SZ: Müssen Sie bei dem Zuschnitt Ihres Ministeriums nicht ständig gegenläufige Interessen vertreten?

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Mit einer schwarz-rot-goldene Kuh vor dem Reichstag in Berlin und einem bundesweiten Lieferstreik hatten Bauern im Juni für faire Milchpreise demonstriert. (© Foto: ddp)

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Aigner: Damit habe ich kein Problem. Ich finde es gut, dass ich für die ganze Palette zuständig bin. "Vom Stall bis an den Tisch" ist eine nahtlose Kette. Die Qualität eines Lebensmittel entscheidet sich häufig schon auf dem Acker des Bauern.

SZ: Ihrem Vorgänger hat man oft vorgeworfen, er sei populistisch. Werden Sie einen klareren Kurs fahren? Beispielsweise bei der Gentechnik?

Aigner: Ich bin genau wie er dafür, dass die EU nur noch darüber entscheiden soll, ob eine Pflanze gefahrlos ist und grundsätzlich zugelassen werden kann. Ob sie dann tatsächlich angebaut wird, sollten die Regionen entscheiden.

SZ: Werden Sie überhaupt etwas anders machen als Horst Seehofer?

Aigner: Ich wäre verrückt, wenn ich nach gerade mal sieben Tagen im Amt sagen würde, dass ich einen ganz anderen Kurs einschlagen werde. Aber je tiefer ich mich eingearbeitet habe, umso häufiger werde ich eigene Akzente setzen.

SZ: Der Verbraucherschutz stand bei Herrn Seehofer an letzter Stelle - im Namen des Ministeriums und, wie Verbraucherschützer meinen, auch inhaltlich. Wird sich das ändern?

Aigner: Das ist nun wirklich eine völlig verzerrte Wahrnehmung. Horst Seehofer hat viel erreicht. Ich nenne nur mal das Verbraucherinformationsgesetz oder die "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung.

SZ: Verbraucherschützer sagen trotzdem, seine Amtszeit werde nicht in Erinnerung bleiben.

Aigner: Das ist mir unverständlich. Aber ich werde das Thema Verbraucherschutz für die Union noch stärker platzieren.

SZ: Wie wollen Sie das machen?

Aigner: Da hab ich einige Ideen. Die Finanzmarktkrise zeigt, dass wir mehr Transparenz brauchen. Wer zocken will, soll auch weiter zocken dürfen, aber er soll zumindest wissen, dass er eine spekulative und damit riskante Anlage kauft. Zuletzt haben viele Anleger ja gar nicht gewusst, was sie da gekauft haben. Daher halte ich es für nötig, die Beweislast in solchen Fällen umzukehren. Dann müsste nicht mehr der Anleger beweisen, dass er falsch beraten wurde, sondern die Berater, dass sie korrekt beraten haben. Das gilt unter anderem für Wertpapiere und Lebensversicherungen.

SZ: Schwebt Ihnen noch was vor?

Aigner: Ich möchte Verbraucher im Internet besser schützen, indem sie Bestellungen ausdrücklich in einem eigenen Fenster bestätigen müssen, mit einem sogenannten Button. Außerdem lasse ich gerade prüfen, wie aussagekräftig die Werbung von Nahrungsergänzungsmitteln ist und ob wir bei der Frage nach allergieauslösenden Stoffen in Kleidung aktiv werden müssen.

SZ: Was war eigentlich Ihr erster Gedanke, als Sie erfuhren, dass Sie Ministerin werden?

Aigner: Ich hab mich riesig gefreut über das Vertrauen, das mir entgegen gebracht wird. Dieses Ministerium ist schließlich ein ganz besonders wichtiges Haus. Natürlich kamen mir auch Fragen wie: Kannst du das, schaffst du das? Das ist vermutlich eine weibliche Eigenschaft. Ich hab selten Männer erlebt, die sich das fragen. Aber eigentlich ist es gar nicht schlecht.

SZ: Was ist nicht schlecht?

Aigner: Wenn man in so ein Amt mit Respekt und Vorsicht geht. Dann wird man wenigstens nicht übermütig. Dennoch: Ich freue mich auf dieses Amt!

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