Hunderte Tote in Nigeria Amnesty wirft Boko Haram schwere Verbrechen vor

Was bleibt, sind Tod und Zerstörung: Eine Frau steht nach dem tödlichen Angriff auf den Ort Baga zwischen den ausgebrannten Häusern.

(Foto: AFP)
  • Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der Terrorgruppe Boko Haram Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.
  • Bei einem verheerenden Angriff auf die Stadt Baga im Nordosten Nigerias hat Boko Haram Anfang Januar Hunderte Zivilisten ermordet.

Hunderte Menschen getötet, Tausende auf der Flucht

Amnesty International hat der Islamistengruppe Boko Haram schwere Verbrechen während eines blutigen Angriffs auf die Stadt Baga im Nordosten von Nigeria vorgeworfen. Nach dem Großangriff habe man dort ein "katastrophales Ausmaß der Verwüstung" festgestellt, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

Boko Haram hatte am 3. Januar Baga und umliegende Ortschaften angegriffen und nach Einschätzung von Amnesty mehrere Hundert Menschen ermordet. Örtliche Vertreter hatten bereits erklärt, dass Baga sowie mindestens 16 umliegende Siedlungen zerstört und 20 000 Menschen zur Flucht gezwungen worden seien.

Machtlos und planlos

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Zeugenaussagen und Satellitenbilder belegen den Terror

Amnesty International veröffentlichte mehrere Zeugenaussagen, die das brutale Vorgehen der Kämpfer dokumentieren. Ein Bewohner berichtete, dass eine Schwangere erschossen wurde, als sie gerade ihr Kind zur Welt brachte. "Das Baby, ein Junge, war schon halb geboren", sagte er, "in dieser Position ist sie gestorben." Auch seien viele Kinder von den Kämpfern getötet worden.

Ein etwa 50-jähriger Zeuge erzählte, er habe allein in Baga hundert Tote gesehen. "Ich bin in den Busch gerannt", erzählte er Amnesty. "Und während wir rannten, haben sie weiter geschossen und gemordet." Ein anderer Bewohner versteckte sich erst drei Tage lang, dann floh er fünf Kilometer durch den Busch. Überall hätten Leichen gelegen, sagte er.

Die Organisation veröffentlichte auch mehrere Satellitenbilder, bei denen es sich um Aufnahmen von Baga und Umgebung handeln soll. Amnesty schätzt, dass im Zuge der Angriffe mehr als 3700 Gebäude beschädigt oder komplett zerstört wurden. "Einer der Orte wurde in vier Tagen fast komplett von der Landkarte gelöscht", sagte Amnestys Nigeria-Mitarbeiter Daniel Eyre dem Bericht zufolge.

Satellitenaufnahmen von Doro Baga am 2. Januar und 7. Januar (links)

Die obigen Satellitenaufnahmen wurden Amnesty International zufolge von dem Ort Doro Baga am 2. und am 7. Januar 2015 gemacht. Rot hervorgehoben ist die intakte Vegetation.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Amnesty sprach von der "größten und zerstörerischsten Attacke", die Boko Haram je ausgeführt habe. Die vorsätzlichen Tötungen von Zivilisten und die Zerstörung ihres Eigentums seien "Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und verlangen eine Untersuchung".

Zu den Toten gibt es bislang keine bestätigten Angaben, Beobachter gehen davon aus, dass die wahre Opferzahl wohl nie ermittelt wird, da Baga abgeschottet ist und unter der Kontrolle der Extremisten steht. Die nigerianische Armee sprach in dieser Woche von 150 Toten bei den Angriffen und bezeichnete kursierende Schätzungen von bis zu 2000 Opfern als "sensationsgetrieben". Die gegen Boko Haram kämpfende Armee neigt indes dazu, die Opferzahl als zu niedrig anzugeben.

Boko Haram will Kalifat errichten

Boko Haram will in Teilen des Landes ein Kalifat errichten. Der Angriff vom Januar galt offenbar zivilen Selbstverteidigungsmilizen, die das Militär im Kampf gegen die Gruppe unterstützen.

In Nigeria finden Mitte Februar Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Die Welle der Gewalt durch Boko Haram wird auch als Versuch gewertet, diese Wahlen zu gefährden.