Der Nahost-Konflikt sei Europa so nahe wie kein anderer Krisenherd, trotzdem löse das Leid keine große Hilfswelle aus, klagen Caritas, Rotes Kreuz, Diakonie und UNICEF. Schuld sei auch die Angst politisch Stellung zu beziehen.

Vier große Hilfsorganisationen beklagten in einem in der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlichten Aufruf das Ausbleiben von Spendenmitteln für die Flüchtlinge im Libanon.

Ein Koffer, viel mehr ist diesem alten Mann aus Beirut nicht mehr geblieben. Hunderttausende fliehen aus dem Libanon. (© Foto: AFP)

Anzeige

Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie und das Kinderhilfswerk UNICEF forderten die Bundesbürger in einer gemeinsamen Erklärung zur Hilfe auf.

"Der Nahost-Konflikt ist uns Europäern so nahe wie kaum ein anderer Krisenherd auf der Welt. Trotzdem löst das Leid der über 900.000 libanesischen Flüchtlinge, fast die Hälfte davon Kinder, keine große Hilfsbereitschaft aus wie bei anderen Katastrophen."

UN: Israel und Hisbollah verhindern Hilfslieferungen

Im Libanon drohe "eine humanitäre Katastrophe." In den ersten vier Wochen der Auseinandersetzungen seien mehr Kinder gestorben als Hisbollah-Kämpfer und Soldaten zusammen. Bis heute gebe es keine sicheren Korridore für die Helfer.

Die Vereinten Nationen haben am Donnerstag erneut die Behinderung der Hilfstransporte zur Versorgung der Zivilbevölkerung im Krisengebiet im Libanon beklagt.

Es sei eine Schande, dass Israel und die Hisbollah-Miliz die Hilfskonvois nicht durchließen, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, am Donnerstag am europäischen Sitz der Vereinten Nationen in Genf.

"Die Hisbollah und Israel könnten uns binnen kürzester Zeit Zugang verschaffen", sagte Egeland weiter. Dann könnte 120.000 Menschen im Südlibanon geholfen werden. Ein mit Israel, dem Libanon und der Hisbollah ausgehandelter Plan für einen sicheren Korridor zur Versorgung der Bevölkerung funktioniere nicht so wie versprochen, sagte Egeland vor Journalisten.

Mehr als tausend Tote

Seit Tagen hätten die Helfer der Vereinten Nationen keinen Zugang mehr zu der belagerten Bevölkerung im Südlibanon.

Unterdessen teilte die libanesische Regierung mit, seit Beginn der Kämpfe vor einem Monat seien mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen. Dreißig Prozent der Toten seien Kinder unter zwölf Jahren. Die Zahl der Verletzten liege bei 3580.

Der Nahostkoordinator der Frankfurter Hilfsorganisation medico international, Martin Glasenapp, forderte von der Politik ein schnelles Handeln.

"Eine Million libanesische Flüchtlinge brauchen dringend ein Zeichen der internationalen Staatengemeinschaft, dass man ihre dramatische Situation wahrnimmt und sie nicht als 'Kollateralschaden' verbucht", erklärte er in Frankfurt am Main.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Richter gegen Richter

Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AFP/AP)