Ein Kommentar von Heribert Prantl

Die Kanzlerin ist stärker als Helmut Kohl in seinen guten Zeiten: Warum Angela Merkel die Gewinnerin der ersten hundert Tage der schwarz-gelben Regierung ist.

Die Erkenntnisse über den Zustand der schwarz-gelben Koalition sind nach den ersten hundert Tagen sehr viel klarer als deren Politik. Es gibt in dieser Koalition zwei Verlierer und einen Gewinner. Die große Verliererin ist die FDP, die kleinere Verliererin die CSU; Gewinnerin der ersten hundert Tage ist Angela Merkel.

Seehofer, Westerwelle, Merkel, AP

Guido Westerwelle agiert mimosenhaft, genau wie Horst Seehofer: Gewinnerin von hundert Tagen Schwarz-Gelb: Angela Merkel. (© Foto: AP)

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Die Kanzlerin steht trotz ständiger Koalitions-Querelen, trotz fortwährender Stolpereien, trotz der Gefall- und der Fallsucht, die in ihrer Ministerriege herrscht, und trotz des immerwährenden innerparteilichen Gemäkels an ihrem Regierungsstil stark da - nicht nur in den Umfragen: Weil man sich ansonsten in der Politik und in der Union kaum an jemand halten kann, hält man sich an die Kanzlerin.

Es hat ihr auch nicht geschadet, dass sie das Familienministerium mit Kristina Köhler zwar jung, aber doch verächtlich schwach besetzt hat.

Angela Merkel ist mächtiger als Helmut Kohl in seinen guten Zeiten. Ihr Biograph Gerd Langguth sieht das so, und er hat recht. Mächtig ist sie nicht, weil sie in der Partei so irrsinnig beliebt wäre.

Das ist sie nicht. Sie hat auch in den vergangen hundert Tagen keine neuen Qualitäten gezeigt, nicht ihren präsidialen Regierungsstil geändert. Aber sie hat bei der Diskussion um die Steuerhinterzieher-CD gezeigt, dass sie ihr Führungsrepertoire erweitern kann; sie fand schnell das Machtwort.

Das war in diesem Fall nicht mutig, weil sie nur auf die Woge der öffentlichen Meinung sprang, aber es war instinktsicher. Das ist ihre Stärke.

Im Übrigen besteht ihre Stärke vor allem in der Schwäche der anderen: Alle Machtfaktoren in Merkels Regierungskonfiguration sind schwächer als zu Zeiten von Helmut Kohl - die FDP, die CSU und die Ministerpräsidenten der Union.

Merkel muss keinen einzigen dieser Ministerpräsidenten fürchten. Alle haben zu Hause ihre eigenen Schwierigkeiten. Von der einstigen Herrlichkeit der Regenten in Stuttgart und München ist wenig übriggeblieben.

Roland Kochs Wahlergebnisse in Hessen waren zuletzt bei besten Ausgangsbedingungen so schwach, dass er eine Zukunft darauf nicht bauen kann. Und Jürgen Rüttgers in Nordrhein-Westfalen bläst der eiskalte Wind der Umfragen ins Gesicht. Der Landtagswahltag am 9. Mai ist kein Schicksalstag für die Kanzlerin, sondern für ihn.

Einen Putsch wird es nicht geben

Wird die CDU-Koalition mit der FDP abgewählt und kommt es in Düsseldorf dann zu einer schwarz-grünen Koalition (wie bisher nur in Hamburg), erweitert das nur die Machtperspektiven der Merkel-CDU. Der Verlust der schwarz-gelben Mehrheit im Bundesrat würde Merkel nicht besonders belasten.

Kommt es zu einem echten Machtwechsel an Rhein und Ruhr, also zur rot-rot-grünen Koalition, hat das für Rüttgers böse Folgen, nicht für Merkel: Einen Putsch wird es nicht geben, weil es keine Putschisten gibt. Die CDU wird sich um die Vorsitzende scharen und für die nächsten Landtagswahlen den Lagerwahlkampf ausrufen.

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