In Island schiebt man die Schuld am Icesave-Debakel auf die EU. Doch deren Spielregeln akzeptierten die Politiker der Insel vor dem Crash nur zu gerne.
Am Ende wird Island die Icesave-Schulden bezahlen, egal wie das Referendum nun ausgegangen ist. Dafür gibt es einen guten Grund: Das Geld von Hunderttausenden Bankkonten darf nicht einfach verschwinden. Würde man das zulassen und Island die knapp vier Milliarden Euro schenken - das Vertrauen in das europäischen Finanzsystem und den freien Kapitalverkehr wäre erschüttert. Das ist nicht im Interesse Europas, und es ist auch nicht im Interesse Islands.
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Das Geld von Hunderttausenden Bankkonten darf nicht einfach verschwinden: Icesave-Website am 7. Oktober 2008. (© Archivfoto: Getty)
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Aber ist das auch gerecht? Die Isländer machen Mängel im europäischen Finanzsystem für den Bankencrash mitverantwortlich. Dieses System, so argumentieren viele, habe die EU geschaffen. Nun hat sich Island aber freiwillig daran beteiligt.
Die Politiker der Insel akzeptierten die Spielregeln der europäischen Geldmärkte vor dem Crash nur zu gerne, sie halfen den Banken und waren bestenfalls blauäugig. Möglicherweise waren einige auch korrupt. Das untersucht derzeit eine Parlamentskommission. Aber bei diesen Leuten handelte es sich jedenfalls um die gewählten Vertreter des Volkes. Darum trifft die Isländer eine Mitschuld an der Misere.
Teilschuld der EU-Länder
In einem Punkt haben die isländischen Kritiker trotzdem Recht: Das internationale Regelwerk ist lückenhaft. Sonst wäre es den Banken in Reykjavik kaum gelungen, nahezu unkontrolliert Kleinsparer im Ausland zu plündern und ihre Heimat an den Rand des Staatsbankrotts zu treiben.
Die europäischen Finanzmarktregeln haben dieses Treiben nicht verursacht, aber sie haben es auch nicht verhindert. Deshalb tragen die EU-Länder eine Teilschuld. Ein neues Icesave-Abkommen sollte diesen Sachverhalt widerspiegeln und die Belastungen zwischen den betroffenen Staaten verteilen.
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(SZ vom 08.03.2010/jab)
Russland unter Putin
Wenn die Isländer nicht so dämlich gewesen wären,über die Einlagensicherung nur die eigenen Leute zu entschädigen, könnte man noch ein gewisses Verständnis haben. Aber die ausländischen Anleger erst zu rasieren und dann auch noch auszulachen ist nicht die feine isländische Art. Noch dämlicher ist nur, von den Regierungen der betreffenden Länder und der EU zukünftig Kredite zu erwarten. Fazit: Fisch essen macht blöd.
Und wg. "Das Geld von Hunderttausenden Bankkonten darf nicht einfach verschwinden."
Ich dachte bisher immer, das Geld sein einfach woanders.
die diese faulen USA-Schrottpapiere gekauft haben. Es gab Warnungen en masse.
Die USA haben ihre Defizite, die durch die bekannten Maßnahmen von Clinton entstanden, in die Welt verlagert, insbesondere nach Europa. Das war viele Jahre bekannt. Warner gab es genügend, jedoch kamen diese aus dem konservativen Lager und fanden deshalb kein Gehör.
Danach müssten ja die Bayern für Verluste von Anlegern aus dem Ausland bei der BayernLB haften? Habe von einem ähnlichen Verpflichtung noch nichts gehört...
Die alte Story, ähnlich wie bei uns...Gewinne werden privatisiert, plus Millionen-Boni, Verluste und Pleiten sozialisiert...Haftende Unternehmer müssten/würden anders agieren...Das Geld andere Leute lässt sich immer leicht ausgeben!
Eigentlich ist es traurig, daß keine Moral, Ethik und Gemeinsinn mehr vorhanden sind..wo sind die Ideale geblieben?
Ich lade Menschen ab 65 Jahren ein, bei unserem gemeinnützigen Projekt www.memoro.org/de-de ein bißchen aus dem persönlichen Nähkästchen zu plaudern, über den Wandel im Laufe der Zeit.
Unternehmer und Bankangestellte, wäre sicher ein spannende Gegenüberstellung. Danke.
Paging