt hier nicht zum ersten Mal ein - wie viele, die im größten Jugendknast Bayerns ihre Strafe verbüßen.

Anzeige

Jugendstrafanstalt Ebrach, das ist eine Festung im Dorf. Hinter den ehrwürdigen Fassaden des fränkischen Klosters befindet sich seit gut 150 Jahren ein Gefängnis, seit 1958 ein Knast für Jugendliche. Hier landen die ganz brutalen Gesellen, die Mörder, Schläger, Vergewaltiger. Und jene, bei denen die bekannten Rezepte des deutschen Strafvollzugs wenig Erfolg zeigen: Mehr als drei Viertel der Jugendlichen werden nach der Haft wieder straffällig.

Wettsparen hinter Gittern

Wenn der Strafvollzug im Rahmen der Föderalismusreform bald in die Zuständigkeit der klammen Länder fällt, werden Therapie und Erziehung hinter Gittern noch schwieriger werden. Gespart wird schon jetzt: In Bayern wurden die Kosten pro Tag und Häftling inzwischen auf 67 Euro gedrückt - Tendenz sinkend. Im Strafvollzug sollen 131 Stellen abgebaut werden. Dabei mangelt es längst an Betreuung der jungen Straftäter während und nach der Haft.

In Ebrach macht man sich deshalb keine Illusion mehr. "Jeder Jugendliche ist erziehbar, aber das kostet nun mal viel Arbeit - und Geld", sagt Gefängnispsychologe Johann Endres.

321 Jugendliche zwischen 17 und 24 Jahren sind hier zusammengesperrt. Immerhin gibt es für 70 Prozent der Insassen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, aber die Betreuung kommt zu kurz, sagt Endres. Drei Psychologen kümmern sich jeweils um 100 Häftlinge, unterstützt von acht Sozialarbeitern.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Gute Vorsätze, die im Chaos enden
  2. Seite 2
  3. Seite 3
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Richter gegen Richter

Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...