Von Henrik Bork

Chinas Führung will Washington mit Großaufträgen beschwichtigen, im Handelsstreit aber kaum Zugeständnisse machen.

Wieder sind es die Flugzeuge der Firma Boeing, die China und die USA versöhnen sollen. Es ist eine symbolische Geste und nicht bloß ein Werksbesuch, wenn Chinas Präsident Hu Jintao an diesem Mittwoch das Boeing-Werk in Seattle besucht.

Chinas Präsident Hu Jintao unterhält sich amüsiert mit dem Microsoft Bossen Bill Gates (re.) und Steve Ballmer während eines Besuchs des Firmensitzes in Redmond. (© Foto: AFP)

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Erst am Tag darauf wird Hu von der Westküste aus weiter nach Washington fliegen, um dort Präsident George W. Bush im Weißen Haus zu besuchen.

Versöhnlich ist diese Geste, weil das US-Handelsdefizit mit China im Jahr 2005 auf den Rekordwert von 201 Milliarden Dollar angewachsen ist. Immer lauter werden daher die Rufe auf dem Capitol Hill, Importe chinesischer Billigwaren mit Strafzöllen oder neuen Quoten einzudämmen.

Viele Probleme zu Hause

Mit seinem Besuch bei Boeing will Chinas Nummer eins die Amerikaner nun daran erinnern, dass sein Land inzwischen mit Abstand der größte Kunde des Flugzeugbauers geworden ist. 80 neue Boeing 737 nimmt er gleich mit nach Hause, für etwa 4,6 Milliarden Dollar.

Doch aus chinesischer Sicht ist der Werksbesuch nicht nur eine handelspolitische Geste. Er hat auch eine historische Komponente. Mit einer Boeing hatten die amerikanisch-chinesischen Beziehungen der Neuzeit begonnen.

An einem eiskalten Wintermorgen, dem 21. Februar 1972, war der damalige US-Präsident Richard M. Nixon in einer Boeing 707 auf dem Pekinger Flughafen gelandet. Es war das Ende des Kalten Krieges zwischen dem kommunistischen China und den USA.

Nixons Landung war auch der Beginn der Marktführerschaft Boeings auf dem chinesischen Flugzeugmarkt. Chinesische Flugzeugingenieure waren sofort in die Boeing geklettert, kaum dass der amerikanische Präsident mit einem breiten Lächeln ausgestiegen war.

Bis zum vergangenen Jahr hat Boeing 501 Flugzeuge in China verkauft - oder 63 Prozent der gesamten zivilen Flotte der Volksrepublik von insgesamt 802 Jets.

Abendessen mit Bill Gates

Airbus holt zwar auf und plant nun den Bau einer Flugzeugfabrik in China, aber Boeing ist für die Chinesen noch immer die Nummer eins. In den nächsten zwanzig Jahren wird China laut Prognosen von Boeing 2300 neue Flugzeuge kaufen.

Auch Chinas Reformzar Deng Xiaoping hatte während seines Amerika-Besuchs im Jahr 1979 das Boeing-Werk in Seattle besucht. Indem er auf den Spuren seines berühmten Vorgängers wandelt, will sich der 64-jährige Hu Jintao nun in den USA und vor dem heimischen Fernsehpublikum ebenfalls als Reformer verkaufen.

Seit dem Chinabesuch Nixons und der prinzipiellen Entscheidung Chinas, sich gegenüber der Welt zu öffnen und mit Marktwirtschaft zu experimentieren, sind Amerika-Besuche eine der wichtigsten Momente in der politischen Karriere jedes chinesischen Führers.

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